Die Fotos im Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Sind Fotos Teil des schrift­li­chen Gut­ach­tens des Sach­ver­stän­di­gen gewor­den, kön­nen die in Mehr­fach­aus­fer­ti­gun­gen des Gut­ach­tens ent­hal­te­nen Fotos nicht nach § 12 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 JVEG n. F. geson­dert abge­rech­net wer­den. Zu erset­zen sind nach § 7 Abs. 2 JVEG n. F. viel­mehr die Kopien bzw. Aus­dru­cke der Sei­ten des Gut­ach­tens, auf denen sich die Fotos befin­den.

Die Fotos im Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten

Dies gilt nach Ansicht des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg zumin­dest in neu­en Fäl­len, in denen gemäß § 24 JVEG die am 01.08.2013 in Kraft getre­te­ne neue Fas­sung des JVEG anwend­bar ist.

Nach der frü­he­ren Fas­sung des § 12 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 JVEG waren die „für die Vor­be­rei­tung und Erstat­tung des Gut­ach­tens erfor­der­li­chen Licht­bil­der oder an deren Stel­le tre­ten­den Aus­dru­cke“ geson­dert zu erset­zen mit EUR 2, 00 für den ers­ten Abzug oder Aus­druck und EUR 0, 50 für jeden wei­te­ren Abzug oder Aus­druck. Die­se Bestim­mung wur­de nach h. M. als Spe­zi­al­re­ge­lung zu § 7 JVEG ange­se­hen mit der Fol­ge, dass die Aus­dru­cke bzw. Kopien von in einem schrift­li­chen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ent­hal­te­nen Fotos nach § 12 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 JVEG mit EUR 0, 50 für jedes Foto zu ver­gü­ten waren [1]. Nach der Neu­fas­sung des § 12 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 JVEG durch das zwei­te Kos­ten­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz vom 23.07.2013 [2] hat sich die Rechts­la­ge geän­dert. Nun­mehr sind die zur Vor­be­rei­tung und Erstat­tung des Gut­ach­tens erfor­der­li­chen Fotos mit EUR 0, 50 für den zwei­ten und jeden wei­te­ren Abzug oder Aus­druck nach dem Geset­zes­wort­laut nur dann zu erset­zen, „wenn die Fotos nicht Teil des schrift­li­chen Gut­ach­tens sind (§ 7 Absatz 2)“. Die­se Ein­schrän­kung beruht auf der Erwä­gung des Gesetz­ge­bers, dass zur Ver­ein­fa­chung der Abrech­nung eine beson­de­re Ver­gü­tung für den zwei­ten und jeden wei­te­ren Abzug oder Aus­druck eines Fotos nur noch dann zuzu­bil­li­gen sei, wenn kei­ne Auf­wen­dun­gen nach § 7 Abs. 2 JVEG ersetzt wer­den. „Sind Fotos Teil des schrift­li­chen Gut­ach­tens gewor­den, sol­len für einen zusätz­li­chen Aus­druck des Gut­ach­tens die Fotos nicht geson­dert abge­rech­net wer­den“ [3]. Mit­hin kommt eine geson­der­te Ver­gü­tung für die in Mehr­fach­aus­fer­ti­gun­gen des schrift­li­chen Gut­ach­tens ent­hal­te­nen Fotos nach § 12 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 JVEG nicht in Betracht [4]. Zu erset­zen sind viel­mehr neben den im Ori­gi­nal­gut­ach­ten ent­hal­te­nen 205 Fotos nach § 12 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 JVEG in Höhe von jeweils EUR 2, 00 (nur) die Kopien bzw. Aus­dru­cke der Sei­ten des Gut­ach­tens, auf denen sich die Digi­tal­fo­tos (hier jeweils drei Fotos auf einer Sei­te) befin­den nach Maß­ga­be der Bestim­mung des § 7 Abs. 2 S. 1 JVEG.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 3. Dezem­ber 2014 – 4 W 133/​14

  1. OLG Ham­burg MDR 2007, 867; KG Jur­Bü­ro 2008, 262; FG Sach­sen-Anhalt, Beck­RS 2010, 26029542; LG Kon­stanz BauR 2011, 730[]
  2. BGBl I S. 2586[]
  3. BT-Drs. 17/​11471 (neu), S. 261[]
  4. so auch Meyer/​Höver/​Bach/​Oberlack, JVEG, 26. Aufl. (2014), § 12, Rn. 25; Nomos Kom­men­tar-Kes­sel, Gesam­tes Kos­ten­recht, (2014), § 12 JVEG, Rn. 29; Binz/​Dörndorfer/​Petzold/​Zimmermann, GKG, FamGKG, JVEG, 3. Aufl. (2014), § 12 JVEG, Rn.11; a. A.: Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 44. Aufl. (2014), § 12 JVEG, Rn. 9; offen­bar auch Schnei­der, JVEG, 2. Aufl. (2014), § 12, Rn. 45[]