Die fal­sche Fax-Nr.

Die Ver­fah­rens­grund­rech­te auf Gewäh­rung wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes (Art. 2 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Rechts­staats­prin­zip) und auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) gebie­ten, dass einer Par­tei die Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nicht auf­grund von Anfor­de­run­gen an die Sorg­falts­pflich­ten ihres Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ver­sagt wer­den darf, die nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung nicht ver­langt wer­den und die den Par­tei­en den Zugang zu einer in der Ver­fah­rens­ord­nung ein­ge­räum­ten Instanz in unzu­mut­ba­rer, aus Sach­grün­den nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se erschwe­ren 1.

Die fal­sche Fax-Nr.

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te der Beklag­te die Frist zur Begrün­dung der Beru­fung ver­säumt und war auch der Antrag auf Ver­län­ge­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist nicht recht­zei­tig vor Frist­ab­lauf beim Beru­fungs­ge­richt ein­ge­gan­gen, da die Über­mitt­lung des Frist­ver­län­ge­rungs­an­trags an die hier ange­wähl­te Fax­num­mer des Land­ge­richts die Frist nicht gewahrt hat, weil die­se Fax­num­mer nicht zur Gemein­sa­men Post­an­nah­me­stel­le der Nürn­ber­ger Jus­tiz­be­hör­den gehör­te. Inso­weit unter­schei­det sich der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt von den bereits vom BGH ent­schie­de­nen Fäl­len 2. Denn in jenen Fäl­len war jeweils einer der beson­ders bestimm­ten Tele­fax­an­schlüs­se der betei­lig­ten Behör­den und Gerich­te ange­wählt wor­den, die nach einer Gemein­sa­men Anord­nung der Behör­den­lei­ter zugleich als Anschlüs­se der ande­ren Behör­den und Gerich­te gal­ten; des­halb waren die bei einem die­ser Anschlüs­se ein­ge­hen­den Tele­fax­schrei­ben als bei der Geschäfts­stel­le der jeweils ange­schrie­be­nen Behör­den- oder Gerichts­stel­le ein­ge­gan­gen anzu­se­hen. Hier ist indes der Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag nicht an einen der­ar­ti­gen beson­ders bestimm­ten Fax­an­schluss über­mit­telt wor­den.

Aller­dings gewähr­te der Bun­des­ge­richts­hof in die­sem Fall – anders als zunächst das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg 3- eine Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Beru­fungs­be­grün­dungs­frist, denn die feh­ler­haf­te Über­mitt­lung des Frist­ver­län­ge­rungs­an­trags an das Land­ge­richt beruht allein auf einem dem Beklag­ten nicht zuzu­rech­nen­den Ver­schul­den der Büro­an­ge­stell­ten sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten:

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist es aus­rei­chend (und im Übri­gen auch gebo­ten), die Fax­num­mer des Adres­sat­ge­richts – soweit mög­lich – dem letz­ten in der Hand­ak­te befind­li­chen (zeit­na­hen) Schrei­ben des Adres­sat­ge­richts zu ent­neh­men und auch die anschlie­ßen­de Kon­trol­le des Sen­de­be­richts dar­auf, ob die rich­ti­ge Num­mer des Adres­sat­ge­richts gewählt wur­de, anhand die­ses Schrei­bens vor­zu­neh­men 4.

Die Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts, dass bei einer der­ar­ti­gen Vor­ge­hens­wei­se eine erhöh­te Feh­ler­an­fäl­lig­keit dahin bestehe, dass ver­se­hent­lich die Fax­num­mer einem Schrei­ben des Aus­gangs­ge­richts (statt des Adres­sat­ge­richts) ent­nom­men wer­de und sich der Feh­ler bei der Kon­trol­le wie­der­ho­le, teilt der Bun­des­ge­richts­hof nicht. Das Adres­sat­ge­richt – Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg – ist auf dem Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag des Beklag­ten vom 24.06.2013 zutref­fend ange­ge­ben. Die (theo­re­ti­sche) Mög­lich­keit, dass auf­grund eines Ver­se­hens die Num­mer des Aus­gangs­ge­richts – hier des Land­ge­richts Nürn­berg­Fürth – ermit­telt und ver­wen­det wird und sich der Feh­ler anschlie­ßend bei der Aus­gangs­kon­trol­le wie­der­holt, besteht auch bei der Anwei­sung, die Fax­num­mer über die Home­page des Adres­sat­ge­richts zu ermit­teln. Jeden­falls darf ein Rechts­an­walt dar­auf ver­trau­en, dass eine erfah­re­ne Büro­an­ge­stell­te, die bis­her zuver­läs­sig gear­bei­tet hat, die all­ge­mei­ne Anwei­sung, die Fax­num­mer des Adres­sat­ge­richts aus einem bei der Hand­ak­te befind­li­chen Schrei­ben die­ses Gerichts her­aus­zu­su­chen und den Sen­de­be­richt anschlie­ßend anhand die­ses Schrei­bens noch ein­mal auf die rich­ti­ge Fax­num­mer des Adres­sat­ge­richts zu kon­trol­lie­ren, zuver­läs­sig aus­füh­ren wird. Dass ent­spre­chen­de Anwei­sun­gen im Büro des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Beklag­ten bestan­den, ist durch die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung der Büro­kraft glaub­haft gemacht. Der gleich­wohl unter­lau­fe­ne Feh­ler beim Her­aus­su­chen und der Kon­trol­le der ver­wen­de­ten Num­mer beruht daher auf einem dem Beklag­ten nicht zuzu­rech­nen­den Ver­se­hen der Büro­an­ge­stell­ten und nicht auf einem Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Janu­ar 2014 – VIII ZB 40/​13

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.05.2011 – IV ZB 2/​11, AnwBl.2011, 865 Rn. 6; vom 12.06.2012 – VI ZB 54/​11, NJW-RR 2012, 1267 Rn. 5; vom 26.06.2012 – VI ZB 12/​12, NJW 2012, 3309 Rn. 5; jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 23.04.2013 – VI ZB 27/​12, MDR 2013, 1186 Rn. 12 unter Hin­weis auf BVerfG, NJW-RR 2008, 446[]
  3. OLG Nürn­berg, Beschluss vom 08.08.2013 – 4 U 1044/​13[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 17.08.2011 – VIII ZB 39/​10, NJW-RR 2011, 1557 Rn. 11; vom 14.10.2010 – IX ZB 34/​10, NJW 2011, 312 Rn. 10[]