Die Erhö­hung des Erb­bau­zin­ses – und der Erwer­ber des Erb­bau­rechts

Ein Urteil, das dem Erb­bau­rechts­be­stel­ler einen Anspruch auf Zah­lung eines erhöh­ten Erb­bau­zin­ses gegen den Erb­bau­be­rech­tig­ten zuspricht, ent­fal­tet kei­ne Rechts­kraft gegen­über dem Erwer­ber des Erb­bau­rechts, der vor Kla­ge­er­he­bung als des­sen Inha­ber im Grund­buch ein­ge­tra­gen war; tritt die­ser dem Rechts­streit auf­grund einer Streit­ver­kün­dung bei, ist er nicht als streit­ge­nös­si­scher Neben­in­ter­ve­ni­ent anzu­se­hen.

Die Erhö­hung des Erb­bau­zin­ses – und der Erwer­ber des Erb­bau­rechts

Eine streit­ge­nös­si­sche Neben­in­ter­ven­ti­on setzt gemäß § 69 ZPO vor­aus, dass nach den Vor­schrif­ten des bür­ger­li­chen Rechts (bzw. des Pro­zess­rechts) die Rechts­kraft der in dem Haupt­pro­zess erlas­se­nen Ent­schei­dung gera­de für ein Rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Neben­in­ter­ve­ni­en­ten und dem Pro­zess­geg­ner von Bedeu­tung ist1.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen im hier ent­schie­de­nen Fall nicht vor. Zwar ist davon aus­zu­ge­hen, dass der ursprüng­li­che Erb­bau­zins nicht auf rein schuld­recht­li­cher Grund­la­ge ver­ein­bart, son­dern infol­ge der ein­ge­tra­ge­nen Erb­bau­zins­re­al­last mit ding­li­cher Wir­kung aus­ge­stat­tet ist (vgl. § 9 Abs. 1 Satz 1 Erb­bau­RG)2. Das ändert aber nichts dar­an, dass sich ein Anspruch auf Erhö­hung des Erb­bau­zin­ses – vor­be­halt­lich einer Rege­lung nach § 1105 Abs. 1 Satz 2 BGB – nur aus dem schuld­recht­li­chen Bestel­lungs­ver­trag erge­ben kann. Er rich­tet sich auch nach der Ver­äu­ße­rung des Erb­bau­rechts wei­ter­hin gegen den ursprüng­li­chen Erb­bau­be­rech­tig­ten, sofern der Erwer­ber nicht mit schuld­be­frei­en­der Wir­kung in den schuld­recht­li­chen Bestel­lungs­ver­trag ein­ge­tre­ten ist3. Nur wenn sich aus den schuld­recht­li­chen Bezie­hun­gen ein Erhö­hungs­an­spruch ergibt, kann dem Erb­bau­rechts­ver­pflich­te­ten zugleich ein Anspruch auf Ein­tra­gung der Erhö­hung in das Grund­buch zuzu­bil­li­gen sein4; dies setzt vor­aus, dass der Inha­ber des Erb­bau­rechts an dem Schuld­ver­hält­nis betei­ligt ist.

Das gegen die Erb­bau­be­rech­tig­te ergan­ge­ne Urteil hat kei­ne Bin­dungs­wir­kung in dem für die Annah­me einer streit­ge­nös­si­schen Neben­in­ter­ven­ti­on maß­geb­li­chen Ver­hält­nis zwi­schen den Erb­bau­rechts­be­stel­le­rin und der Streit­hel­fe­rin; eine Rechts­kraf­ter­stre­ckung sieht das mate­ri­el­le Recht oder das Pro­zess­recht unter kei­nem denk­ba­ren Gesichts­punkt vor.

Soll­te die Streit­hel­fe­rin mit schuld­be­frei­en­der Wir­kung in den Bestel­lungs­ver­trag ein­ge­tre­ten sein, ent­fal­te­te das Urteil kei­ne Wir­kung gegen sie, weil es gegen die fal­sche Par­tei – näm­lich die Erb­bau­be­rech­tig­te – gerich­tet wäre. Sofern ein Schuld­bei­tritt erfolgt sein soll­te, haf­te­te die Streit­hel­fe­rin neben der Erb­bau­be­rech­tig­ten als Gesamt­schuld­ne­rin; eine Rechts­kraf­ter­stre­ckung wäre gemäß § 425 Abs. 2 BGB aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen.

Eine Bin­dungs­wir­kung ent­fal­te­te das Urteil auch dann nicht, wenn zwi­schen den Erb­bau­rechts­be­stel­lern und der Streit­hel­fe­rin nur ding­li­che Rechts­be­zie­hun­gen bestehen soll­ten. Es zöge kei­nen gegen die Streit­hel­fe­rin gerich­te­ten Anspruch der Erb­bau­rechts­be­stel­ler auf Ein­tra­gung der Erb­bau­zins­er­hö­hung nach sich. Auch in der Sache käme wegen der feh­len­den schuld­recht­li­chen Bezie­hun­gen ein auf den Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge gestütz­ter Anpas­sungs­an­spruch nicht in Betracht5; die Streit­hel­fe­rin haf­te­te gegen­über den Erb­bau­rechts­be­stel­lern mit dem Erb­bau­recht wei­ter­hin (nur) in dem aus dem Grund­buch ersicht­li­chen Umfang, also für den (bis­lang geschul­de­ten) Erb­bau­zins.

Dass das Urteil in dem Innen­ver­hält­nis zwi­schen der Erb­bau­be­rech­tig­ten und der Streit­hel­fe­rin Bin­dungs­wir­kung im Hin­blick auf einen etwai­gen Frei­stel­lungs­an­spruch6 ent­fal­ten kann, beruht auf der (beab­sich­tig­ten) Wir­kung einer (ein­fa­chen) Streit­ver­kün­dung, begrün­det aber – wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend anmerkt – kei­ne streit­ge­nös­si­sche Neben­in­ter­ven­ti­on.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juni 2014 – V ZB 160/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 10.10.1984 – IVb ZB 23/​84, BGHZ 92, 275, 277 []
  2. BGH, Urteil vom 25.09.1981 – V ZR 244/​80, BGHZ 81, 358, 361 []
  3. BGH, Urteil vom 04.05.1990 – V ZR 21/​89, BGHZ 111, 214, 215; Staudinger/​Rapp, BGB [2009], § 9 Erb­bau­RG Rn. 22 []
  4. BGH, Urteil vom 20.12 1985 – V ZR 96/​84, BGHZ 96, 371, 379 []
  5. BGH, Urteil vom 20.12 1985 – V ZR 96/​84, BGHZ 96, 371, 375 ff. []
  6. dazu BGH, Urteil vom 04.05.1990 – V ZR 21/​89, BGHZ 111, 214, 217 f. []