Die Kos­ten einer Behand­lung durch einen Scha­ma­nen

Eine unheil­bar erkrank­te Pati­en­tin kann kei­ne Rück­erstat­tungs­an­sprü­che und Schmer­zens­geld hin­sicht­lich einer von ihr in Anspruch genom­me­nen Behand­lung durch einen Scha­ma­nen in Peru gel­tend machen, wenn ihr bewusst gewe­sen ist, dass sie den Boden der gesi­cher­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se ver­ließ und daher siche­re Hei­lungs­ver­spre­chen nicht mög­lich waren.

Die Kos­ten einer Behand­lung durch einen Scha­ma­nen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Ansprü­che einer unheil­bar an Krebs erkrank­ten Pati­en­tin zurück­ge­wie­sen, die eine Behand­lung durch einen Scha­ma­nen im Hin­blick auf die Ver­hält­nis­se vor Ort früh­zei­tig abge­bro­chen hat­te. Die Klä­ge­rin lei­det an einer nach den Metho­den der Schul­me­di­zin nicht heil­ba­ren Krebs­er­kran­kung. Sie wand­te sich des­halb an die Beklag­te, die auf einer Inter­net­sei­te gemein­sam mit ihrem Ehe­mann für Rei­sen in ein Camp im perua­ni­schen Regen­wald war­ben, in wel­chem sich der Ehe­mann der Beklag­ten und sein Vater als Scha­ma­nen betä­tig­ten. Die Klä­ge­rin führ­te Gesprä­che mit der Beklag­ten und ent­schied sich schließ­lich, eine scha­ma­ni­sche Heil­be­hand­lung mit Pflan­zen und Säf­ten durch den Schwie­ger­va­ter der Beklag­ten vor­neh­men zu las­sen. Die Klä­ge­rin mel­de­te sich und ihren Ehe­mann, der sie beglei­te­te, zu einer 5‑wöchigen Per­ur­ei­se zum Preis von 4.420,- Euro pro Per­son an. Zusätz­lich wand­te sie 4.028,- Euro für die Flü­ge nach Lima auf. Die Klä­ge­rin reis­te in das Camp, brach die Rei­se jedoch im Hin­blick auf die Ver­hält­nis­se vor Ort früh­zei­tig ab. Der erhoff­te Behand­lungs­er­folg blieb aus. Die Kla­ge auf Rück­erstat­tung der Kos­ten ist bereits vom Land­ge­richt Köln abge­wie­sen wor­den, wor­auf­hin die Klä­ge­rin Beru­fung ein­gelgt hat.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Köln ließ sich als Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me nicht fest­stel­len, dass die Klä­ge­rin mit der Beklag­ten einen Rei­se­ver­trag abge­schlos­sen hat. Die Beklag­te habe zwar an den Gesprä­chen mit der Klä­ge­rin teil­ge­nom­men und auch Infor­ma­tio­nen über die Rei­se sowie die Behand­lung wei­ter­ge­ge­ben, aller­dings sei sie nicht Ver­trags­part­ne­rin der Klä­ge­rin gewor­den. Aus die­sem Grun­de könn­ten kei­ne Ansprü­che aus einer Schlech­ter­fül­lung des Rei­se- bzw. Behand­lungs­ver­tra­ges gera­de gegen die Beklag­te gerich­tet wer­den. Das Ober­lan­des­ge­richt hat als Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me auch nicht fest­stel­len kön­nen, dass die Beklag­te im Rah­men der Gesprä­che ein beson­de­res Ver­trau­en für sich in Anspruch genom­men hat, für das sie nun­mehr ein­ste­hen müss­te.

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat dar­über hin­aus auch kei­ne ande­re Grund­la­ge für eine Haf­tung der Beklag­ten anneh­men kön­nen. Ins­be-son­de­re hat es eine Ver­ant­wort­lich­keit der Beklag­ten für die Zustän­de vor Ort in Peru und Umstän­de der Behand­lung abge­lehnt. Die Beklag­te habe die Klä­ge­rin auch nicht über die­se Zustän­de getäuscht. Das Ober­lan­des­ge­richt hat in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den u.a. zum Aus­druck gebracht, dass die Klä­ge­rin Aus­sa­gen der Beklag­ten über die Hei­lungs­chan­cen nicht als ver­bind­li­che Zusi­che­rung ver­ste­hen durf­te. Der Klä­ge­rin und ihrem Ehe­mann sei bewusst gewe­sen, dass sie den Boden der gesi­cher­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se ver­lie­ßen und daher siche­re Hei­lungs­ver­spre­chen nicht mög­lich waren.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 21. Novem­ber 2012 – 16 U 80/​12