Die Kla­ge auf zukünf­ti­ge Nut­zungs­ent­schä­di­gung – und der Kos­ten­streit­wert

Der Kos­ten­streit­wert für die Kla­ge des Ver­mie­ters gemäß § 546 a Abs. 1 BGB i.V.m. § 259 ZPO auf künf­ti­ge Nut­zungs­ent­schä­di­gung wegen Vor­ent­hal­tung der Miet­sa­che rich­tet sich nach §§ 48 Abs. 1 GKG, 3 ZPO und beläuft sich in ein­fach gela­ger­ten Fäl­len auf den Betrag einer Jah­res­mie­te.

Die Kla­ge auf zukünf­ti­ge Nut­zungs­ent­schä­di­gung – und der Kos­ten­streit­wert

Mit der ganz herr­schen­den Mei­nung geht das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le davon aus, dass die Bestim­mung des Streit­werts einer zu zah­len­den künf­ti­gen Nut­zungs­ent­schä­di­gung – anders als für künf­ti­ge Mie­te, für die über­wie­gend § 9 ZPO ange­wandt wird – gemäß § 48 Abs. 1 GKG i.V.m. § 3 ZPO zu erfol­gen hat 1. Dies muss in ein­fach gela­ger­ten Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den dazu füh­ren, den Gebüh­ren­streit­wert wegen der künf­ti­gen Zah­lun­gen auf den 12-fachen Betrag der gefor­der­ten monat­li­chen Nut­zungs­ent­schä­di­gung fest­zu­set­zen. Dies ent­spricht auch der in § 41 Abs. 1, Abs. 2 S. 2 GKG zum Aus­druck kom­men­den gesetz­li­chen Wer­tung.

Es ist zwar zutref­fend, dass es sich bei der vom Mie­ter nach erfolg­ter Kün­di­gung bis zur Räu­mung zu zah­len­den Nut­zungs­ent­schä­di­gung um eine wie­der­keh­ren­de Leis­tung von unge­wis­ser Dau­er han­delt. Doch reicht dies allein für eine Anwen­dung von § 9 ZPO nicht aus. Zu berück­sich­ti­gen sind viel­mehr die Grund­sät­ze, die bereits von den Ver­ei­nig­ten Zivil­se­na­ten des Reichs­ge­richts 2 über Sinn und Zweck sowie über die Anwen­dung des § 9 ZPO ent­wi­ckelt wor­den sind 3. Hier­nach betrifft § 9 ZPO nur sol­che Rech­te, die ihrer Natur nach und erfah­rungs­ge­mäß eine Dau­er von wenigs­tens 42 Mona­ten haben oder jeden­falls eine sol­che Dau­er haben kön­nen 4.

Zwi­schen der Ein­rei­chung der Kla­ge auf Räu­mung und der Her­aus­ga­be der Mieträu­me – also dem Zeit­raum, für den der Anspruch auf künf­ti­ge Nut­zungs­ent­schä­di­gung gel­tend gemacht wird – liegt in aller Regel jedoch ein Zeit­raum von weni­ger als 42 Mona­ten. In ein­fa­cher gela­ger­ten Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den, in dem der Räu­mungs­an­spruch sogar aner­kannt wor­den ist, muss die­ses dazu füh­ren, dass der Gebüh­ren­streit­wert auf den 12-fachen Betrag der gefor­der­ten monat­li­chen Nut­zungs­ent­schä­di­gung fest­zu­set­zen ist.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le – Beschluss vom 17. Febru­ar 2014 – 2 W 32/​14

  1. vgl. OLG Dres­den NJW-RR 2012, 1214; OLG Stutt­gart MDR 2011, 513; KG Ber­lin NJW-RR 2007, 1579; OLG Nürn­berg NZM 2006, 540; OLG Düs­sel­dorf ZMR 2006, 517; OLG Frank­furt OLGR 2004, 201; OLG Bam­berg Jur­Bü­ro 1981, 1047; OLG Frank­furt MDR 1980, 761; Senat, Beschluss vom 20.08.2013, Az. 2 U 98/​13; Bub/​Treier/​Fischer, Hand­buch der Geschäfts- und Wohn­raum­mie­te, 4. Aufl., IX Rn. 400; Schneider/​Herget, Streit­wert­kom­men­tar, 13. Aufl.2007, Rn. 3721; Mey­er, Kom­men­tar zum GKG und FamG­KG, 13. Aufl.2012, § 3 ZPO Rn. 22 "Nut­zungs­ent­schä­di­gung"; Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 43. Aufl.2013, GKG Anh I § 48 (§3 ZPO) Rn. 83; Henssler, Die Kla­ge auf künf­ti­ge Leis­tung im Wohn­raum­miet­recht, NJW 1989, 138 (142); a.A. OLG Hamm Fam­RZ 2008, 1208; LG Ber­lin ZMR 2003, 264[]
  2. RGZ 24, 373, bestä­tigt in RGZ 37, 383; fort­ge­führt BGHZ 36, 144[]
  3. vgl. KG Ber­lin NJW-RR 2007, 1579[]
  4. BGHZ 36, 144[]