Die nach­träg­lich unrich­tig gewor­de­ne Fremd­grund­schuld – und ihre Löschung

Die Berich­ti­gung des Grund­buchs nach § 22 GBO wegen einer nach­träg­li­chen Unrich­tig­keit infol­ge einer Rechts­än­de­rung außer­halb des Grund­bu­ches erfor­dert den ent­spre­chen­den Nach­weis der Unrich­tig­keit, sofern nicht die Ein­tra­gungs­be­wil­li­gung des Betrof­fe­nen gemäß §§ 19, 29 Abs. 1 S. 1 GBO bei­gebracht wird.

Die nach­träg­lich unrich­tig gewor­de­ne Fremd­grund­schuld – und ihre Löschung

Die Berich­ti­gung des Grund­buchs nach § 22 GBO wegen einer nach­träg­li­chen Unrich­tig­keit infol­ge einer Rechts­än­de­rung außer­halb des Grund­bu­ches erfor­dert den ent­spre­chen­den Nach­weis der Unrich­tig­keit, sofern nicht die Ein­tra­gungs­be­wil­li­gung des Betrof­fe­nen gemäß §§ 19, 29 Abs. 1 S. 1 GBO bei­gebracht wird. Der Nach­weis der Unrich­tig­keit obliegt den Betei­lig­ten ohne Rück­sicht dar­auf, wie sich die Beweis­last in einem über den Berich­ti­gungs­an­spruch des § 894 BGB geführ­ten Pro­zess ver­tei­len wür­de. An die Füh­rung des Nach­wei­ses, die regel­mä­ßig in der Form des § 29 GBO zu erfol­gen hat, sind stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len, wobei der jewei­li­ge Antrag­stel­ler alle Mög­lich­kei­ten aus­zu­räu­men hat, die der Rich­tig­keit der begehr­ten neu­en Ein­tra­gung ent­ge­gen­ste­hen kön­nen, wie z. B. die eines gut­gläu­bi­gen Erwerbs 1.

In dem hier vom Ober­lan­des­ge­richt Ros­tock ent­schie­de­nen Fall haben die Betei­lig­ten damit ent­ge­gen § 22 GBO nicht nach­ge­wie­sen, dass das Grund­buch bezüg­lich der ein­ge­tra­ge­nen Grund­schuld nach­träg­lich unrich­tig gewor­den ist. Vor­lie­gend haben die Betei­lig­ten schon nicht den Beweis in der Form des § 29 GBO geführt, dass die ein­ge­tra­ge­ne Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin erlo­schen ist. Soweit die Betei­lig­ten aus­ge­führt haben, dies ent­spre­che ihrem Kennt­nis­stand, genügt dies nicht, um gegen­über dem Grund­buch­amt mit einem für das prak­ti­sche Ver­fah­ren brauch­ba­ren Grad von Gewiss­heit, der den Zwei­feln Schwei­gen gebie­tet, ohne sie völ­lig aus­zu­schal­ten 2, hier­zu Nach­weis zu erbrin­gen. Da sich aus der Grund­buch­ak­te ergibt, dass die ein­ge­tra­ge­ne Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin, die C. L. Ltd. am 09.01.1991 im C. Regis­tra­ti­on Office D. mit der Num­mer 168506 ein­ge­tra­gen wor­den ist, wel­che aus­weis­lich der abge­reich­ten Sat­zung durch min­des­tens zwei zusam­men­wir­ken­de Direk­to­ren ver­tre­ten wird, ist es zur Nach­weis­füh­rung zum Erlö­schen der Gesell­schaft nach der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts erfor­der­lich, dass ent­spre­chen­de amt­li­che Urkun­den mit Apos­til­le, die die Löschung der Gesell­schaft bestä­ti­gen, vor­ge­legt wer­den.

Allein der Vor­la­ge des Grund­schuld­brie­fes lässt sich nicht der erfor­der­li­che Nach­weis ent­neh­men, dass die Betei­lig­ten Berech­tig­te der Brief­grund­schuld sind. Woll­te man die Ver­mu­tung des § 1117 Abs. 3 BGB bzw. den Umkehr­schluss hier­aus als Nach­weis der Unrich­tig­keit aus­rei­chen las­sen, stün­de dies im Wider­spruch zu § 39 Abs. 2 GBO, wonach neben dem Besitz des Brie­fes der Nach­weis des Gläu­bi­ger­rechts erfor­der­lich ist, um eine Ein­tra­gung vor­neh­men zu kön­nen 3. Befin­det sich der Brief im Besitz des Eigen­tü­mers oder – wie hier – nur eines der Eigen­tü­mer, greift eine Ver­mu­tung für den Rechts­er­werb des oder der Eigen­tü­mer infol­ge Nicht­über­ga­be des Brie­fes oder Rück­ga­be des Brie­fes an ihn bzw. sie nicht 4. Im Übri­gen erscheint es auch kei­nes­falls unmög­lich, die Berich­ti­gungs­be­wil­li­gung des nach dem maß­geb­li­chen Recht für die Durch­füh­rung einer Nach­trags­li­qui­da­ti­on der Gläu­bi­ge­rin zustän­di­gen Organs bei­zu­brin­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Ros­tock, Beschluss vom 24. Juni 2016 – 3 W 166/​13

  1. vgl. etwa Dem­har­ter, a.a.O., § 22 GBO Rdnr. 36 ff.[]
  2. vgl. auch OLG Stutt­gart, Beschluss v. 18.11.2011 – 8 W 419/​11 – m. w. N., zitiert nach Juris[]
  3. vgl. OLG Hamm, Beschluss v. 15.11.2005 – 15 W 179/​05, zitiert nach Juris[]
  4. vgl. Palandt-Bas­sen­ge, BGB, 75. Aufl., § 1117 BGB, Rdnr. 5 f.[]