Die Haf­tung des BGB-Gesell­schaf­ters und die Ver­jäh­rung

Die für die Gesell­schafts­schuld maß­geb­li­che Ver­jäh­rung gilt grund­sätz­lich auch für die akzes­so­ri­sche Haf­tung des BGB-Gesell­schaf­ters aus § 128 HGB (ana­log).

Die Haf­tung des BGB-Gesell­schaf­ters und die Ver­jäh­rung

Nach der inzwi­schen gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes ist eine GbR rechts- und par­tei­fä­hig mit der Fol­ge, dass sich die per­sön­li­che Ein­stands­pflicht ihrer Mit­glie­der für die Gesell­schafts­ver­bind­lich­kei­ten aus den für die OHG und KG gel­ten­den Vor­schrif­ten der §§ 128, 130 HGB ergibt1.

Die Haf­tungs­ver­bind­lich­keit des Gesell­schaf­ters aus § 128 HGB (ana­log) unter­liegt nicht der drei­jäh­ri­gen Regel­ver­jäh­rung des § 195 BGB, son­dern der­sel­ben Ver­jäh­rung wie die Schuld der GbR, mit­hin, wie etwa in dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Fall, bei For­de­run­gen aus voll­streck­ba­ren nota­ri­el­len Schuld­an­er­kennt­nis­sen der drei­ßig­jäh­ri­gen Ver­jäh­rung des § 197 Abs. 1 Nr. 4 BGB.

Nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs2 und der herr­schen­den Ansicht in der Lite­ra­tur3 stimmt die Gesell­schaf­ter­haf­tung grund­sätz­lich und gera­de auch hin­sicht­lich aller Ein­wen­dun­gen oder Ein­re­den – zuguns­ten und zuun­guns­ten des Gesell­schaf­ters – mit der jewei­li­gen Gesell­schafts­ver­bind­lich­keit über­ein. Dies ent­spricht dem Wort­laut der §§ 128 ff. HGB und dem Sinn der akzes­so­ri­schen Gesell­schaf­ter­haf­tung4. Das Siche­rungs­in­ter­es­se des Gläu­bi­gers erfor­dert es, dass ein Gesell­schaf­ter für die Gesell­schafts­schul­den, die wäh­rend oder vor sei­ner Mit­glied­schaft begrün­det wor­den sind, auch zeit­lich wie die Gesell­schaft selbst haf­tet. Die Tat­sa­che, dass die Gesell­schafts­schuld nach rechts­kräf­ti­ger Ver­ur­tei­lung der Gesell­schaft, voll­streck­ba­rem Ver­gleich bzw. Schuld­an­er­kennt­nis oder Fest­stel­lung im Insol­venz­ver­fah­ren der drei­ßig­jäh­ri­gen Ver­jäh­rung der § 197 Abs. 1 Nr. 3 bis Nr. 6, § 201 Satz 1 BGB unter­liegt, gilt daher auch gegen­über dem Gesell­schaf­ter5.

Die ver­ein­zelt in der Lite­ra­tur ver­tre­te­ne Ansicht6, wonach die Gesell­schafts­schuld und die Haf­tungs­ver­bind­lich­keit des Gesell­schaf­ters nicht nur eigen­stän­dig ver­jäh­ren, son­dern auch die Fris­ten getrennt lau­fen, über­zeugt nicht. Sie führt dazu, dass die Gesell­schaf­ter­schuld gemäß § 195 BGB schon nach drei Jah­ren ver­jährt, wäh­rend z.B. die gegen die Gesell­schaft gerich­te­te Kauf­preis­for­de­rung für ein Grund­stück gemäß § 196 BGB erst nach zehn Jah­ren ver­jährt. Ein sol­ches Ergeb­nis wäre mit dem Kon­zept der akzes­so­ri­schen Gesell­schaf­ter­haf­tung unver­ein­bar7.

Dar­an hat sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­ons­er­wi­de­rung durch die Aner­ken­nung der Rechts- und Par­tei­fä­hig­keit der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts nichts geän­dert. Im Gegen­teil zeigt sich gera­de an dem auf die BGB-Gesell­schaft ana­log anzu­wen­den­den Haf­tungs­mo­dell der §§ 128 ff. HGB, dass eine abge­kürz­te per­sön­li­che Ver­jäh­rungs­frist zuguns­ten des Gesell­schaf­ters ent­spre­chend § 159 HGB grund­sätz­lich nur im Fall der Auf­lö­sung der Gesell­schaft in Betracht kommt8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Janu­ar 2010 – XI ZR 37/​09

  1. sie­he etwa BGHZ 146, 341, 358; vor­mals schon BGHZ 142, 315, 318; sie­he fer­ner BGHZ 178, 271, Tz. 17
  2. BGHZ 139, 214, 217 f.; vor­mals schon BGHZ 73, 217, 224 f.; 78, 114, 119 f.; 95, 330, 332 f.
  3. sie­he etwa MünchKommHGB/​K. Schmidt, 2. Aufl., § 128 Rn. 3 und § 129 Rn. 7; Hill­mann in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., Bd. 1, § 129 Rn. 4, jeweils m.w.N.; Boesche in Oet­ker, HGB, § 129 Rn. 4; vgl. auch Bran­des in FS für Stim­pel, S. 105, 117
  4. BGHZ 73, 217, 224
  5. Hill­mann in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., Bd. 1, § 129 Rn. 4
  6. vgl. vor allem Staub/​Habersack, HGB, 4. Aufl., § 129 Rn. 6 f.; Mahr, Ges­RZ 1991, 149, 150, jeweils zum alten Ver­jäh­rungs­recht
  7. MünchKommHGB/​K. Schmidt, 2. Aufl., § 129 Rn. 7; so jetzt auch Staub/​Habersack, HGB, 5. Aufl., § 129 Rn. 6
  8. zur ana­lo­gen Anwend­bar­keit des § 159 HGB auf die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts sie­he etwa Hill­mann in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., Bd. 1, § 159 Rn. 3 m.w.N.