Die im Beru­fungs­ur­teil nicht wie­der­ge­ge­be­nen Anträ­ge

Der Bun­des­ge­richts­hof ist an einer Sach­ent­schei­dung nicht bereits des­halb gehin­dert, weil das Beru­fungs­ge­richt den Beru­fungs­an­trag der Klä­ge­rin nicht wie­der­ge­ge­ben hat.

Die im Beru­fungs­ur­teil nicht wie­der­ge­ge­be­nen Anträ­ge

Ohne die Wie­der­ga­be der Anträ­ge lei­det das Beru­fungs­ur­teil zwar regel­mä­ßig an einem von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen­den Ver­fah­rens­man­gel, der zur Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung führt 1.

Die aus­drück­li­che Wie­der­ga­be der Anträ­ge ist jedoch ent­behr­lich, wenn sich dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Grün­de das Begeh­ren des Beru­fungs­füh­rers noch mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit ent­neh­men lässt 2.

Die­se Vor­aus­set­zung war im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall erfüllt. Das Beru­fungs­ge­richt hat wegen des Sachund Streit­stands auf das land­ge­richt­li­che Urteil "ein­schließ­lich der dort gestell­ten Anträ­ge sowie der getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen" Bezug genom­men. Dar­über hin­aus hat es aus­ge­führt, dass das Land­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen habe und die Klä­ge­rin mit der Beru­fung ihre erst­in­stanz­li­chen Kla­ge­an­trä­ge unter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ihres Vor­brin­gens in vol­lem Umfang wei­ter­ver­fol­ge, wäh­rend die Beklag­te das ange­foch­te­ne Urteil ver­tei­di­ge und Zurück­wei­sung der Beru­fung bean­tra­ge. Bei die­ser Sach­la­ge bedurf­te es einer Mit­tei­lung des erst­in­stanz­li­chen Begeh­rens der Klä­ge­rin ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on nicht. Die­ses ergibt sich aus den vom Beru­fungs­ge­richt in Bezug genom­me­nen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Okto­ber 2019 – VI ZR 105/​18

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 21.06.2016 – VI ZR 403/​14, VersR 2016, 1194 Rn. 7; vom 21.02.2017 – VI ZR 22/​16 10; vom 30.05.2017 – VI ZR 501/​16, VersR 2017, 1014 Rn. 7; BGH, Urteil vom 19.07.2017 – VIII ZR 3/​17 8, jeweils mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 30.05.2017 – VI ZR 501/​16, VersR 2017, 1014 Rn. 7; BGH, Urteil vom 17.12 2013 – II ZR 21/​12, WM 2014, 217 Rn. 18 mwN[]