Die Hoch­schul­prü­fung an einer pri­va­ten Hochschule

Der Anspruch der Stu­den­ten einer pri­va­ten Hoch­schu­le auf Durch­füh­rung der Prü­fun­gen hat sich an den­sel­ben Grund­sät­zen zu ori­en­tie­ren wie das Prü­fungs­ver­fah­ren einer staat­li­chen Hochschule.

Die Hoch­schul­prü­fung an einer pri­va­ten Hochschule

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main die Kla­ge einer Stu­den­tin abge­wie­sen und damit gleich­zei­tig die Kla­ge­ab­wei­sung des Land­ge­richts Wies­ba­den bestä­tigt. Mit ihrer Kla­ge hat sich die Stu­den­tin der Rechts­wis­sen­schaf­ten bei der beklag­ten pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ten Hoch­schu­le gegen die Beur­tei­lung ihrer Arbeit gewehrt. Sie strebt die neue Bewer­tung einer von ihr gefer­tig­ten Haus­ar­beit an. Die­se wur­de vom Erst- und Zweit­prü­fer jeweils mit „aus­rei­chend“ beno­tet. Die Klä­ge­rin hält die voll­stän­di­ge Pri­va­ti­sie­rung der uni­ver­si­tä­ren Prü­fun­gen und Bewer­tun­gen für ver­fas­sungs­wid­rig und die kon­kre­te Beur­tei­lung ihrer Arbeit für feh­ler­haft. Nach­dem das Land­ge­richt Wies­ba­den [1] die Kla­ge abge­wie­sen hat­te, ver­folgt die Klä­ge­rin ihr Ziel wei­ter vor dem Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Kas­sel den Rechts­streit wirk­sam an die Zivil­ge­rich­te ver­wie­sen habe und inso­weit aus­ge­führt habe, dass die Klä­ge­rin sich durch den Besuch einer pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ten Hoch­schu­le eigen­ver­ant­wort­lich auf dem Boden des Pri­vat­rechts bege­ben habe. Nach dem hes­si­schen Hoch­schul­ge­setz kön­ne die Beklag­te auf pri­vat­recht­li­cher Grund­la­ge selbst einen Stu­di­en- und Prü­fungs­be­trieb durch­füh­ren. Dazu gehö­re auch die Abnah­me der hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Schwer­punkt­be­reichs­prü­fung als rei­ne Hoch­schul­prü­fung. „Die Über­tra­gung berufs­qua­li­fi­zie­ren­der Prü­fun­gen an eine pri­vat­recht­lich kon­sti­tu­ier­te Hoch­schu­le, hier die Beklag­te, ver­kürzt (…) ins­be­son­de­re nicht grund­recht­li­che Gewähr­leis­tun­gen der Stu­die­ren­den oder zu Prü­fen­den“, betont das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M.. Viel­mehr müs­se auch die pri­va­te Hoch­schu­le unein­ge­schränkt die sich aus den grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen erge­ben­den Maß­ga­ben für die Durch­füh­rung von berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Prü­fun­gen ein­hal­ten. „Der Anspruch der Stu­den­ten der Beklag­ten auf Durch­füh­rung der Prü­fun­gen (hat) sich an den­sel­ben Grund­sät­zen zu ori­en­tie­ren (…) wie das Prü­fungs­ver­fah­ren einer staat­li­chen Hoch­schu­le.“ Die­sen grund­recht­li­chen Anfor­de­run­gen habe die Beklag­te hier genügt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt a.M. sei das Prü­fungs­ver­fah­ren auch nicht feh­ler­haft. Die Prü­fer sei­en ord­nungs­ge­mäß bestellt wor­den. Anhalts­punk­te für eine Befan­gen­heit lägen nicht vor. Allein, dass die Prü­fer im sog. Über­den­kens­ver­fah­ren an ihren Beur­tei­lun­gen fest­ge­hal­ten haben, genü­ge dafür nicht. Es gebe kei­nen all­ge­mei­nen Erfah­rungs­satz, „dass ein Prü­fer, dem ein Ver­fah­rens- oder Bewer­tungs­feh­ler ange­las­tet wird, schon des­halb grund­sätz­lich sei­ne inne­re Distanz zu dem Prü­fungs­vor­gang verliert.“

Die Erst- und Zweit­be­wer­tun­gen sei­en schließ­lich auch nicht recht­lich feh­ler­haft. Prü­fer müss­ten bei ihrem wer­ten­den Urteil von Ein­schät­zun­gen und Erfah­run­gen aus­ge­hen, die sie im Lau­fe ihrer Examens­pra­xis bei ver­gleich­ba­ren Prü­fun­gen ent­wi­ckelt haben und all­ge­mein anwen­den. Im Hin­blick auf die kom­ple­xen Erwä­gun­gen, die einer Prü­fungs­ent­schei­dung zugrun­de lägen, kom­me den Prü­fern ein Bewer­tungs­spiel­raum zu. Die­ser umfas­se ins­be­son­de­re die Punk­te­ver­ga­be und Noten­ge­bung, soweit sie nicht mathe­ma­tisch ter­mi­niert sei, die Ein­ord­nung des Schwie­rig­keits­gra­des einer Auf­ga­ben­stel­lung, die Wür­di­gung der Qua­li­tät der Dar­stel­lung sowie die Gewich­tung der Stär­ken und Schwä­chen in der Bear­bei­tung und der Gewich­tung der Bedeu­tung eines Man­gels. „In die­sen Bereich des spe­zi­fi­schen Bewer­tungs­spiel­raums dür­fen die Gerich­te grund­sätz­lich nicht ein­drin­gen; sie haben viel­mehr nur zu über­prü­fen, ob die Prü­fer die Gren­zen ihres Bewer­tungs­spiel­raums ein­ge­hal­ten haben“, stellt das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M. fest. Dies sei hier der Fall.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 6. Febru­ar 2020 – 1 U 67/​17

  1. LG Wies­ba­den, Urteil vom 13.01.2017 – 3 O 14/​16[]

Bild­nach­weis:

  • Hörsaal,Universität,Hochschule,: Pixabay