Die Garan­tie des recht­li­chen Gehörs

Die Garan­tie recht­li­chen Gehörs ver­pflich­tet die Gerich­te, die Aus­füh­run­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen 1.

Die Garan­tie des recht­li­chen Gehörs

Das Gericht braucht dabei zwar nicht jedes Vor­brin­gen aus­drück­lich zu beschei­den; es hat viel­mehr bei der Abfas­sung sei­ner Ent­schei­dungs­grün­de eine gewis­se Frei­heit und kann sich auf die für den Ent­schei­dungs­aus­gang wesent­li­chen Aspek­te beschrän­ken 2.

Es müs­sen in den Grün­den aber die wesent­li­chen Tat­sa­chen- und Rechts­aus­füh­run­gen ver­ar­bei­tet wer­den 3.

Wenn ein bestimm­ter Vor­trag einer Par­tei den Kern des Par­tei­vor­brin­gens dar­stellt und für den Pro­zess­aus­gang von ent­schei­den­der Bedeu­tung ist, besteht für das Gericht eine Pflicht, die vor­ge­brach­ten Argu­men­te zu erwä­gen 4. Ein Schwei­gen lässt hier den Schluss zu, dass der Vor­trag der Pro­zess­par­tei nicht oder zumin­dest nicht hin­rei­chend beach­tet wur­de 5.

Ein Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG kann schließ­lich auch vor­lie­gen, wenn sich eine Ent­schei­dung ohne vor­he­ri­gen rich­ter­li­chen Hin­weis auf einen Gesichts­punkt stützt, mit dem auch ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter nach dem bis­he­ri­gen Pro­zess­ver­lauf nicht zu rech­nen brauch­te (Ver­bot der "Über­ra­schungs­ent­schei­dung" 6).

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Febru­ar 2018 – 2 BvR 2821/​14

  1. vgl. BVerfGE 21, 191, 194; 96, 205, 216; BVerfGK 10, 41, 45, stRspr[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 14.09.2016 – 1 BvR 1304/​13 23[]
  3. vgl. BVerfGE 47, 182, 189; BVerfG, Beschluss vom 14.09.1989 – 1 BvR 674/​89, NJW 1989, S. 3007, 3008; Beschluss vom 30.06.2015 – 2 BvR 433/​15 9 f.[]
  4. vgl. BVerfGE 47, 182, 188 f.; 86, 133, 146[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 25.06.1992 – 1 BvR 600/​92, NJW-RR 1993, S. 383, 383; Beschluss vom 14.09.2016 – 1 BvR 1304/​13 23[]
  6. vgl. BVerfGE 84, 188, 190; 86, 133, 144 f.; 98, 218, 263[]