Die Gerin­nungs­stö­rung bei der Hüft-OP

Fin­det bei einer Pati­en­tin eine Hüft­ope­ra­ti­on statt, ohne deren Vor­er­kran­kung – eine Gerin­nungs­stö­rung – zu dia­gnos­ti­zie­ren und zu the­ra­pie­ren, liegt ein gro­ber Befund­er­he­bungs­feh­ler vor. Kommt es dann bei der Pati­en­tin zu schwe­ren Nach­blu­tun­gen, die mit zahl­rei­chen Behand­lun­gen ver­sorgt wer­den muss­ten, kann die Kran­ken­kas­se der Pati­en­tin aus über­ge­gan­ge­nem Recht ihrer Ver­si­cher­ten vom beklag­ten Kran­ken­haus­trä­ger die Kos­ten der Behand­lun­gen als Scha­den ersetzt ver­lan­gen.

Die Gerin­nungs­stö­rung bei der Hüft-OP

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall ein erst­in­stanz­li­ches Urteil des Land­ge­richts Bochum bestä­tigt, nach dem eine gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se über 580.000,00 Euro Scha­dens­er­satz für Behand­lungs­kos­ten nach einer grob feh­ler­haf­ten Hüft­ope­ra­ti­on an einer Ver­si­cher­ten von dem Kran­ken­haus­trä­ger velan­gen kann. Die bei der Klä­ge­rin, einer gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se, ver­si­cher­te, im Jah­re 1930 gebo­re­ne Pati­en­tin aus Oer-Erken­schwick lei­det an einer Gerin­nungs­stö­rung (erwor­be­ne Fak­tor-VIII Hemm­kör­per-Hämo­phi­lie) und der Auto­im­mun­krank­heit SLE (Sys­te­mi­scher Lupus-Eythe­ma­to­des). Im Novem­ber 2005 führ­te das in Her­ten gele­ge­ne Kran­ken­haus des beklag­ten Trä­gers bei der Pati­en­tin eine Hüft­ope­ra­ti­on durch, ohne zuvor die Gerin­nungs­stö­rung zu dia­gnos­ti­zie­ren und zu the­ra­pie­ren. Bei der Pati­en­tin kam es zu schwe­ren Nach­blu­tun­gen, die mit zahl­rei­chen Behand­lun­gen sta­tio­när und auch inten­siv­me­di­zi­nisch ver­sorgt wer­den muss­ten. Die Kos­ten die­ser Behand­lun­gen hat die Klä­ge­rin aus über­ge­gan­ge­nem Recht ihrer Ver­si­cher­ten vom beklag­ten Kran­ken­haus­trä­ger als Scha­den ersetzt ver­langt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm auf die im Pro­zess erstat­te­ten medi­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ver­wie­sen. Die­se hät­ten einen gro­ben Befund­er­he­bungs­feh­ler bestä­tigt, für den der beklag­te Kran­ken­haus­trä­ger haf­ten müs­se. Die Gerin­nungs­stö­rung der Pati­en­tin sei feh­ler­haft nicht dia­gnos­ti­ziert und behan­delt wor­den, obwohl die ana­mnes­ti­schen Anga­ben und die patho­lo­gi­schen Blut­wer­te der Pati­en­tin hier­zu Ver­an­las­sung gaben. Es sei davon aus­zu­ge­hen, dass der gro­be Behand­lungs­feh­ler bei der Pati­en­tin die post­ope­ra­ti­ven Nach­blu­tun­gen aus­ge­löst habe. Zuguns­ten der Klä­ge­rin grei­fe eine Beweis­last­um­kehr ein. Den Gegen­be­weis, dass die Nach­blu­tun­gen nicht auf der unter­las­se­nen Gerin­nungs­the­ra­pie beruh­ten, habe der beklag­te Kran­ken­haus­trä­ger nicht füh­ren kön­nen.

Zu erset­zen sei­en die Kos­ten für die Behand­lung der Nach­blu­tun­gen, u.a. durch eine in einem Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum durch­ge­führ­te inten­siv­me­di­zi­ni­sche The­ra­pie mit Beatmung und eine kos­ten­in­ten­si­ve Medi­ka­ti­on mit Novo­se­ven. Ledig­lich die mit 30.000 Euro anzu­set­zen­den Kos­ten einer Gerin­nungs­the­ra­pie habe die Klä­ge­rin selbst zu tra­gen, weil die The­ra­pie auch ohne Ope­ra­ti­on erfor­der­lich gewe­sen wäre.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 21. Mäz 2014 – 26 U 115/​11