Die gemein­sa­me Haf­tung meh­re­re Schä­di­ger

Die Haf­tung eines Schä­di­gers ist nicht des­halb gemin­dert, weil sich der Geschä­dig­te die Mit­haf­tung der ande­ren Schä­di­ger zurech­nen las­sen müss­te. Bei meh­re­ren neben­ein­an­der ver­ant­wort­li­chen Schä­di­gern besteht zum Geschä­dig­ten grund­sätz­lich die vol­le Haf­tung, ohne dass einer der Schä­di­ger auf den Tat­bei­trag des ande­ren ver­wei­sen könn­te. Ledig­lich im Innen­ver­hält­nis ist zwi­schen den Gesamt­schuld­nern nach § 426 Abs. 1 BGB die Last des Scha­dens nach den Antei­len an des­sen Her­bei­füh­rung auf­zu­tei­len1.

Die gemein­sa­me Haf­tung meh­re­re Schä­di­ger

Ande­res gilt zwar, wenn den Geschä­dig­ten ein Mit­ver­schul­dens­vor­wurf trifft und die Abwä­gung nach § 254 BGB oder § 17 StVG dazu führt, dass die Ersatz­an­sprü­che, die dem Ver­letz­ten gegen meh­re­re Neben­tä­ter zuste­hen, zu min­dern sind. In einem sol­chen Fall ist das Prin­zip der gesamt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung mit dem Abwä­gungs­prin­zip des § 254 BGB bzw. des § 17 StVG in Ein­klang zu brin­gen, indem die Ein­zel­ab­wä­gun­gen zwi­schen dem Geschä­dig­ten und den jewei­li­gen Schä­di­gern mit einer aus der Gesamt­schau gewon­ne­nen Soli­dar­ab­wä­gung im Sin­ne einer Gesamt­ab­wä­gung ver­knüpft wer­den2. Die Gesamt­schuld umfasst unter sol­chen Umstän­den nicht den gesam­ten Scha­den, weil der jewei­li­ge Schä­di­ger dem Geschä­dig­ten, soweit die­ser sei­nen Ver­ant­wor­tungs­an­teil selbst zu tra­gen hat, des­sen Mit­haf­tungs­quo­te ent­ge­gen­hal­ten kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Okto­ber 2010 – VI ZR 286/​09

  1. vgl. BGH, Urteil vom 13.12.2005 – VI ZR 68/​04, VersR 2006, 369, Rn. 12 []
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 16.06.1959 – VI ZR 95/​58, BGHZ 30, 203, 211 f.; eben­so vom 08.11.1973 – VI ZR 129/​71, BGHZ 61, 351, 354; und vom 13.12.2005 – VI ZR 68/​04, aaO []