Die Ent­schei­dung über die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – und die Anhö­rungs­rü­ge

Eine Anhö­rungs­rü­ge gegen einen Beschluss über die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on ist nur dann begrün­det, wenn dadurch das Ver­fah­rens­grund­recht auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) neu und eigen­stän­dig durch den Bun­des­ge­richts­hof ver­letzt wor­den ist [1].

Die Ent­schei­dung über die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – und die Anhö­rungs­rü­ge

Daher muss die Dar­le­gung erken­nen las­sen, aus wel­chen kon­kre­ten Grün­den der Beschwer­de­füh­rer meint, die Zurück­wei­sung sei­ner Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de las­se nur den Schluss zu, sein Vor­brin­gen sei nicht zur Kennt­nis genom­men wor­den [2].

Erschöp­fen sich die Aus­füh­run­gen der Beklag­ten in dem Hin­weis, wonach die begrün­dungs­lo­se Zurück­wei­sung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de bele­ge, dass der Bun­des­ge­richts­hof ihr Peti­tum über­gan­gen und ihren gesam­ten Vor­trag nicht zur Kennt­nis genom­men habe, genügt dies den vor­be­schrie­be­nen Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen nicht. Die kur­zen, kei­ner­lei Ein­zel­fall­be­zug her­stel­len­den Aus­füh­run­gen zei­gen eine neue, eigen­stän­di­ge und ent­schei­dungs­er­heb­li­che Gehörsver­let­zung durch den ange­grif­fe­nen BGH, Beschluss nicht auf.

Ins­be­son­de­re liegt eine sol­che nicht dar­in, dass der Bun­des­ge­richts­hof gemäß § 544 Abs. 6 Satz 2 Halbs. 2 ZPO von einer nähe­ren Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung abge­se­hen hat [3]. Die Anhö­rungs­rü­ge kann nicht zur Her­bei­füh­rung der Begrün­dung einer Ent­schei­dung über die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­ge­legt wer­den [4].

Die Anfor­de­run­gen an die Dar­le­gung einer eigen­stän­di­gen Gehörsver­let­zung sind auch nicht des­halb gerin­ger, weil der bean­stan­de­te Beschluss wie aus­ge­führt über den Ver­weis auf das Feh­len von Zulas­sungs­grün­den hin­aus kei­ne wei­te­re Begrün­dung ent­hält.

Die­ses Feh­len ent­hebt die Par­tei nicht davon, einen behaup­te­ten Gehörsver­stoß näher dar­zu­le­gen [5]. Durch das Dar­le­gungs­er­for­der­nis (§ 321a Abs. 2 Satz 5 iVm Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO) wer­den die Anfor­de­run­gen an die Gewäh­rung von Rechts­schutz bei einer Ver­let­zung des Art. 103 Abs. 1 GG auch in die­sen Fäl­len nicht über­spannt. Denn dem Beschwer­de­füh­rer wird dadurch nur auf­er­legt, die eige­ne Rechts­an­sicht auf Grund der Zurück­wei­sung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de noch­mals zu prü­fen und in der Anhö­rungs­rü­ge auf­zu­zei­gen, dass die Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts nach sei­ner Ansicht auf einer Ver­let­zung des Art. 103 Abs. 1 GG beruht [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Febru­ar 2020 – VIII ZR 353/​18

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 28.05.2013 – IV ZR 149/​12, Rn. 2; vom 10.01.2017 – VIII ZR 14/​16, REE 2017, 69 unter I; jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 16.12 2015 – V ZR 296/​14, Rn. 1; vom 10.01.2017 – VIII ZR 14/​16, aaO[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 19.03.2009 – V ZR 142/​08, NJW 2009, 1609 Rn. 6; vom 28.05.2013 – IV ZR 149/​12, aaO Rn. 6[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.05.2013 – IV ZR 149/​12, aaO; vom 28.02.2018 XII ZR 76/​16, Rn. 4; BT-Drs. 15/​3706 S. 16[]
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.05.2013 – IV ZR 149/​12, aaO; vom 08.06.2016 – XI ZR 268/​15, Rn. 4; vom 29.10.2019 – V ZR 27/​19, Rn. 1[]
  6. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 19.03.2009 – V ZR 142/​08, aaO Rn. 12; vom 06.11.2014 – V ZR 322/​13, Rn. 1[]