Die Kohl-Inter­views- und ihre Ton­bän­der

Alt­bun­des­kanz­ler Kohl kann nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs von sei­nem ehe­ma­li­gen Bio­gra­phen die Her­aus­ga­be der Inter­view-Ton­bän­der ver­lan­gen.

Die Kohl-Inter­views- und ihre Ton­bän­der

Der Klä­ger, der ehe­ma­li­ge Bun­des­kanz­ler Dr. Kohl, und der Beklag­te, ein Jour­na­list, schlos­sen 1999 mit einem Ver­lag jeweils selb­stän­di­ge, inhalt­lich aber auf­ein­an­der abge­stimm­te Ver­trä­ge. Gegen­stand die­ser Ver­trä­ge war die Erstel­lung der Memoi­ren des Klä­gers; die schrift­li­che Abfas­sung des Wer­kes soll­te durch den Beklag­ten erfol­gen. Der Alt­bun­des­kanz­ler und der Jour­na­list, die die Ein­zel­heit ihrer Zusam­men­ar­beit unmit­tel­bar mit­ein­an­der bespre­chen soll­ten, tra­fen sich in den Jah­ren 2001 und 2002 an über 100 Tagen in Hel­mut Kohls Wohn­haus zu Gesprä­chen, die ins­ge­samt etwa 630 Stun­den dau­er­ten und mit einem von dem Jour­na­lis­ten zur Ver­fü­gung gestell­ten Ton­band­ge­rät auf­ge­nom­men wur­den. Hel­mut Kohl sprach dabei auf Fra­gen und Stich­wor­te des Jour­na­lis­ten aus­führ­lich über sein gesam­tes Leben, sowohl über die Zeit, in der er höchs­te poli­ti­sche Ämter inne­hat­te, als auch über sei­nen vor­he­ri­gen Wer­de­gang. Die Ton­bän­der, die der Alt­bun­des­kanz­ler per­sön­lich zu kei­nem Zeit­punkt in den Hän­den hat­te, nahm der Jour­na­list zur Vor­be­rei­tung der geplan­ten Buch­ver­öf­fent­li­chung jeweils mit nach Hau­se. Spä­ter über­war­fen sich die die Bei­den und Hel­mut Kohl kün­dig­te die Zusam­men­ar­beit mit dem Jour­na­lis­ten, der von dem Ver­lag Ver­lag finan­zi­ell abge­fun­den wur­de. Nun­mehr ver­lang­te Hel­mut Kohl die Her­aus­ga­be sämt­li­cher Ton­auf­nah­men, auf denen sei­ne Stim­me zu hören ist und die in den Jah­ren 2001 und 2002 von dem Jour­na­lis­ten auf­ge­nom­men wur­den.

Die Kla­ge Kohls war in den Vor­in­stan­zen vor dem Land­ge­richt Köln 1und dem Ober­lan­des­ge­richt Köln 2 erfolg­reich. Und auch der Bun­des­ge­richts­hof hat ihm nun Recht gege­ben und die Revi­si­on des Jour­na­lis­ten zurück­ge­wie­sen.

Der Alt­bun­des­kanz­ler ist zwar nicht – wie das Ober­lan­des­ge­richt meint – durch "Ver­ar­bei­tung" (§ 950 Abs. 1 Satz 1 BGB) Eigen­tü­mer der Ton­bän­der gewor­den. Ein Ton­band wird allein durch das Auf­neh­men von Ton­do­ku­men­ten nicht zu einer neu­en Sache; dass die Ton­do­ku­men­te his­to­risch wert­voll und ein­ma­lig sind, ändert dar­an nichts.

Die Ton­bän­der sind aber auf­grund eines zwi­schen den Par­tei­en bestehen­den Auf­trags­ver­hält­nis­ses her­aus­zu­ge­ben. Der Alt­bun­des­kanz­ler und der Jour­na­list haben in Aus­füh­rung der Ver­lags­ver­trä­ge mit­ein­an­der kon­klu­dent eine recht­lich ver­bind­li­che Ver­ein­ba­rung über das von Hel­mut Kohl zur Ver­fü­gung zu stel­len­de Mate­ri­al getrof­fen. Die­se Ver­ein­ba­rung stellt recht­lich ein auf­trags­ähn­li­ches Rechts­ver­hält­nis dar, wobei der Alt­bun­des­kanz­ler als Auf­trag­ge­ber anzu­se­hen ist. Denn allein die­ser hat­te nach den Ver­lags­ver­trä­gen über den Inhalt der Memoi­ren zu ent­schei­den. Nach­dem Hel­mut Kohl Klä­ger die Zusam­men­ar­beit been­det und damit den Auf­trag wider­ru­fen hat, ist der Jour­na­list nach § 667 BGB ver­pflich­tet, ihm alles her­aus­zu­ge­ben, was er zur Aus­füh­rung des Auf­trags erhal­ten und aus der Geschäfts­be­sor­gung erlangt hat. Hier­von erfasst sind nicht nur zur Ver­fü­gung gestell­te Doku­men­te, son­dern auch die dem Jour­na­lis­ten mit­ge­teil­ten und von ihm auf­ge­zeich­ne­ten per­sön­li­chen Erin­ne­run­gen und Gedan­ken des Alt­bun­des­kanz­lers. Auf das Eigen­tum an den Ton­bän­dern, auf denen die Lebens­er­in­ne­run­gen Hel­mut Kohls auf­ge­zeich­net sind, kommt es nicht an. Wer frem­de Geschäf­te besorgt und damit auf die Inter­es­sen eines ande­ren zu ach­ten hat, soll aus der Aus­füh­rung des Auf­trags kei­ne Vor­tei­le haben, die letzt­lich dem Auf­trag­ge­ber gebüh­ren. Setzt der Beauf­trag­te zur Erfül­lung des Auf­trags unter­ge­ord­ne­te Hilfs­mit­tel, wie bei­spiels­wei­se ein Ton­band, ein, muss er des­halb auch das Eigen­tum dar­an an den Auf­trag­ge­ber über­tra­gen, wenn das Erlang­te anders nicht her­aus­ge­ge­ben wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juli 2015 – – V ZR 206/​14

  1. LG Köln, Urteil vom 12.12.2013 – 14 O 612/​12[]
  2. OLG Köln, Urteil vom 01.08.2014 – 6 U 20/​14[]