Die für eine insol­venz­te und auf­ge­lös­te GmbH ein­ge­tra­ge­ne Siche­rungs­hy­po­thek

Bean­tragt der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer die Grund­buch­be­rich­ti­gung dahin, dass die ein­ge­tra­ge­ne Arrest-Siche­rungs­hy­po­thek in eine Eigen­tü­mer­grund­schuld über­ge­gan­gen ist, bedarf es nicht der Ein­wil­li­gung durch einen Nach­trags­li­qui­da­tor für die nach Insol­venz gelösch­te und auf­ge­lös­te Gläu­bi­ger-GmbH, wenn wäh­rend des Insol­venz­ver­fah­rens der Insol­venz­ver­wal­ter die Ein­wil­li­gung zur Löschung der Hypo­thek erteilt und beim Grund­buch­amt ein­ge­reicht hat­te, weil die zu sichern­de For­de­rung nicht (mehr) bestand.

Die für eine insol­venz­te und auf­ge­lös­te GmbH ein­ge­tra­ge­ne Siche­rungs­hy­po­thek

Die Berich­ti­gung des Grund­buchs nach § 22 GBO wegen einer nach­träg­li­chen Unrich­tig­keit infol­ge einer Rechts­än­de­rung außer­halb des Grund­buchs 1 erfor­dert den ent­spre­chen­den Nach­weis, sofern nicht die Ein­tra­gungs­be­wil­li­gung des Betrof­fe­nen gemäß §§ 19, 29 Abs. 1 Satz 1 GBO bei­gebracht wird.

Hier hat sich die nach­träg­li­che Unrich­tig­keit u.a. dadurch erge­ben, dass die Berech­tig­te der Arrest­Si­che­rungs­hy­po­the­ken nicht mehr exis­tiert. Die Hypo­the­ken­gläu­bi­ge­rin ist nach Durch­füh­rung und Abschluss des Insol­venz­ver­fah­rens im Han­dels­re­gis­ter gelöscht, was dem Grund­buch­amt aus­weis­lich sei­nes Schrei­bens vom 04.03.2011 an die bei­den Eigen­tü­mer bekannt ist.

Nach § 394 Abs. 1 Satz 2 FamFG (frü­her: § 141a Abs. 1 Satz 2 FGG bzw. § 2 Abs. 1 LöschG) ist die Gesell­schaft von Amts wegen zu löschen, wenn das Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen der Gesell­schaft durch­ge­führt wor­den ist und kei­ne Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass die Gesell­schaft noch Ver­mö­gen besitzt. Hier­durch wird die GmbH auf­ge­löst (§ 60 Abs. 1 Nr. 6 GmbHG).

Stellt sich nach der Regis­terlö­schung nach­träg­lich das Vor­han­den­sein von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den her­aus, die im Rah­men des Löschungs­ver­fah­rens über­se­hen wur­den, wie eine im Grund­buch ein­ge­tra­ge­ne Rechts­po­si­ti­on, dann bedarf es einer erneu­ten Mit­wir­kung des gelösch­ten Rechts­trä­gers. In die­sem Fall fin­det gem. § 66 Abs. 5 GmbHG eine Nach­trags­li­qui­da­ti­on statt. Die heu­te herr­schen­de Mei­nung schließt eine Fort­set­zung als wer­ben­de Gesell­schaft durch Beschluss ihrer Gesell­schaf­ter voll­stän­dig aus, so dass die­se bei noch vor­han­de­nem Gesell­schafts­ver­mö­gen auf eine Abwick­lung im Wege der gericht­lich anzu­ord­nen­den Nach­trags­li­qui­da­ti­on gemäß § 66 Abs. 5 GmbHG beschränkt sind 2.

Vor­lie­gend kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass trotz Abwick­lung des Insol­venz­ver­fah­rens ent­ge­gen der ange­nom­me­nen Ver­mö­gens­lo­sig­keit, die zur Löschung im Regis­ter und damit zur Auf­lö­sung der GmbH führ­te, noch ein zu ver­tei­len­der Ver­mö­gens­wert vor­han­den ist.

Allein aus der ein­ge­tra­ge­nen Buch­po­si­ti­on ergibt sich ein sol­cher nicht. Denn wäh­rend des Insol­venz­ver­fah­rens hat der gemäß § 80 Abs. 1 InsO allein ver­wal­tungs- und ver­fü­gungs­be­rech­tig­te Insol­venz­ver­wal­ter die Löschungs­be­wil­li­gung vom 22.05.2001 erteilt und dem Grund­buch­amt mit Schrei­ben vom 15.06.2001 ein­ge­reicht mit der Bit­te um Löschung, die ledig­lich dar­an schei­ter­te, dass die bei­den Betei­lig­ten, die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer, die hier­für ent­spre­chen­de Erklä­rung nicht abge­ge­ben haben. Wel­che Umstän­de zu die­sem Ver­säum­nis geführt haben, ist unbe­acht­lich. Ent­schei­dend ist allein, dass der Insol­venz­ver­wal­ter mit der Löschungs­be­wil­li­gung die Frei­ga­be der Arrest­Si­che­rungs­hy­po­the­ken aus der Insol­venz­mas­se erklärt hat, wozu er gegen­über dem Insol­venz­schuld­ner und den Insol­venz­gläu­bi­gern nur berech­tigt war, wenn ein Siche­rungs­be­dürf­nis nicht mehr vor­han­den war, weil die zu sichern­den For­de­run­gen nicht (mehr) bestan­den.

Im Hin­blick auf die Akzess­orie­tät der ein­ge­tra­ge­nen Siche­rungs­hy­po­the­ken (§§ 1113, 1184 BGB) waren die­se bereits zum dama­li­gen Zeit­punkt kraft Geset­zes in Eigen­tü­mer­grund­schul­den über­ge­gan­gen (§§ 1163 Abs. 1, 1177 Abs. 1 Satz 1 BGB) 3, so dass sie durch die Frei­ga­be nicht in das insol­venz­freie Ver­mö­gen der Fir­ma … zurück­fie­len und es sich bei der Ein­tra­gung im Grund­buch zu Guns­ten der gelösch­ten und damit auf­ge­lös­ten GmbH ledig­lich um eine Buch­po­si­ti­on han­delt, deren Berich­ti­gung der Antrag­stel­ler zu Recht for­dert 4.

Die Tat­sa­chen, die zum Über­gang der Arrest­Si­che­rungs­hy­po­the­ken in Eigen­tü­mer­grund­schul­den geführt haben, sind dem Nota­ri­at bekannt. Was aber beim Grund­buch­amt offen­kun­dig ist, bedarf kei­nes Bewei­ses (§ 22 Abs. 1 Satz 1 GBO i.V.m. § 29 Abs. 1 Satz 1 GBO) 5. Der Nach­weis der Unrich­tig­keit des Grund­buchs (§ 22 Abs. 1 Satz 1 GBO) ist viel­mehr als geführt anzu­se­hen, so dass es einer Ein­tra­gungs­be­wil­li­gung des Hypo­the­ken­gläu­bi­gers gem. § 19 GBO in der Form des § 29 Abs. 1 Satz 1 GBO nicht bedarf.

Selbst wenn von einer Offen­kun­dig­keit nicht aus­ge­gan­gen wer­den soll­te, wäre zu berück­sich­ti­gen, dass zwar an den Unrich­tig­keits­nach­weis stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len sind, dass aber nach der For­mu­lie­rung des Bun­des­ge­richts­hofs 6 auch inso­weit genügt: "ein für das prak­ti­sche Ver­fah­ren brauch­ba­rer Grad von Gewiss­heit, der den Zwei­feln Schwei­gen gebie­tet, ohne sie völ­lig aus­zu­schal­ten".

Was im Übri­gen den Nach­weis der Unrich­tig­keit zu erbrin­gen geeig­net ist, ent­schei­det das mate­ri­el­le Recht 7.

Ansons­ten gilt auch im Berich­ti­gungs­ver­fah­ren nach § 22 GBO der Grund­satz, dass die stren­gen grund­buch­ver­fah­rens­recht­li­chen Beweis­an­for­de­run­gen des § 29 GBO aus­nahms­wei­se nicht ein­zu­hal­ten sind, soweit die Urkun­den­bei­brin­gung prak­tisch unmög­lich oder unver­hält­nis­mä­ßig ist, sich der Antrag­stel­ler in anders nicht zu behe­ben­der Beweis­not befin­det, die Berich­ti­gungs­be­wil­li­gung nicht im Pro­zess­we­ge erstrit­ten wer­den kann und auch sonst für die Grund­buch­be­rich­ti­gung kein denk­ba­rer Weg ver­bleibt. Ein sol­cher Fall wird ange­nom­men, soweit die Unrich­tig­keit des Grund­buchs wegen der Nicht­exis­tenz des ein­ge­tra­ge­nen Grund­schuld­gläu­bi­gers nach­zu­wei­sen ist 8.

Die gericht­li­che Bestel­lung eines Nach­trags­li­qui­da­tors 10 Jah­re nach Durch­füh­rung des Insol­venz­ver­fah­rens und in Anbe­tracht des Vor­lie­gens von Löschungs­be­wil­li­gun­gen des Insol­venz­ver­wal­ters betref­fend die Arrest­Si­che­rungs­hy­po­the­ken wür­de eine unver­hält­nis­mä­ßi­ge Belas­tung der bei­den Betei­lig­ten, die als Grund­stücks­ei­gen­tü­mer sich zur Kos­ten­tra­gung ver­pflich­tet hat­ten bedeu­ten, da die Berich­ti­gungs­be­wil­li­gung ledig­lich eine for­ma­le Buch­po­si­ti­on betrifft, nicht aber die Auf­ga­be von Siche­rungs­rech­ten, die mate­ri­ell­recht­lich nicht mehr dem frü­he­ren Hypo­the­ken­gläu­bi­ger zuste­hen, son­dern kraft Geset­zes in Eigen­tü­mer­grund­schul­den umge­wan­delt sind.

Damit bedarf es zur Berich­ti­gung des Grund­buchs dahin, dass es sich bei den Arrest­Si­che­rungs­hy­po­the­ken zu Guns­ten der Fir­ma … um Eigen­tü­mer­grund­schul­den han­delt, weder der Berich­ti­gungs­be­wil­li­gung der ein­ge­tra­ge­nen Hypo­the­ken­gläu­bi­ge­rin gemäß §§ 19, 29 Abs. 1 Satz 1 GBO noch eines wei­te­ren Unrich­tig­keits­nach­wei­ses gemäß § 22 Abs. 1 Satz 1 GBO und schon gar nicht – wie vom Grund­buch­amt unter Nicht­be­ach­tung des Inhalts des Berich­ti­gungs­an­trags ver­langt – der Löschungs­zu­stim­mung der Eigen­tü­mer gem. § 27 GBO.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 18. Novem­ber 2011 – 8 W 419/​11

  1. Dem­har­ter, a.a.O., § 22 GBO Rn. 6, 14 und 15, m.w.N.[]
  2. BGH NZM 2008, 732; Kraf­ka in Mün­che­ner Kom­men­tar, ZPO/​FamFG, Bd. 4, 3. Auf­la­ge 2010, § 394 FamFG Rn. 23; Hei­ne­mann in Kei­del, FamFG, 17. Aufl.2011, § 394 FamFG Rn. 35, der jedoch den Fort­be­stand der Gesell­schaft als fin­giert ansieht; je m.w.N.[]
  3. Wolfs­tei­ner in Stau­din­ger, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2009, § 1170 Rn. 42, Einl. zu §§ 1113 ff Rn. 100 ff, der mate­ri­ell­rechtl. das Ent­ste­hen einer Eigen­tü­mer­grund­schuld bereits infol­ge der Nicht­exis­tenz des Gläu­bi­gers annimmt[]
  4. OLG Schles­wig FGPrax 2010, 280; Dem­har­ter, a.a.O., § 22 Rn. 15; je m.w.N.[]
  5. Dem­har­ter, a.a.O., § 22 GBO Rn. 37, § 29 GBO Rn. 60; Böt­ti­cher in Mei­kel, GBO, 10. Aufl.2009, § 22 Rn. 117; OLG Frank­furt Rpfle­ger 1994, 106; je m.w.N.[]
  6. BGHZ 53, 245, 256[]
  7. Bött­cher, a.a.O., § 22 GBO Rn. 113 m.w.N.[]
  8. Bött­cher, a.a.O., § 22 GBO Rn. 117; Gurs­ky in Stau­din­ger, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2008, § 894 BGB Rn. 5; Otto in Beck'scher online­Kom­men­tar GBO, Hrsg. Hügel, Stand: 1.09.2011, § 29 GBO Rn. 30 ff; OLG Köln FGPrax 2007,102; KG Ber­lin NJW-RR 1998, 447; OLG Mün­chen, Beschluss vom 28.04.2011, Az. 34 Wx 72/​11; je m.w.N.[]