Die glei­che zuläs­si­ge Zaun­hö­he für alle Nach­barn ?

Für das not­wen­di­ge Zusam­men­le­ben zwi­schen Grund­stücks­nach­barn gilt das nach­bar­li­che Gemein­schafts­ver­hält­nis, dem­zu­fol­ge Nach­barn zur gegen­sei­ti­gen Rück­sicht­nah­me ver­pflich­tet sind. Wenn über die Anwen­dung der gesetz­li­chen Rege­lung hin­aus ein bil­li­ger Aus­gleich der wider­strei­ten­den Inter­es­sen der Nach­barn drin­gend gebo­ten ist, kön­nen bestehen­de nach­bar­recht­li­che Rech­te beschränkt oder aus­ge­schlos­sen wer­den.

Die glei­che zuläs­si­ge Zaun­hö­he für alle Nach­barn ?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall nur teil­wei­se statt­ge­ge­ben und die Beklag­te zu einem Rück­bau des Zauns auf die glei­che Höhe wie die angren­zen­den Zäu­ne der Klä­ge­rin und einen Rück­schnitt der Hecke auf Höhe des zurück­ge­bau­ten Zauns ver­ur­teilt. In dem Ver­fah­ren strei­ten sich zwei Grund­stücks­nach­barn. Ent­lang der gemein­sa­men Grund­stücks­gren­ze befin­den sich auf dem Grund­stück der Beklag­ten ein Zaun und eine Hecke, wobei sich die Hecke aus Sicht des Grund­stücks der Klä­ge­rin hin­ter einem blick­dich­ten Metall­zaun mit Plas­tik­la­mel­len befin­det. Die Stäm­me die­ser Hecke befin­den sich 40 cm von der Grund­stücks­gren­ze ent­fernt. An der nied­rigs­ten Stel­le hat der Zaun der Beklag­ten eine Höhe von 2,06 m. Von der Klä­ge­rin wird sowohl der Rück­bau des Zauns auf eine von ihr als nach­bar­recht­lich zuläs­sig erach­te­te Höhe von 1,20 m als auch ein Rück­schnitt der Hecke auf eine Höhe von 1,50 m begehrt. Aller­dings hat die Klä­ge­rin selbst an den seit­li­chen Gren­zen ihres Grund­stücks aber Zäu­ne in einer Höhe von 1,84 m und 1,87 m errich­tet.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Koblenz aus­ge­führt, dass für die im Nach­bar­recht zuläs­si­ge Höhe von Zäu­nen § 39 des rhein­land-pfäl­zi­schen Lan­des­nach­bar­rechts­ge­set­zes (LNRG RP) maß­ge­bend ist. Die­se Vor­schrift sieht zunächst nur einen Anspruch auf Errich­tung eines Zauns vor. Ein sol­cher muss sich, falls bau­ord­nungs­recht­lich in der Ort­schaft nichts ande­res vor­ge­schrie­ben ist, nach der dor­ti­gen Orts­üb­lich­keit rich­ten. Wenn eine sol­che Orts­üb­lich­keit nicht fest­stell­bar ist, gilt ein 1,20 m hoher Zaun aus fes­tem Maschen­draht als orts­üb­lich. Ent­spricht eine vor­han­de­ne Ein­frie­dung durch einen Zaun nicht den vor­ge­nann­ten Maß­ga­ben, ergibt sich hier­aus umge­kehrt ein Abwehr­recht aus § 1004 BGB in Ver­bin­dung mit § 39 LNRG RP gegen­über dem vor­han­de­nen Zaun.

In dem hier strei­ti­gen Fall gibt es zwar in der Ort­schaft, in der sich die bei­den Grund­stü­cke befin­den, weder einen dies regeln­den Bebau­ungs­plan noch erge­ben die im Ort vor­han­de­nen Ein­frie­dun­gen ein ein­heit­li­ches Bild im Sin­ne von orts­üb­li­chen Ein­zäu­nun­gen, den­noch kann die Klä­ge­rin nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Koblenz kei­nen Rück­bau auf eine Höhe von 1,20 m ver­lan­gen. Denn zwi­schen Grund­stücks­nach­barn gilt näm­lich für das not­wen­di­ge Zusam­men­le­ben das soge­nann­te nach­bar­li­che Gemein­schafts­ver­hält­nis, dem­zu­fol­ge Nach­barn zur gegen­sei­ti­gen Rück­sicht­nah­me ver­pflich­tet sind. Die­se Pflich­ten zur gegen­sei­ti­gen Rück­sicht­nah­me kön­nen zur Beschrän­kung bis hin zum Aus­schluss bestehen­der nach­bar­recht­li­cher Rech­te füh­ren, wenn über die Anwen­dung der gesetz­li­chen Rege­lung hin­aus ein bil­li­ger Aus­gleich der wider­strei­ten­den Inter­es­sen der Nach­barn drin­gend gebo­ten ist. Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Koblenz ist das hier gege­ben, da die Klä­ge­rin selbst an den streit­ge­gen­ständ­li­chen Zaun angren­zend Zäu­ne errich­tet hat, die im Fal­le eines Rück­baus des Zauns der Beklag­ten auf die gefor­der­te Höhe von 1,20 m den Zaun der Beklag­ten deut­li­cher über­ra­gen wür­den als dies umge­kehrt der­zeit der Fall ist. In Fal­le eines Rück­baus wür­den die Zäu­ne der Klä­ge­rin den zurück­ge­bau­ten Zaun der Beklag­ten um mehr als 60 cm über­ra­gen. Dies ist weit mehr als die umge­kehr­te Höhen­dif­fe­renz von etwa 20 cm der­zeit.

Außer­dem ist für das Land­ge­richt Koblenz ein schüt­zens­wer­tes Eigen­in­ter­es­se der Klä­ge­rin an der Schaf­fung eines sol­chen Zustands nicht erkenn­bar gewe­sen. Im der­zei­ti­gen Zustand ist eine opti­sche Beein­träch­ti­gung näm­lich allen­falls in gerin­gem Maß vor­han­den, da sich die Zäu­ne trotz der vor­han­de­nen leich­ten Höhen­dif­fe­renz letzt­lich glei­chen.

In Bezug auf die Hecke hat das Land­ge­richt Koblenz ent­schie­den, dass die­se wei­ter­hin auf eine Höhe geschnit­ten wer­den muss, die sie hin­ter dem Zaun nicht sicht­bar sein lässt. Gemäß § 45 Nr. 2 LNRG RP ist bei einem Grenz­ab­stand von 40 cm eine Hecke grund­sätz­lich auf eine Höhe von 1,50 m zu begren­zen. Es ist in § 46 Abs. 2 Nr. 1 LNRG eine Aus­nah­me­re­ge­lung getrof­fen wor­den, für den Fall, dass sich die Hecke, wie hier, hin­ter einer undurch­sich­ti­gen Ein­frie­dung befin­det. Dies ist zwar hier der­zeit der Fall, dies ist jedoch auf die über­mä­ßi­ge Höhe des Zauns zurück­zu­füh­ren. Daher muss die Hecke auch nach Rück­bau des Zauns auf die zuläs­si­ge Höhe wei­ter hin­ter die­sem optisch ver­schwin­den, soll­te sie die nach­bar­recht­lich zuläs­si­ge Höhe über­schrei­ten.

Land­ge­richt Koblenz, Urteil vom 10. Juli 2020 – 13 S 6/​20