Die fal­sche Wahl bei der Schul­ter­ope­ra­ti­on

Hat sowohl die Wahl einer offe­nen Schul­ter­ge­lenks­ope­ra­ti­on als auch die Durch­füh­rung die­ser Ope­ra­ti­on gegen den ärzt­li­chen Stan­dard ver­sto­ßen, ist die Behand­lung grob feh­ler­haft gewe­sen.

Die fal­sche Wahl bei der Schul­ter­ope­ra­ti­on

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Pati­en­tin, die nach einer Ope­ra­ti­on ihre lin­ke Schul­ter nicht mehr ein­set­zen kann, ein Schmer­zens­geld zuge­spro­chen. Gleich­zei­tig ist das anders­lau­ten­de Urteil des Amts­ge­richts Arns­berg abge­än­dert wor­den. Die 1958 gebo­re­ne Klä­ge­rin aus Arns­berg ließ sich im Novem­ber 2005 im erst­be­klag­ten Kran­ken­haus in Soest von den dort beschäf­tig­ten, zweit- und dritt­be­klag­ten Ärz­ten an der lin­ken Schul­ter ope­rie­ren. Seit die­sem Ein­griff kann die Klä­ge­rin ihren lin­ken Arm nicht mehr rich­tig heben. Nach wei­te­ren ope­ra­ti­ven Ein­grif­fen muss­te die lin­ke Schul­ter der Klä­ge­rin im Febru­ar 2009 ver­steift wer­den. Mit der Begrün­dung, sie sei unter Ent­fer­nung ihres Schul­ter­dachs feh­ler­haft ope­riert wor­den, hat die Klä­ge­rin von den Beklag­ten Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld in Höhe von 50.000,00 Euro.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat sich das Ober­lan­des­ge­richt Hamm auf ein medi­zi­ni­sches Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten gestützt. Die Klä­ge­rin wur­de im Novem­ber
2005 im beklag­ten Kran­ken­haus von den bei­den beklag­ten Ope­ra­teu­ren grob feh­ler­haft behan­delt. Sowohl die Wahl einer offe­nen Schul­ter­ge­lenks­ope­ra­ti­on als auch die Durch­füh­rung die­ser Ope­ra­ti­on ver­stie­ßen gegen den ärzt­li­chen Stan­dard. Nach dem vor der Ope­ra­ti­on erho­be­nen MRT-Befund sei allein ein arthro­sko­pi­scher Ein­griff zur Ent­fer­nung des Schleim­beu­tels und zur Dekom­pres­si­on der Enge im Schul­ter­ge­lenk der Klä­ge­rin indi­ziert gewe­sen. Der tat­säch­lich vor­ge­nom­me­ne Ein­griff sei zudem feh­ler­haft durch­ge­führt wor­den, weil intra­ope­ra­tiv wesent­li­che Tei­le des Schul­ter­dachs ent­fernt wor­den sei­en. Dadurch sei das Schul­ter­dach zer­stört wor­den. Dies habe die Ver­stei­fung der lin­ken Schul­ter der Klä­ge­rin erfor­dert, so dass der lin­ke Arm funk­ti­ons­un­fä­hig gewor­den sei. Von die­sem Kau­sal­zu­sam­men­hang sei aus­zu­ge­hen, weil den Beklag­ten ein gro­ber Behand­lungs­feh­ler vor­zu­wer­fen sei, der zu einer Beweis­last hin­sicht­lich der ein­ge­tre­te­nen Scha­dens­fol­gen füh­re.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 1. Juli 2014 – 26 U 4/​13