Die feh­ler­haf­te the­ra­peu­ti­sche Auf­klä­rung

Beruft sich ein Pati­ent auf eine feh­ler­haf­te the­ra­peu­ti­sche Auf­klä­rung, so trifft ihn hier­für die Beweis­last.

Die feh­ler­haf­te the­ra­peu­ti­sche Auf­klä­rung

Die the­ra­peu­ti­sche Auf­klä­rung soll den Heil­erfolg gewähr­leis­ten und einen Scha­den abwen­den, der dem Pati­en­ten durch fal­sches Ver­hal­ten nach der Behand­lung ent­ste­hen kann. Eine feh­ler­haf­te the­ra­peu­ti­sche Auf­klä­rung muss der Pati­ent bewei­sen.

Unter Hin­weis auf die­se Rechts­la­ge aktu­ell das Ober­lan­des­ge­richt Hamm ein erst­in­stanz­li­ches Urteil des Land­ge­richts Arns­berg 1 bestä­tigt:

Der sei­ner­zeit 54 Jah­re alte Klä­ger aus Brei­den­bach ließ sich im August 2012 im Hau­se der beklag­ten, im Hoch­sauer­land­kreis gele­ge­nen Kli­nik wegen aku­ter Hüft­be­schwer­den ärzt­lich behan­deln. Er erhielt eine Injek­ti­on mit einem Cor­ti­son-Prä­pa­rat in das lin­ke Hüft­ge­lenk. Kurz nach der Injek­ti­on klag­te der Klä­ger über neu­ro­lo­gi­sche Aus­fäl­le im lin­ken Bein und kon­sul­tier­te das Sekre­ta­ri­at des behan­deln­den Arz­tes in der Kli­nik. Zwi­schen den Par­tei­en ist strei­tig, wel­che Hin­wei­se dem Klä­ger erteilt wur­den. Jeden­falls ver­ließ der Klä­ger nach einer War­te­zeit von zwei Stun­den mit sei­nem Fahr­zeug die Kli­nik, ohne sich zuvor erneut einem Arzt vor­ge­stellt zu haben. Nach der Auto­fahrt stürz­te der Klä­ger und zog sich eine Frak­tur des lin­ken Außen­knö­chels zu. Die­se muss­te sta­tio­när und mehr­fach ope­ra­tiv behan­delt wer­den.

Unter ande­rem mit der Begrün­dung, er sei infol­ge injek­ti­ons­be­ding­ter, neu­ro­lo­gi­scher Aus­fäl­le gestürzt und von Sei­ten der Beklag­ten nicht über die Fol­gen der Injek­ti­on, ins­be­son­de­re sei­ne ein­ge­schränk­te Fahr­tüch­tig­keit auf­ge­klärt wor­den, hat der Klä­ger von der Beklag­ten Scha­dens­er­satz ver­langt. Sein Begeh­ren rich­te­te sich auf Zah­lung eines Schmer­zens­gel­des von 25.000 Euro sowie Ersatz eines Ver­dienst­aus­fall­scha­dens in Höhe von wei­te­ren ca. 25.000 Euro.

Das Kla­ge­be­geh­ren ist erfolg­los geblie­ben. Der 26. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat die die kla­ge­ab­wei­sen­de erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Land­ge­richts Arns­berg bestä­tigt.

Der Klä­ger sei nicht feh­ler­haft behan­delt wor­den, so der Senat. Im Rah­men einer ambu­lan­ten Behand­lung sei dem Klä­ger auf­grund aku­ter Beschwer­den ein Cor­ti­son-Prä­pa­rat in das lin­ke Hüft­ge­lenk inji­ziert wor­den. Die Injek­ti­on sei indi­ziert gewe­sen und fach­ge­recht vor­ge­nom­men wor­den. Dass sich das inji­zier­te Nar­ko­se­mit­tel im Bereich des Ober­schen­kel­nervs ver­tei­le und die­sen tem­po­rär beein­träch­tigt habe, sei ärzt­li­cher­seits nicht zu ver­hin­dern gewe­sen. Die dann auf­tre­ten­den Sym­pto­me bil­de­ten sich nach den Anga­ben des ver­nom­me­nen medi­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen inner­halb von einer Stun­de zurück.

Eine unzu­rei­chen­de the­ra­peu­ti­sche Auf­klä­rung im Zusam­men­hang mit der erfolg­ten Injek­ti­on habe der Klä­ger nicht bewie­sen. Nach der ers­ten neu­ro­lo­gi­schen Reak­ti­on habe sich der Klä­ger im Sekre­ta­ri­at des behan­deln­den Arz­tes gemel­det. In die­sem Zusam­men­hang sei zwi­schen den Par­tei­en umstrit­ten, ob der Klä­ger sodann über das Vor­lie­gen eines kon­troll­be­dürf­ti­gen Befun­des und die gebo­te­ne wei­te­re ärzt­li­che Kon­trol­le hin­rei­chend infor­miert wor­den sei.

Dabei gehe es um die the­ra­peu­ti­sche Auf­klä­rung des Klä­gers. Im Unter­schied dazu die­ne eine Risi­ko- oder Selbst­be­stim­mungs­auf­klä­rung dazu, dem Pati­en­ten die Ent­schei­dung zu ermög­li­chen, ob und wel­cher ärzt­li­chen Behand­lung er sich unter­zie­he. Inso­weit tref­fe den behan­deln­den Arzt die Beweis­last. Die the­ra­peu­ti­sche Auf­klä­rung sol­le den Heil­erfolg gewähr­leis­ten und einen Scha­den abwen­den, der dem Pati­en­ten durch ein fal­sches Ver­hal­ten nach der Behand­lung ent­ste­hen kön­ne. Sie set­ze regel­mä­ßig erst nach der ärzt­li­chen Behand­lung ein. Ihre Unzu­läng­lich­keit habe der Pati­ent zu bewei­sen, wenn der Arzt eine voll­stän­di­ge und rich­ti­ge the­ra­peu­ti­sche Auf­klä­rung dar­le­ge.

Der Nach­weis einer feh­ler­haf­ten the­ra­peu­ti­schen Auf­klä­rung sei dem Klä­ger im vor­lie­gen­den Fall nicht gelun­gen. Nach der Doku­men­ta­ti­on der Beklag­ten sei dem Klä­ger ins­be­son­de­re mit­ge­teilt wor­den, dass er sich nach Ablauf der zwei­stün­di­gen War­te­zeit erneut zur ärzt­li­chen Kon­trol­le vor­stel­len sol­le. Dies habe die als Zeu­gin ver­nom­me­ne Sekre­ta­ri­ats­mit­ar­bei­te­rin der Beklag­ten bestä­tigt. Dass sie inso­weit eine Anwei­sung des behan­deln­den Arz­tes wie­der­ge­ge­ben habe, habe die­ser bei sei­ner Ver­neh­mung bekun­det. Den Anga­ben der Mit­ar­bei­te­rin zufol­ge sei der Klä­ger zudem nach Ablauf der War­te­frist erfolg­los auf dem Kli­nik­ge­län­de gesucht wor­den. Den von ihm dar­ge­stell­ten, ande­ren Gesche­hens­ab­lauf, nach dem er ledig­lich auf die War­te­zeit und nicht auf eine gebo­te­ne wei­ter ärzt­li­che Kon­sul­ta­ti­on ver­wie­sen wor­den sei, habe der Klä­ger dem­ge­gen­über nicht nach­wei­sen kön­nen.

Schließ­lich habe der Klä­ger auch nicht nach­wei­sen kön­nen, dass sein Sturz ca. drei­ein­halb Stun­den nach der Injek­ti­on noch auf die Wir­kung des ver­ab­reich­ten Cor­ti­son-Prä­pa­rats zurück­zu­füh­ren sei. Einen der­ar­ti­gen Kau­sal­zu­sam­men­hang habe der Sach­ver­stän­di­ge als sehr unwahr­schein­lich bezeich­net.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 23. März 2018 – 26 U 125/​17 2

  1. LG Arns­berg, Urteil vom 11.07.2017 – 3 O 26/​15[]
  2. nicht rechts­kräf­tig: Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim BGH – BGH VI ZR 125/​17[]