Die hin­rei­chen­de Bestimmt­heit des Klageantrags

Gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss die Kla­ge­schrift die bestimm­te Anga­be des Gegen­stands und des Grunds des erho­be­nen Anspruchs ent­hal­ten. Damit wird der Streit­ge­gen­stand abge­grenzt und zugleich die Grund­la­ge für eine etwa erfor­der­lich wer­den­de Zwangs­voll­stre­ckung geschaffen.

Die hin­rei­chen­de Bestimmt­heit des Klageantrags

Ein Kla­ge­an­trag ist grund­sätz­lich hin­rei­chend bestimmt, wenn er

  • den erho­be­nen Anspruch kon­kret bezeichnet,
  • dadurch den Rah­men der gericht­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 ZPO) absteckt,
  • Inhalt und Umfang der mate­ri­el­len Rechts­kraft der begehr­ten Ent­schei­dung (§ 322 ZPO) erken­nen lässt,
  • das Risi­ko eines Unter­lie­gens des Klä­gers nicht durch ver­meid­ba­re Unge­nau­ig­keit auf den Beklag­ten abwälzt und schließlich
  • eine Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Urteil ohne eine Fort­set­zung des Streits im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren erwar­ten lässt1.

Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen ist im vor­lie­gen­den Fall der Antrag des Klä­gers, die Beklag­te zur Nach­lie­fe­rung eines „man­gel­frei­en, fabrik­neu­en Fahr­zeugs VW Golf Trend­li­ne aus der aktu­el­len Pro­duk­ti­on mit zumin­dest den fol­gen­den tech­ni­schen Merk­ma­len“ – wel­che er nach­fol­gend im Ein­zel­nen auf­zählt – hin­rei­chend bestimmt und schafft ins­be­son­de­re auch eine aus­rei­chen­de Grund­la­ge für eine etwai­ge Zwangs­voll­stre­ckung. Bei ihrer abwei­chen­den Auf­fas­sung, die sie letzt­lich dar­auf stützt, „für den Gerichts­voll­zie­her sei nicht erkenn­bar“, wann ein Fahr­zeug die klein­tei­lig beschrie­be­nen Min­dest­an­for­de­run­gen erfül­le, ver­kennt die Revi­si­on, dass sich im Rah­men der Zwangs­voll­stre­ckung ohne grö­ße­re Schwie­rig­kei­ten beur­tei­len lässt, ob das von der Beklag­ten nach dem Begeh­ren des Klä­gers zu lie­fern­de man­gel­freie Ersatz­fahr­zeug der Sache nach dem ent­spricht, was dem Klä­ger vom Gericht auf­grund sei­nes Kla­ge­an­trags zuge­spro­chen wor­den ist.

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Dabei kann dahin­ste­hen, ob die Voll­stre­ckung im Wege der Weg­nah­me der Sache durch den Gerichts­voll­zie­her gemäß §§ 883 f. ZPO erfolg­te2 oder – als Vor­nah­me einer ver­tret­ba­ren Hand­lung – durch Ersatz­vor­nah­me gemäß § 887 ZPO – etwa durch Bestel­lung eines ent­spre­chen­den Ersatz­fahr­zeugs durch den Klä­ger bei einem ande­ren Händ­ler – durch­zu­füh­ren wäre3. Denn in bei­den Fäl­len lie­ße sich anhand des gestell­ten Antrags und des auf sei­ner Grund­la­ge geschaf­fe­nen Titels bei der dem jewei­li­gen Voll­stre­ckungs­or­gan oblie­gen­den sach­ge­rech­ten Aus­le­gung des Urteils4 ohne wei­te­res beur­tei­len, inwie­weit der Voll­stre­ckungs­ge­gen­stand der im Titel beschrie­be­nen Sache ent­spricht. Dies gilt nicht zuletzt auch für die von der Revi­si­on für bedeut­sam erach­te­te Fra­ge, ob das Merk­mal „Dun­kel­blau mit Perl­ef­fekt“ etwa auch durch die Far­be „Schwarz mit Perl­ef­fekt“ erfüllt wer­den könn­te. Denn es kommt bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung nicht auf eine voll­stän­di­ge Iden­ti­tät von klein­tei­lig beschrie­be­nen Aus­stat­tungs­merk­ma­len an.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juli 2021 – VIII ZR 118/​20

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 02.12.2015 – IV ZR 28/​15, NJW 2016, 708 Rn. 8; vom 21.11.2017 – II ZR 180/​15, NJW 2018, 1259 Rn. 8; vom 21.03.2018 – VIII ZR 68/​17, BGHZ 218, 139 Rn. 15; vom 22.01.2021 – V ZR 12/​19, NJW-RR 2021, 401 Rn. 9; vom 09.03.2021 – VI ZR 73/​20, NJW 2021, 1756 Rn. 15; jeweils mwN[]
  2. so OLG Köln, Urteil vom 02.04.2020 – 18 U 60/​19 74[]
  3. so OLG Karls­ru­he, NJW-RR 2019, 869 Rn. 46[]
  4. vgl. zur gebo­te­nen Aus­le­gung auch BGH, Beschluss vom 08.07.2020 – XII ZB 334/​19, NJW-RR 2020, 1137 Rn. 11 mwN[]