Die frü­he­ren Ver­un­treu­un­gen des Insol­venz­ver­wal­ters

Wer auf­grund schwer­wie­gen­der Straf­ta­ten cha­rak­ter­lich unge­eig­net ist, frem­des Ver­mö­gen zu ver­wal­ten, und gleich­wohl die Bestel­lung zum Insol­venz­ver­wal­ter annimmt, kann von einer Ver­gü­tung aus­ge­schlos­sen sein.

Die frü­he­ren Ver­un­treu­un­gen des Insol­venz­ver­wal­ters

Die Ver­sa­gung der Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters kommt in ent­spre­chen­der Anwen­dung des Grund­ge­dan­kens des § 654 BGB bei gewich­ti­gen, vor­sätz­li­chen oder zumin­dest leicht­fer­ti­gen Pflich­ten­ver­stö­ßen des Insol­venz­ver­wal­ters in Betracht. Hier­bei gebie­tet der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz eine enge Begren­zung der Fäl­le, in denen ein Anspruch auf Ver­gü­tung aus­ge­schlos­sen ist [1]. In der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ist jedoch aner­kannt, dass zu den per­sön­li­chen Anfor­de­run­gen an den Insol­venz­ver­wal­ter neben der fach­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on auch sei­ne per­sön­li­che Inte­gri­tät, ins­be­son­de­re sei­ne Ehr­lich­keit gehört [2]. Dar­um kön­nen straf­ba­re Hand­lun­gen eines Ver­wal­ters zum Nach­teil der Mas­se sei­ne Ent­las­sung recht­fer­ti­gen. Dabei erfor­dert die Ent­las­sung nicht, dass die straf­ba­re Pflicht­ver­let­zung im Rah­men des kon­kre­ten Ver­fah­rens erfolg­te. Viel­mehr genügt es, wenn eine in ande­ren Ver­fah­ren ver­üb­te Straf­tat die cha­rak­ter­li­che Eig­nung des Ver­wal­ters, frem­des Ver­mö­gen zu ver­wal­ten, ent­fal­len lässt [3].

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Grund­sät­ze konn­te das Insol­venz­ge­richt im Hin­blick auf die von ihm fest­ge­stell­ten Umstän­de zum Zeit­punkt der Ernen­nung anneh­men, der pflicht­wid­ri­gen Annah­me der Bestel­lung als Insol­venz­ver­wal­ter kom­me ein so erheb­li­ches Gewicht zu, dass ein Aus­schluss von der Ver­gü­tungs­fest­set­zung nicht unver­hält­nis­mä­ßig sei. In die­sem Zusam­men­hang kann jeden­falls im Rah­men einer Gesamt­schau auch berück­sich­tigt wer­den, dass im Ein­zel­fall die Ver­wir­kung auch schon wegen uner­laub­ten Füh­rens eines aka­de­mi­schen Titels in Betracht kom­men kann [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juni 2011 – IX ZB 248/​09

  1. BGH, Beschluss vom 06.05.2004 – IX ZB 349/​02, BGHZ 159, 122, 132[]
  2. BGH, Beschluss vom 06.05.2004 – IX ZB 349/​02, aaO S. 129; vom 17.03.2011 – IX ZB 192/​10, WM 2011, 663 Rn. 20[]
  3. BGH, Beschluss vom 17.03.2011 – IX ZB 192/​10, aaO[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 23.09. 2009 – V ZB 90/​09, NJW-RR 2009, 1710 Rn. 19 ff[]