Die Kos­ten eines selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens – und das Kla­ge­ver­fah­ren gegen den Streit­hel­fer

Die Kos­ten eines selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens wer­den nicht Gegen­stand der Kos­ten­ent­schei­dung eines sich anschlie­ßen­den Kla­ge­ver­fah­rens, wenn nicht der Antrags­geg­ner, son­dern aus­schließ­lich des­sen Streit­hel­fer aus dem selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren im Kla­ge­we­ge in Anspruch genom­men wird. Das gilt auch, wenn das Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren im Pro­zess zwi­schen dem Antrag­stel­ler und dem Streit­hel­fer ver­wer­tet wur­de.

Die Kos­ten eines selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens – und das Kla­ge­ver­fah­ren gegen den Streit­hel­fer

Die Kos­ten eines selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens wer­den von der Kos­ten­ent­schei­dung eines sich anschlie­ßen­den Kla­ge­ver­fah­rens mit­um­fasst, wenn zumin­dest ein Teil der Streit­ge­gen­stän­de und die Par­tei­en der bei­den Ver­fah­ren iden­tisch sind 1.

An der erfor­der­li­chen Par­teiiden­ti­tät fehlt es indes, wenn anstel­le des Antrag­stel­lers oder des Antrags­geg­ners ein Streit­hel­fer aus dem selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren Par­tei des sich anschlie­ßen­den Rechts­streits wird 2. Der Streit­hel­fer ist ledig­lich Gehil­fe der unter­stütz­ten Par­tei, ohne selbst Par­tei des Ver­fah­rens zu sein 3. Dies wird ins­be­son­de­re an der Rege­lung des § 67 Halb­satz 2 a.E. ZPO deut­lich, wonach der Streit­hel­fer nur sol­che Pro­zess­hand­lun­gen vor­neh­men kann, die nicht in Wider­spruch mit den Hand­lun­gen der Haupt­par­tei ste­hen.

Etwas ande­res gilt auch nicht, weil das Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren im Pro­zess zwi­schen dem Antrag­stel­ler und dem Streit­hel­fer ver­wer­tet wur­de, §§ 68, 493 ZPO.

Die­ser Umstand recht­fer­tigt es nicht, die Kos­ten des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens zum Gegen­stand der Kos­ten­ent­schei­dung des Haupt­sa­che­ver­fah­rens zwi­schen Antrag­stel­ler und Streit­hel­fer zu machen. Das Gesetz bie­tet kei­ne Grund­la­ge dafür. Es besteht auch kei­ne Geset­zes­lü­cke, die es recht­fer­ti­gen könn­te, der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de zu fol­gen. Über die Kos­ten des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens wird ent­we­der in einem gegen den Antrags­geg­ner geführ­ten Haupt­ver­fah­ren mit ent­schie­den oder auf­grund eines Antrags nach § 494a Abs. 2 ZPO. Wird ein Haupt­ver­fah­ren gegen einen Antrags­geg­ner nicht erho­ben, hat der Antrag­stel­ler kei­ne ande­re Mög­lich­keit, eine pro­zes­sua­le Kos­ten­ent­schei­dung zu erwir­ken. Denn im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren ergeht kei­ne Kos­ten­ent­schei­dung auf sei­nen Antrag (§ 494a Abs. 2 ZPO). Das gilt auch dann, wenn an dem selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren ein Streit­hel­fer betei­ligt ist, der nach Abschluss des Ver­fah­rens – mög­li­cher­wei­se auf­grund der in die­sem Ver­fah­ren gewon­ne­nen Erkennt­nis­se – ver­klagt wird. Die Inter­ven­ti­ons­wir­kung führt nicht dazu, dass der Streit­hel­fer hin­sicht­lich der Kos­ten wie ein Antrags­geg­ner im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren behan­delt wird.

Im Übri­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass eine Kos­ten­ent­schei­dung zu Las­ten des Streit­hel­fers ohne­hin nicht unge­ach­tet des Grund­sat­zes der Kos­ten­par­al­le­li­tät (§ 101 ZPO) erge­hen könn­te. Denn es darf, wor­auf das Beschwer­de­ge­richt zu Recht hin­ge­wie­sen hat, nicht unbe­rück­sich­tigt blei­ben, dass ein Antrag­stel­ler eines selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens, der letzt­lich eine ande­re Par­tei im Kla­ge­ver­fah­ren in Anspruch nimmt, sich zu Unrecht eines Anspruchs gegen den Antrags­geg­ner berühmt hat und daher auch die Kos­ten des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens zu tra­gen hat. Gemäß § 101 Abs. 1 ZPO sind die durch die Neben­in­ter­ven­ti­on ver­ur­sach­ten Kos­ten dem Geg­ner der Haupt­par­tei auf­zu­er­le­gen, soweit er nach den Vor­schrif­ten der §§ 91 bis 98 ZPO die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen hat. Ent­spre­chen­des gilt im Fal­le einer Kos­ten­ent­schei­dung nach § 494a Abs. 2 ZPO 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Sep­tem­ber 2013 – VII ZB 4/​13

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 10.01.2007 – XII ZB 231/​05, BauR 2007, 747, 748 = NZBau 2007, 248; vom 09.02.2006 – VII ZB 59/​05, BauR 2006, 865, 866 = NZBau 2006, 374; OLG Hamm, Beschluss vom 17.07.2008 – 21 U 145/​05[]
  2. OLG Koblenz, Jur­Bü­ro 2013, 93, 94; OLG Mün­chen, MDR 2000, 603, 604[]
  3. BGH, Urteil vom 04.10.1994 – VI ZR 223/​93, NJW 1995, 198, 199; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 29. Aufl., § 67 Rn. 1[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 23.07.2009 – VII ZB 3/​07, BGHZ 192, 150, 155[]