Die dot­ter­gel­ben Haa­re

Das gera­de nicht dau­er­haf­te und unab­än­der­li­che Haa­re­fär­ben stellt kei­nen mit einer Täto­wie­rung ver­gleich­ba­ren kör­per­li­chen Ein­griff dar. Im Fal­le einer miss­lun­ge­nen Haar­fär­bung besteht ein Scha­dens­er­satz­an­spruch nur dann, wenn eine ange­mes­se­ne Frist zur Leis­tung oder Nach­er­fül­lung gesetzt wor­den ist.

Die dot­ter­gel­ben Haa­re

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall das Schmer­zens­geld­ver­lan­gen einer Kun­din wegen einer miss­lun­ge­nen Haar­fär­bung abge­wie­sen. Geklagt hat­te die Kun­din gegen eine Fri­seur­meis­te­rin mit dama­li­ger soge­nann­ter Stuhl­mie­te in einem Salon im Mün­che­ner Glo­cken­bach­vier­tel auf Zah­lung von 530 Euro Scha­dens­er­satz und min­des­tens 500 Euro Schmer­zens­geld. Am 6. Mai 2017 hat­te die Klä­ge­rin den Auf­trag zu einer Haar­fär­bung mit einer bestimm­ten Haar­fär­be­tech­nik, der sog. Bala­ya­ge-Tech­nik, erteilt. Das gleich­mä­ßig über den gesam­ten Kopf ver­teil­te Haar­fär­be­mit­tel habe sich über zwei Stun­den auf ihrem Kopf befun­den. Ihre Kopf­haut habe mas­siv zu bren­nen und jucken begon­nen. Nach dem Aus­spü­len sei­en ihre Haa­re gleich­mä­ßig dot­ter­gelb gewe­sen. Die Beklag­te habe ihr noch im Salon geäu­ßer­tes Ver­lan­gen zur Besei­ti­gung der inak­zep­ta­blen Haar­schä­den und Fär­ben der Haa­re in der Bala­ya­ge-Tech­nik abge­lehnt und wegen aku­ter zeit­li­cher Ver­hin­de­rung kei­nen Alter­na­tiv­ter­min ange­bo­ten. Die Beklag­te habe nur mehr­fach zum Aus­druck gebracht, wie sehr sie selbst von dem Ergeb­nis begeis­tert sei und der Klä­ge­rin eine Sil­ber­tö­nung zur häus­li­chen Selbst­an­wen­dung mit­ge­ge­ben, um den Gelb­stich zu besei­ti­gen. Die Klä­ge­rin habe in „Schock­star­re“ für die Fri­seur­be­hand­lung samt Sil­ber­tö­nung einen Betrag in Höhe von 153 Euro bezahlt und den Salon ver­las­sen. Der Gelb­stich sei aber geblie­ben. Das Haar habe durch die viel zu lan­ge Ein­wirk­zeit Scha­den genom­men. All dies habe über lan­ge Zeit auch nega­ti­ve psy­chi­sche Aus­wir­kun­gen gehabt.

Die Beklag­te trägt vor, sie kön­ne sich nicht mehr dar­an erin­nern, der Klä­ge­rin die Haa­re gefärbt zu haben. Das Nach­er­fül­lungs­ver­lan­gen einer unzu­frie­de­nen Kun­din wür­de sie nie­mals ableh­nen. Sie habe auf­grund der Zah­lung der Klä­ge­rin und dem Umstand, dass sich die Klä­ge­rin bis Dezem­ber nicht mehr mit ihr in Ver­bin­dung gesetzt habe jeden­falls davon aus­ge­hen dür­fen, dass die Klä­ge­rin mit der unter­stell­ten Fri­seur­leis­tung im Wesent­li­chen zufrie­den gewe­sen sei. Ein Nach­bes­se­rungs­ver­lan­gen sei hier auch nicht unzu­mut­bar gewe­sen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen betont, dass ein Scha­dens­er­satz­an­spruch statt der Leis­tung gemäß § 281 Abs.1 S.1 BGB grund­sätz­lich vor­aus­setzt, dass dem Schuld­ner erfolg­los eine ange­mes­se­ne Frist zur Leis­tung oder Nach­er­fül­lung gesetzt wur­de. Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen ist dem Ver­hal­ten der Klä­ge­rin vor Ort eine Frist­set­zung zur Nach­er­fül­lung offen­kun­dig nicht zu ent­neh­men. So erfüllt das Ver­lan­gen der Klä­ge­rin die Anfor­de­run­gen an eine ange­mes­se­ne Frist zur Nach­er­fül­lung nicht, da der Beklag­ten inso­weit kei­ner­lei „ange­mes­se­ne“ Zeit zur Besei­ti­gung ein­ge­räumt, son­dern ein sofor­ti­ges Han­deln – und auch nur ein sol­ches – ver­langt wur­de.

Dem von der Klä­ge­rin dar­ge­leg­ten Ver­hal­ten der Beklag­ten kann eine ernst­haf­te und end­gül­ti­ge Ver­wei­ge­rung der Nach­er­fül­lung nicht ent­nom­men wer­den. Allein die Tat­sa­che, dass die Beklag­te auf das sofor­ti­ge Besei­ti­gungs­ver­lan­gen der Klä­ge­rin auf­grund einer aku­ten zeit­li­chen Ver­hin­de­rung ledig­lich mit der Über­ga­be einer Sil­ber­tö­nung zur Eigen­an­wen­dung reagiert und der Klä­ge­rin auch kei­nen Alter­na­tiv­ter­min ange­bo­ten haben soll, stellt kei­ne die Frist zur Nach­er­fül­lung ent­behr­lich machen­de Nach­er­fül­lungs­ver­wei­ge­rung dar. Im Gegen­teil, die Beklag­te hat sich durch Über­ga­be der Sil­ber­tö­nung gera­de mit der angeb­li­chen Män­gel­an­zei­ge der Klä­ge­rin aus­ein­an­der­ge­setzt und ver­sucht, die­ser Abhil­fe zu ver­schaf­fen.

Außer­dem ist der Klä­ge­rin die Nach­er­fül­lung auch nicht unzu­mut­bar. Dies wäre etwa nach meh­re­ren fehl­ge­schla­ge­nen Nach­bes­se­rungs­ver­su­chen der Fall oder wenn dem Ver­trau­en in die Leis­tungs­fä­hig­keit des Unter­neh­mers beson­de­re Bedeu­tung zukommt, etwa bei dau­er­haf­ten bzw. unab­än­der­li­chen kör­per­li­chen Ein­grif­fen wie einer Täto­wie­rung. Das – gera­de nicht dau­er­haf­te oder unab­än­der­li­che – Fär­ben oder Schnei­den von Haa­ren stellt auch kei­nen mit einer Täto­wie­rung ver­gleich­ba­ren kör­per­li­chen Ein­griff dar.

Da das Set­zen einer ange­mes­se­nen Frist zur Nach­er­fül­lung im vor­lie­gen­den Fall auch bei Wahr­un­ter­stel­lung des klä­ge­ri­schen Vor­tra­ges weder unzu­mut­bar noch aus ande­ren Grün­den ent­behr­lich war und tat­säch­lich auch nicht erfolgt ist, schei­den werk­ver­trag­li­che Män­gel­ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che der Klä­ge­rin ins­ge­samt aus.

Auch ein Scha­dens­er­satz­an­spruch auf­grund ver­trag­li­cher Neben­pflicht­ver­let­zung oder uner­laub­ter Hand­lung schei­det vor­lie­gend aus, da die Kla­ge­par­tei eine Gesund­heits­schä­di­gung oder gar Kör­per­ver­let­zung durch die Beklag­te bereits nicht hin­rei­chend schlüs­sig und sub­stan­ti­iert dar­ge­tan hat.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 24.01.2019 – 213 C 8595/​18 (nicht rechts­kräf­tig)