Die feh­ler­haf­te Behand­lung eines Hand­ge­lenk­bruchs

Wird es behand­lungs­feh­ler­haft ver­säumt, nach einer Ope­ra­ti­on eines Hand­ge­lenk­bruchs den fort­be­stehen­den zen­tra­len Defekt der Gelenk­flä­che zu behan­deln und die Kom­pres­si­on des Mit­tel­arm­nervs wird zu spät erkannt, so dass es zu einer erheb­li­chen Fehl­stel­lung im Gelenk, andau­ern­den Ruhe- und Belas­tungs­schmer­zen und zu einer begin­nen­den Arthro­se kommt, kann das ein Schmer­zens­geld recht­fer­tig­ten.

Die feh­ler­haf­te Behand­lung eines Hand­ge­lenk­bruchs

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall einem Kraft­fah­rer, des­sen Behand­lung nach einem Arbeits­un­fall feh­ler­haft war, ein Schmer­zens­geld in Höhe von 15.000 Euro zuge­spro­chen unter teil­wei­ser Abän­de­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung des Land­ge­richts Arns­berg. Der 54 Jah­re alte Klä­ger, ein Kraft­fah­rer aus Men­den, erlitt im Juni 2010 einen Arbeits­un­fall, bei dem er sich die Spei­che hand­ge­lenks­nah brach (dista­le Radi­us­mehr­frag­ment­frak­tur). Die ope­ra­ti­ve Repo­si­ti­on erfolg­te durch den erst­be­klag­ten Chef­arzt der chir­ur­gi­schen Abtei­lung des zweit­be­klag­ten Kran­ken­hau­ses in Werl. Die sta­tio­nä­re Behand­lung ende­te Anfang Juli 2010. Auf­grund fort­be­stehen­der Beschwer­den such­te der Klä­ger im August 2010 eine Kli­nik in Bochum auf. In die­ser wur­den ein nach der ers­ten Ope­ra­ti­on fort­be­stehen­der zen­tra­ler Defekt der Gelenk­flä­che und die Kom­pres­si­on des Mit­tel­arm­nervs ope­ra­tiv behan­delt sowie u.a. ein kom­ple­xes regio­na­les Schmerz­syn­drom (Com­plex Regio­nal Pain Syn­drom, CRPS) dia­gnos­ti­ziert. Mit der Begrün­dung, eine feh­ler­haf­te ers­te Ope­ra­ti­on und Nach­be­hand­lung durch die Beklag­ten hät­ten die wei­te­re Ope­ra­ti­on, blei­ben­de Gesund­heits­schä­den und auch das CRPS ver­ur­sacht, hat der Klä­ger von den Beklag­ten Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld von 25.000 Euro.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hät­ten es die Beklag­ten behand­lungs­feh­ler­haft ver­säumt, das Ergeb­nis der ers­ten Ope­ra­ti­on zu kon­trol­lie­ren, und hät­ten des­we­gen den fort­be­stehen­den zen­tra­len Defekt der Gelenk­flä­che nicht behan­delt und die bereits in Erschei­nung getre­te­ne Kom­pres­si­on des Mit­tel­arm­nervs nicht berück­sich­tigt. Fol­gen die­ser Behand­lungs­feh­ler sei­en eine erheb­li­che Fehl­stel­lung im Gelenk, andau­ern­de Ruhe- und Belas­tungs­schmer­zen sowie eine begin­nen­de Arthro­se. Die­se Fol­gen recht­fer­tig­ten ein Schmer­zens­geld von 15.000 Euro.

Dem­ge­gen­über sei das CRPS nicht zu berück­sich­ti­gen, weil eine Ver­ur­sa­chung oder Beein­flus­sung durch die feh­ler­haf­te Nach­be­hand­lung nicht bewie­sen sei. Inso­weit kön­ne sich der Klä­ger auch nicht auf eine Beweis­last­um­kehr beru­fen. Sei­ne Nach­be­hand­lung durch die Beklag­ten sei zwar grob feh­ler­haft gewe­sen. Die aus einem gro­ben Behand­lungs­feh­ler resul­tie­ren­de Beweis­last­um­kehr erfas­se aber nur des­sen Pri­mär­schä­den und typi­sche Sekun­där­schä­den. Dass hier­un­ter auch das CRPS fal­le, sei nicht fest­stell­bar. Ver­ur­sa­chung und Ent­wick­lung eines CPRS sei­en weit­ge­hend unge­klärt. Für das häu­fig an sei­nem Beginn ste­hen­de Unfall­trau­ma sei­en die Beklag­ten im vor­lie­gen­den Fall nicht ver­ant­wort­lich. Dass sich das Risi­ko eines CRPS durch die feh­ler­haf­te Nach­be­hand­lung des Klä­gers erhöht habe, sei aus medi­zi­ni­scher Sicht nicht zu veri­fi­zie­ren.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 5. Novem­ber 2013 – 26 U 145/​12