Die Ent­zün­dung eines Knie­ge­lenks nach der Behand­lung

Kann nicht fest­ge­stellt wer­den, dass eine nach einer Punk­ti­on und Injek­ti­on auf­ge­tre­te­ne Infek­ti­on eines Knie­ge­len­kes auf die Behand­lung zurück­zu­füh­ren ist, hat der Pati­ent kei­nen Anspruch auf Scha­dens­er­satz.

Die Ent­zün­dung eines Knie­ge­lenks nach der Behand­lung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines 66jährigen Man­nes abge­wie­sen, der von sei­ner erst­be­han­deln­den All­ge­mein­me­di­zi­ne­rin Schmer­zens­geld ver­langt hat. Der Klä­ger aus Bad Sal­zu­flen such­te im Mai 2008 die beklag­te All­ge­mein­me­di­zi­ne­rin in Bad Sal­zu­flen auf, um sein nach einem Sturz schmerz­haf­tes und in der Bewe­gung ein­ge­schränk­tes Knie­ge­lenk behan­deln zu las­sen. Die Beklag­te punk­tier­te den Schleim­beu­tel, ent­nahm serö­se Flüs­sig­keit und inji­zier­te zwei Medi­ka­men­te. Drei Tage spä­ter stell­te ein Ortho­pä­de eine Ent­zün­dung im Bereich des Knie­ge­lenks fest, eini­ge Wochen spä­ter wur­de ein Befall mit Cit­ro­bac­ter-Bak­te­ri­en dia­gnos­ti­ziert. Der Klä­ger muss­te in der Fol­ge­zeit mehr­fach ope­ra­tiv behan­delt wer­den. Von der Beklag­ten hat er 10.000,00 Euro Schmer­zens­geld mit der Begrün­dung ver­langt, sie habe ihn feh­ler­haft, u. a. ohne die gebo­te­ne Hygie­ne, und ohne hin­rei­chen­de Auf­klä­rung behan­delt. Nach­dem er vor dem Land­ge­richt Det­mold mit sei­ner Kla­ge kei­nen Erfolg hat­te, hat er sein Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm auf das ein­ge­hol­te medi­zi­ni­sche Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ver­wie­sen und aus­ge­führt, dass nicht fest­ge­stellt wer­den konn­te, dass die vom Klä­ger erlit­te­ne Infek­ti­on auf die Behand­lung der Beklag­ten, ins­be­son­de­re die Punk­ti­on oder eine unzu­rei­chen­de Auf­klä­rung über die Behand­lung zurück­zu­füh­ren war. Zum Zeit­punkt der Behand­lung durch die Beklag­te habe beim Klä­ger schon eine Schleim­beu­tel­ent­zün­dung vor­ge­le­gen, auch durch den vor­he­ri­gen Sturz auf das Knie hät­ten Bak­te­ri­en ein­drin­gen kön­nen. Nach den Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen kön­ne die Infek­ti­on auch auf die­se Umstän­de zurück­zu­füh­ren sein.

Eine Beweis­erleich­te­rung infol­ge eines gro­ben Behand­lungs­feh­lers kom­me dem Klä­ger nicht zugu­te. Es sei bereits kein Behand­lungs­feh­ler fest­stell­bar. Im Hin­blick auf die gebo­te­ne Hygie­ne kom­me ein sol­cher in Betracht, wenn die Beklag­te mehr­fach mit der­sel­ben Nadel zuge­sto­chen habe. Dafür gebe es aber kei­ne Nach­wei­se. Wenn sie ihrer Dar­stel­lung ent­spre­chend ledig­lich ein­mal mit einer Kanü­le zuge­sto­chen und über die­se dann auch die Medi­ka­men­te zuge­führt habe, sei sie rich­tig vor­ge­gan­gen. Die hier­von abwei­chen­de Dar­stel­lung des Klä­gers, nach wel­cher er mehr­fach und von ver­schie­de­nen Sei­ten aus gespritzt wor­den sei, sei nicht nach­voll­zieh­bar und auch nicht glaub­haft vor­ge­tra­gen. Aus die­sen Grün­den ist die Kla­ge des Pati­en­ten erfolg­los geblie­ben.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 11. April 2014 – 26 U 166/​13