Die gebuch­te, aber nicht vor­han­de­ne Suite

Fehlt es durch die Unter­brin­gung in der nied­rigs­ten, anstel­le der gebuch­ten höchs­ten Zim­mer­ka­te­go­rie nicht nur an gleich­wer­ti­gen, kom­for­ta­blen Schlaf­mög­lich­kei­ten, son­dern auch an adäqua­ten Rück­zugs­be­rei­chen, kann eine Min­de­rung des Rei­se­prei­ses um 50 % gerecht­fer­tigt sein.

Die gebuch­te, aber nicht vor­han­de­ne Suite

So hat das Land­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Rei­se­preis­min­de­rung für eine Pau­schal­rei­se nach Mal­lor­ca ent­schie­den und auch eine Ent­schä­di­gung für nutz­los auf­ge­wen­de­te Urlaubs­zeit in Höhe von 50 % des Rei­se­prei­ses zuge­spro­chen. Der Klä­ger hat­te für sich und zwei wei­te­re Per­so­nen, die Klä­ge­rin und eine 78 Jah­re alte Dame, die 10-tägi­ge Pau­schal­rei­se nach Mal­lor­ca gebucht. Im Rei­se­pro­spekt war für das Hotel unter ande­rem zwi­schen den Zim­mer­ka­te­go­rien „KU Juni­or­sui­te“, „KUA Juni­or­sui­te Supe­ri­or“ und „WU Suite“ unter­schie­den wor­den. Im Gegen­satz zu den ande­ren Kate­go­rien soll­te die WU Suite grö­ßer sein und ins­be­son­de­re ein sepa­ra­tes Schlaf­zim­mer haben. Die Buchungs­be­stä­ti­gung wies die Unter­brin­gung in einer „Suite“ aus. Ange­kom­men im Hotel erhielt die Rei­se­grup­pe kein Zim­mer der Kate­go­rie „WU Suite“, son­dern ein Zim­mer mit kom­bi­nier­tem Wohn- und Schlaf­raum, in dem sich neben einem Dop­pel­bett ein Schlaf­so­fa und spä­ter noch ein hin­zu­ge­stell­tes Feld­bett befan­den. Die Rei­sen­den muss­ten sich einen Schrank tei­len.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Frank­furt a.M. fest­ge­stellt, dass ver­trag­lich eine Unter­brin­gung in einer WU Suite geschul­det gewe­sen sei. Auch wenn die Buchungs­be­stä­ti­gung den Zusatz „WU“ nicht ent­hal­ten habe, sei aus objek­ti­ver Sicht davon aus­zu­ge­hen gewe­sen, dass eine Suite und kei­ne Juni­or­sui­te gebucht wur­de, denn die­se Kate­go­rien wichen sprach­lich unver­ein­bar von­ein­an­der ab. Nach Mei­nung des Land­ge­richts sei durch die Unter­brin­gung in der nied­rigs­ten, anstel­le der gebuch­ten höchs­ten Zim­mer­ka­te­go­rie der Zweck der Rei­se – die Erho­lung – grund­le­gend berührt wor­den. Es fehl­ten näm­lich nicht nur gleich­wer­ti­ge, kom­for­ta­ble Schlaf­mög­lich­kei­ten, son­dern auch adäqua­te Rück­zugs­be­rei­che für die drei­köp­fi­ge Rei­se­grup­pe. Aus die­sen Grün­den sei eine Min­de­rung des Rei­se­prei­ses um 50 % gerecht­fer­tigt.

Auch die Ableh­nung des Abhil­fe­an­ge­bot des Rei­se­ver­an­stal­ters, in ein ande­res Hotel umzu­zie­hen, kön­ne den Klä­gern nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den. Es sei näm­lich nicht dar­ge­legt wor­den, dass die­ses gleich­wer­tig war, etwa in Bezug auf die Strand­la­ge. Zudem habe es sich an einem ganz ande­ren Ort der Insel und nicht wie das gebuch­te Hotel in der Nähe eines Natur­schutz­ge­bie­tes befun­den.

Wei­ter­hin sei die Rei­se wäh­rend der gesam­ten Rei­se­zeit erheb­lich beein­träch­tigt gewe­sen. Aus die­sen Grün­den ist den Klä­gern der Ersatz nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit in Höhe wei­te­rer 50 % des Rei­se­prei­ses zuge­spro­chen wor­den.

Land­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 19. Dezem­ber 2019 – 2–24 O 55/​19