Die feh­len­de täg­li­che Kon­trol­le einer Infek­ti­on

Bestellt ein Ortho­pä­de einen Pati­en­ten, bei dem infol­ge einer Injek­ti­on im Bereich der Fuß­soh­le eine Infek­ti­on auf­tritt, nicht zur täg­li­chen Kon­trol­le ein, han­delt behand­lungs­feh­ler­haft.

Die feh­len­de täg­li­che Kon­trol­le einer Infek­ti­on

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kla­ge auf Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld statt­ge­ge­ben und gleich­zei­tig die erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung des Land­ge­richts Det­mold abge­än­dert. Mit­te Juni 2008 such­te die sei­ner­zeit 66 Jah­re alte Klä­ge­rin aus Lem­go den beklag­ten Ortho­pä­den aus Lage zur Behand­lung von Beschwer­den im Bereich ihrer rech­ten Fer­se auf. Der Beklag­te inji­zier­te im Bereich der Fuß­soh­le ein Medi­ka­ment zur Behand­lung einer Seh­nen­ent­zün­dung. Zur Behand­lung einer in der Fol­ge auf­ge­tre­te­nen Infek­ti­on ver­ord­ne­te der Beklag­te der Klä­ge­rin Anti­bio­ti­ka. Auf Ver­an­las­sung ihres Haus­arz­tes wur­de die Klä­ge­rin sodann Ende Juni 2008 in eine Kli­nik ein­ge­wie­sen, in der ihre infi­zier­te Wun­de ope­ra­tiv behan­delt wur­de. Zum Zwe­cke wei­te­rer ope­ra­ti­ver Wund­re­vi­sio­nen muss­te sich die Klä­ge­rin bis zum Sep­tem­ber 2008 wie­der­holt sta­tio­när behan­deln las­sen. Mit der Begrün­dung, sie sei vom Beklag­ten unzu­rei­chend auf­ge­klärt, feh­ler­haft behan­delt wor­den und lei­de jetzt unter einem Dau­er­scha­den, weil sie nur noch kur­ze Stre­cken schmerz­frei gehen kön­ne, hat die Klä­ge­rin vom Beklag­ten Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld in Höhe von 30.000 Euro.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm haf­te der Beklag­te, unge­ach­tet des­sen, dass er die Klä­ge­rin über die Risi­ken einer Infek­ti­on nicht hin­rei­chend auf­ge­klärt habe, weil er die Klä­ge­rin feh­ler­haft behan­delt habe.

Die Injek­ti­on als sol­che habe er aller­dings nicht behand­lungs­feh­ler­haft vor­ge­nom­men. Der Beklag­te habe sie nicht zu tief gesetzt und auch nicht gegen hygie­ni­sche Stan­dards ver­sto­ßen.

Behand­lungs­feh­ler­haft sei aber, dass der Beklag­te die auf­ge­tre­te­ne Infek­ti­on nicht hin­rei­chend kon­trol­liert habe. Nach den Anga­ben des vom Senat ver­nom­me­nen medi­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen habe der Beklag­te nach dem Auf­tre­ten von Ent­zün­dungs­an­zei­chen täg­li­che Kon­trol­len durch­füh­ren und die Klä­ge­rin inso­weit anlei­ten müs­sen. Dies sei unter­blie­ben. Viel­mehr habe der Beklag­te die Klä­ge­rin zu einer wei­te­ren Kon­trol­le erst nach 5 Tagen auf­ge­for­dert. Das Unter­las­sen der hin­rei­chen­den Kon­trol­le stel­le einen gro­ben Behand­lungs­feh­ler dar. Des­we­gen gehe es zu Las­ten des Beklag­ten, dass der Senat nicht sicher fest­stel­len kön­ne, ob die unter­las­se­nen Kon­trol­len zu einer Befund­ver­schlech­te­rung geführt und ob täg­li­che Kon­trol­len die Hei­lungs­chan­cen ver­bes­sert hät­ten.

Infol­ge der feh­ler­haf­ten Behand­lung lei­de die Klä­ge­rin unter Bewe­gungs­ein­schrän­kun­gen beim rech­ten Fuß und einer druck­emp­find­li­chen Nar­be. Ange­sichts die­ser Dau­er­fol­gen, der ein­ge­tre­te­nen Kom­pli­ka­tio­nen und des lang­wie­ri­gen Ver­laufs mit mehr­fa­chen Revi­si­ons­ope­ra­tio­nen sei das aus­ge­ur­teil­te Schmer­zens­geld gerecht­fer­tigt.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 12. Novem­ber 2013 – 26 U 107/​11