Die genaue Bezeich­nung des Pacht­ge­gen­stan­des

Das gesetz­li­che Schrift­form­erfor­der­nis bei einem Pacht­ver­trag dient vor­ran­gig der Infor­ma­ti­on eines poten­ti­el­len Grund­stücks­er­wer­bers und nicht der am Ver­trags­ab­schluss betei­lig­ten Par­tei­en. Ist der Pacht­ge­gen­stand in der Ver­trags­ur­kun­de nicht hin­rei­chend fixiert, ist dem Schrift­form­erfor­der­nis ins­ge­samt nicht genügt wor­den.

Die genaue Bezeich­nung des Pacht­ge­gen­stan­des

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Ver­päch­ters gegen den Päch­ter auf Her­aus­ga­be ver­pach­te­ten Lan­des unter Abän­de­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Stein­furt abge­wie­sen und infol­ge des Form­man­gels den befris­te­ten Pacht­ver­trag als ein­heit­lich begrün­de­tes Ver­trags­ver­hält­nis beur­teilt, das auf unbe­stimm­te Zeit abge­schlos­sen wor­den ist. Im Jah­re 2002 pach­te­te ein Land­wirt aus Wett­rin­gen vom Ver­päch­ter aus Wett­rin­gen eine in Wett­rin­gen gele­ge­ne, aus zwei Flu­ren mit jeweils zwei Flur­stü­cken bestehen­de Land­wirt­schafts­flä­che von ca. 16,65 ha zum jähr­li­chen Preis von 615 Euro. Das schrift­li­che Pacht­ver­trags­for­mu­lar bezeich­net nur eins der vier Flur­stü­cke rich­tig, drei Flur­stü­cke – von denen zwei nur teil­wei­se ver­pach­tet wer­den soll­ten, wer­den nicht erwähnt, dafür ande­re Flur­stü­cke, die nicht zum Pacht­ob­jekt gehö­ren soll­ten. Der Ver­trag sah den 31.12.2011 als Ver­trags­en­de vor und wur­de vom Ver­päch­ter mit einer im Novem­ber 2011 aus­ge­spro­che­nen Kün­di­gung zum Ablauf des 31.12.2013 gekün­digt. Dar­auf­hin hat der Ver­päch­ter ab dem 1. Janu­ar 2014 die Her­aus­ga­be der Pacht­sa­che ver­langt, der der Päch­ter unter Hin­weis auf das nach sei­ner Sicht noch bis zum 31.12.2013 lau­fen­de Pacht­ver­hält­nis wider­spro­chen hat.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, dass beim Abschluss des Pacht­ver­tra­ges die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Schrift­form nicht gewahrt wor­den sei. Der Pacht­ge­gen­stand wer­de in der Ver­trags­ur­kun­de nicht zutref­fend bezeich­net. Das gesetz­li­che Schrift­form­erfor­der­nis die­ne vor­ran­gig der Infor­ma­ti­on eines poten­ti­el­len Grund­stücks­er­wer­bers und nicht der am Ver­trags­ab­schluss betei­lig­ten Par­tei­en. Es rei­che daher nicht, wenn den Ver­trags­par­tei­en beim Abschluss des Ver­tra­ges klar sei, aus wel­chen Flur­stü­cken oder Flur­stü­cken­tei­len sich der Pacht­ge­gen­stand zusam­men­set­ze. Für einen Drit­ten als mög­li­chen Grund­stücks­er­wer­ber müs­se sich aus der Aus­le­gung der Urkun­de und ggfls. dort in Bezug genom­me­ner äuße­rer Umstän­de erge­ben, wel­che Flä­chen als Pacht­ge­gen­stand ver­pach­tet sein soll­ten.

Die Schrift­form sei im vor­lie­gen­den Fall nicht gewahrt, weil eini­ge als Pacht­ge­gen­stand vor­ge­se­he­nen und über­las­se­ne Flur­stü­cke im Ver­trag nicht erwähnt sei­en, der ande­re nicht als Pacht­ob­jekt vor­ge­se­he­ne und auch nicht zur Ver­fü­gung gestell­te Flur­stü­cke als ver­pach­tet auf­lis­te. Der schrift­li­che Ver­trag mache zudem nicht deut­lich, dass bei zwei Flur­stü­cken auch nur bestimm­te Teil­stü­cke und nicht die vol­len Flur­stü­cke Pacht­ge­gen­stand sein soll­ten.

Weil der Pacht­ge­gen­stand in der Ver­trags­ur­kun­de nicht hin­rei­chend fixiert sei, sei dem Schrift­form­erfor­der­nis ins­ge­samt nicht genügt wor­den. Infol­ge des Form­man­gels gel­te das ein­heit­lich begrün­de­te Ver­trags­ver­hält­nis als auf unbe­stimm­te Zeit abge­schlos­sen und sei mit einer bis zum drit­ten Werk­ver­trag eines Pacht­jah­res aus­ge­spro­che­nen schrift­li­chen Kün­di­gung erst zum Ablauf des über­nächs­ten Pacht­jah­res künd­bar. Wenn – so wie im vor­lie­gen­den Fall – das Kalen­der­jahr das Pacht­jahr sei, habe die im Novem­ber 2012 aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung das Ver­trags­ver­hält­nis erst zum Ablauf des 31.12.2014 been­det.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 10. April 2014 – 10 U 112/​13