Die kon­klu­den­te Abnah­me im Werk­ver­trags­recht

Eine kon­klu­den­te Abnah­me kommt in Betracht, wenn das Werk nach den Vor­stel­lun­gen des Auf­trag­ge­bers im Wesent­li­chen man­gel­frei fer­tig­ge­stellt ist und der Auf­trag­neh­mer das Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers als Bil­li­gung sei­ner erbrach­ten Leis­tung als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­recht ver­ste­hen darf.

Die kon­klu­den­te Abnah­me im Werk­ver­trags­recht

Eine Abnah­me kann nicht nur aus­drück­lich, son­dern auch kon­klu­dent, d.h. durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers, erklärt wer­den. Kon­klu­dent han­delt der Auf­trag­ge­ber, wenn er dem Auf­trag­neh­mer gegen­über ohne aus­drück­li­che Erklä­rung erken­nen lässt, dass er des­sen Werk als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­recht bil­ligt. Erfor­der­lich ist ein tat­säch­li­ches Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers, das geeig­net ist, sei­nen Abnah­me­wil­len dem Auf­trag­neh­mer gegen­über ein­deu­tig und schlüs­sig zum Aus­druck zu brin­gen. Ob eine kon­klu­den­te Abnah­me vor­liegt, beur­teilt sich grund­sätz­lich nach den Umstän­den des Ein­zel­falls 1.

Aus­ge­hend hier­von ist es für den Bun­des­ge­richts­hof nicht zu bean­stan­den, in der Ent­ge­gen­nah­me der vom Bau­herrn ange­for­der­ten Bau­un­ter­la­gen des Archi­tek­ten eine kon­klu­den­te Abnah­me der Archi­tek­ten­leis­tun­gen zu sehen – obwohl im vor­lie­gen­den Fall offen war, ob der Archi­tekt noch die Archi­tek­ten­leis­tun­gen der Leis­tungs­pha­se 9 schul­de­te.

Zwar kann eine kon­klu­den­te Abnah­me im Regel­fall nur ange­nom­men wer­den, wenn alle ver­trag­lich geschul­de­ten Leis­tun­gen erbracht sind 2. Hat der Archi­tekt auch die Leis­tun­gen der Pha­se 9 des § 15 Abs. 2 HOAI über­nom­men, ist sein Werk erst dann voll­endet, wenn auch die­se Leis­tun­gen erbracht sind 3. Die Voll­endung des Werks ist jedoch nicht aus­nahms­los Vor­aus­set­zung für eine kon­klu­den­te Abnah­me, da es stets maß­geb­lich dar­auf ankommt, ob nach den gesam­ten Umstän­den das Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers vom Auf­trag­neh­mer­da­hin ver­stan­den wer­den kann, er bil­li­ge die erbrach­te Leis­tung als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­recht. Das kann auch dann der Fall sein, wenn die Leis­tung Män­gel hat oder noch nicht voll­stän­dig fer­tig gestellt ist 4. So hat der Bun­des­ge­richts­hof erst kürz­lich ent­schie­den, dass eine noch aus­ste­hen­de Rest­leis­tung der Annah­me einer kon­klu­den­ten Abnah­me des Archi­tek­ten­werks dann nicht ent­ge­gen­steht, wenn der Bestel­ler bereit ist, das Werk auch ohne die­se Rest­leis­tun­gen als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­recht zu akzep­tie­ren 5. Eine kon­klu­den­te Abnah­me kommt dem­entspre­chend in Betracht, wenn das Werk jeden­falls nach den Vor­stel­lun­gen des Auf­trag­ge­bers im Wesent­li­chen man­gel­frei fer­tig­ge­stellt ist und der Auf­trag­neh­mer das Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers als Bil­li­gung sei­ner erbrach­ten Leis­tung als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­recht ver­ste­hen darf 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Febru­ar 2014 – VII ZR 26/​12

  1. BGH, Urtei­le vom 26.09.2013 – VII ZR 220/​12, aaO Rn. 18; vom 25.02.2010 – VII ZR 64/​09, BauR 2010, 795 Rn. 21 = NZBau 2010, 318; vom 22.12 2000 – VII ZR 310/​99, BGHZ 146, 250, 262; und vom 10.06.1999 – VII ZR 170/​98, BauR 1999, 1186, 1188 = ZfBR 1999, 327[]
  2. BGH, Urtei­le vom 20.10.2005 – VII ZR 155/​04, BauR 2006, 396 Rn. 12 = NZBau 2006, 122; vom 25.02.1999 – VII ZR 190/​97, BauR 1999, 934, 935 = ZfBR 1999, 202; und vom 10.02.1994 – VII ZR 20/​93, BGHZ 125, 111, 114[]
  3. BGH, Urtei­le vom 10.10.2013 – VII ZR 19/​12, BauR 2014, 127 Rn. 29 = NZBau 2014, 47; vom 20.10.2005 – VII ZR 155/​04, aaO Rn. 12; und vom 10.02.1994 – VII ZR 20/​93, aaO S. 114[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 18.02.2003 – X ZR 245/​00, BauR 2004, 337, 339; vom 10.06.1999 – VII ZR 170/​98, BauR 1999, 1186, 1188 = ZfBR 1999, 327; vom 25.01.1973 – VII ZR 149/​72, BauR 1973, 192, 193[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 26.09.2013 – VII ZR 220/​12, BauR 2013, 2031 Rn. 22 = NZBau 2013, 779[]
  6. vgl. Kniff­ka in: Kniffka/​Koeble, Kom­pen­di­um des Bau­rechts, 3. Aufl., 4. Teil Rn.19[]