Die Kran­ken­kas­se und der Scha­dens­er­satz­an­spruch ihres Ver­si­cher­ten

Der Scha­dens­er­satz­an­spruch des Geschä­dig­ten aus § 823 Abs. 1 und § 280 Abs. 1 BGB geht gemäß § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X auch in Höhe der Auf­wen­dun­gen für den Inves­ti­ti­ons­zu­schlag nach Art. 14 Abs. 1 des Gesund­heits­struk­tur­ge­set­zes auf die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se über.

Die Kran­ken­kas­se und der Scha­dens­er­satz­an­spruch ihres Ver­si­cher­ten

Ein auf ande­ren gesetz­li­chen Vor­schrif­ten beru­hen­der Anspruch auf Ersatz eines Scha­dens geht nach § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X auf den Ver­si­che­rungs­trä­ger über, soweit die­ser auf­grund des Scha­dens­er­eig­nis­ses Sozi­al­leis­tun­gen zu erbrin­gen hat, die der Behe­bung eines Scha­dens der glei­chen Art die­nen und sich auf den­sel­ben Zeit­raum wie der vom Schä­di­ger zu leis­ten­de Scha­dens­er­satz bezie­hen.

Inves­ti­ti­ons­zu­schlag als Sozi­al­leis­tung

Dabei stellt auch die Zah­lung des Inves­ti­ti­ons­zu­schlags eine Sozi­al­leis­tung der Kran­ken­kas­se dar.

Sozi­al­leis­tun­gen sind Dienst, Sach- und Geld­leis­tun­gen, die Gegen­stand der im Sozi­al­ge­setz­buch vor­ge­se­he­nen sozia­len Rech­te sind. Aus den sozia­len Rech­ten kön­nen Ansprü­che nur inso­weit gel­tend gemacht oder her­ge­lei­tet wer­den, als deren Vor­aus­set­zun­gen und Inhalt durch die Vor­schrif­ten in den beson­de­ren Tei­len des Sozi­al­ge­setz­buchs im Ein­zel­nen bestimmt sind (§ 2 Abs. 1 Satz 2, § 11 Satz 1 SGB I). Sozi­al­leis­tun­gen sind also sol­che Leis­tun­gen, die der Ver­wirk­li­chung eines der in §§ 310 SGB I genann­ten sozia­len Rech­te die­nen, im Sozi­al­ge­setz­buch gere­gelt sind und die dem Trä­ger der sozia­len Rech­te dadurch zugu­te kom­men, dass bei ihm eine vor­teil­haf­te Rechts­po­si­ti­on begrün­det wird1.

Im Streit­fall stand dem Geschä­dig­ten ein Anspruch auf eine Kran­ken­haus­be­hand­lung nach § 11 Abs. 1 Nr. 4, § 27 Abs. 1 Satz 1, Satz 2 Nr. 5, § 39 SGB V zu. Nach die­sen Vor­schrif­ten schul­det die Kran­ken­kas­se ihren Ver­si­cher­ten die Kran­ken­haus­be­hand­lung als Sach­leis­tung. Die­se stellt als Struk­tur­ele­ment der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung die Regel­form der Leis­tungs­ge­wäh­rung dar (vgl. § 2 Abs. 2 Satz 1, § 13 Abs. 1 SGB V)2. Die Kran­ken­kas­se erbringt ihre Sach­leis­tun­gen grund­sätz­lich nicht durch eige­ne Ein­rich­tun­gen, son­dern beauf­tragt Leis­tungs­er­brin­ger, die Sach­leis­tun­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len3. Schul­det der Sozi­al­leis­tungs­trä­ger – wie hier – eine Sach­leis­tung, kann er im Fall des Anspruchs­über­gangs vom Schä­di­ger deren Wert ersetzt ver­lan­gen4. Der zu erset­zen­de Wert rich­tet sich nach dem Geld­be­trag, den der Sozi­al­leis­tungs­trä­ger an sei­nen Leis­tungs­er­brin­ger ent­rich­ten muss. Die­ser ist im Drei­ecks­ver­hält­nis zwi­schen Pati­ent, Kran­ken­kas­se und Kran­ken­haus regel­mä­ßig der Trä­ger eines zuge­las­se­nen Kran­ken­hau­ses (§ 108 SGB V), der für die Kran­ken­kas­se gemäß § 109 Abs. 4 Satz 2 SGB V im Rah­men des Ver­sor­gungs­auf­trags zur Kran­ken­haus­be­hand­lung des Pati­en­ten ver­pflich­tet ist und im Gegen­zug das ihm nach dem öffent­lich­recht­lich gere­gel­ten Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­sys­tem zuste­hen­de Ent­gelt erhält5.

Mit Recht weist die Revi­si­on dar­auf hin, dass grund­sätz­lich sämt­li­che von der Kran­ken­kas­se zu zah­len­den Ent­gel­te zu erset­zen sind, die not­wen­dig sind, um die dem Geschä­dig­ten geschul­de­te Kran­ken­haus­be­hand­lung zu erbrin­gen (vgl. § 27 Abs. 1 Satz 1, Satz 2 Nr. 5, § 39 Abs. 1 SGB V). Soweit das Beru­fungs­ge­richt meint, der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag sei kei­ne Sozi­al­leis­tung, weil er kein unmit­tel­ba­res Ent­gelt für die Kran­ken­haus­be­hand­lung eines bestimm­ten Pati­en­ten sei und dem Ver­si­cher­ten bzw. des­sen Gesund­heit nicht unmit­tel­bar zugu­te kom­me, kann dem nicht gefolgt wer­den. Maß­geb­li­che (Sozi­al) Leis­tung ist die von der Kran­ken­kas­se zu erbrin­gen­de (und erbrach­te) Kran­ken­be­hand­lung, die auch die übri­gen in § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X genann­ten Anfor­de­run­gen an die Sozi­al­leis­tung ("auf Grund des Scha­dens­er­eig­nis­ses", zur "Behe­bung eines Scha­dens der glei­chen Art", Bezug "auf den­sel­ben Zeit­raum") erfüllt6. Gegen­stand des Anspruchs­über­gangs sind sämt­li­che Kos­ten, die an den Leis­tungs­er­brin­ger zu bezah­len sind, damit er im Auf­trag der Kran­ken­kas­se die not­wen­di­ge Kran­ken­haus­be­hand­lung erbringt, soweit die Ent­gel­te in berech­tig­ter Höhe erho­ben wer­den7.

Anspruchs­über­gang auch hin­sicht­lich des Inves­ti­ti­ons­zu­schlags

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts besteht auch die für den Anspruchs­über­gang nach § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X erfor­der­li­che sach­li­che Kon­gru­enz zwi­schen dem Scha­dens­er­satz­an­spruch des Geschä­dig­ten und dem von der Kran­ken­kas­se gezahl­ten Inves­ti­ti­ons­zu­schlag.

Zwar hat das Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt8 die sach­li­che Kon­gru­enz zwi­schen dem Inves­ti­ti­ons­zu­schlag nach Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GSG und dem Scha­dens­er­satz­an­spruch des Geschä­dig­ten ver­neint, weil der Zuschlag nach sei­nem Zweck nicht der Scha­dens­be­he­bung und der Wie­der­her­stel­lung der Gesund­heit die­ne, son­dern als Finan­zie­rungs­hil­fe für die Kran­ken­häu­ser in den neu­en Bun­des­län­dern ver­wen­det wer­de. Dem hat sich das Schrift­tum – ohne eige­ne nähe­re Begrün­dung – teil­wei­se ange­schlos­sen9. Die­ser Ansicht kann indes nach Auf­fas­sung des erken­nen­den Bun­des­ge­richts­hofs nicht gefolgt wer­den.

Sach­li­che Kon­gru­enz besteht, wenn sich die Ersatz­pflicht des Schä­di­gers und die Leis­tungs­ver­pflich­tung des Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gers ihrer Bestim­mung nach decken. Hier­von ist aus­zu­ge­hen, wenn die Leis­tung des Ver­si­che­rungs­trä­gers und der vom Schä­di­ger zu leis­ten­de Scha­dens­er­satz dem Aus­gleich der­sel­ben Ein­bu­ße des Geschä­dig­ten die­nen10. Es genügt, wenn der Sozi­al­ver­si­che­rungs­schutz sei­ner Art nach den Scha­den umfasst, für den der Schä­di­ger ein­ste­hen muss; es kommt nicht dar­auf an, ob auch der ein­zel­ne Scha­dens­pos­ten vom Ver­si­che­rungs­schutz gedeckt ist11.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist die Kran­ken­be­hand­lung grund­sätz­lich sach­lich kon­gru­ent mit der sich aus § 823 Abs. 1 oder § 280 Abs. 1, § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB erge­ben­den Ver­pflich­tung des Schä­di­gers, dem Geschä­dig­ten die Hei­lungs­kos­ten zu erset­zen12. Dies gilt auch, soweit die Kran­ken­kas­se an den Kran­ken­haus­trä­ger den Inves­ti­ti­ons­zu­schlag bezahlt hat, um ihre Ver­pflich­tung zur Kran­ken­haus­be­hand­lung gegen­über einem Kas­sen­pa­ti­en­ten erfül­len zu kön­nen.

Der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag wird gemäß Art. 14 GSG zur zügi­gen und nach­hal­ti­gen Ver­bes­se­rung des Niveaus der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung in den neu­en Bun­des­län­dern und zur Anpas­sung an das Niveau im übri­gen Bun­des­ge­biet von den Benut­zern des Kran­ken­hau­ses oder ihren Kos­ten­trä­gern für jeden Berech­nungs­tag eines tages­glei­chen Pfle­ge­sat­zes erho­ben, bei Fall­pau­scha­len für die ent­spre­chen­den Bele­gungs­ta­ge. Er ist Bestand­teil der Finanz­hil­fen zum Aus­gleich der Wirt­schafts­kraft und zur För­de­rung des wirt­schaft­li­chen Wachs­tums in den neu­en Bun­des­län­dern (vgl. §§ 1, 2 Abs. 2 des Inves­ti­ti­ons­för­de­rungs­ge­set­zes Auf­bau Ost13). Nach § 8 Abs. 3 KHEntgG und § 14 Abs. 3 BPflV haben die Kran­ken­häu­ser in den neu­en Bun­des­län­dern den Inves­ti­ti­ons­zu­schlag bei sta­tio­nä­rer Behand­lung für jeden Tag des Kran­ken­haus­auf­ent­halts mit Aus­nah­me des Ent­las­sungs­tags (Bele­gungs­ta­ge) und bei teil­sta­tio­nä­rer Behand­lung auch für den Ent­las­sungs­tag zu berech­nen. Der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag war bei der im Streit­fall gege­be­nen sta­tio­nä­ren Behand­lung mit­hin als Teil der Kran­ken­haus­rech­nung auf­grund der gesetz­li­chen Rege­lun­gen von der Kran­ken­kas­se als Kos­ten­trä­ger zu bezah­len.

Der Zweck des § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X spricht dafür, den Anspruchs­über­gang auch hin­sicht­lich der Auf­wen­dun­gen für den Ersatz des Inves­ti­ti­ons­zu­schlags zuzu­bil­li­gen. Der Anspruchs­über­gang soll ver­mei­den, dass der Schä­di­ger durch die dem Geschä­dig­ten zuflie­ßen­den Sozi­al­leis­tun­gen haf­tungs­frei gestellt oder aber der Geschä­dig­te dop­pelt ent­schä­digt und dadurch berei­chert wird14. Die Kran­ken­kas­se hat den Inves­ti­ti­ons­zu­schlag in glei­cher Wei­se zu erbrin­gen, wie ihn ein selbst­zah­len­der Pati­ent leis­ten muss und von sei­nem Schä­di­ger ersetzt ver­lan­gen kann. Denn die Pfle­ge­sät­ze und die Ver­gü­tung für all­ge­mei­ne Kran­ken­haus­leis­tun­gen sind nach § 17 Abs. 1 Satz 1 KHG, § 8 Abs. 1 Satz 1 KHEntgG, § 14 Abs. 1 Satz 1 BPflV unab­hän­gig vom Ver­si­cher­ten­sta­tus für alle Benut­zer des Kran­ken­hau­ses ein­heit­lich zu berech­nen und für die Par­tei­en des Kran­ken­haus­auf­nah­me­ver­trags sowie für die Abrech­nung zwi­schen Sozi­al­leis­tungs­trä­gern und Kran­ken­häu­sern glei­cher­ma­ßen bin­dend15. Im Fall der Schä­di­gung eines nicht gesetz­lich kran­ken­ver­si­cher­ten Pati­en­ten muss die­ser als Benut­zer des Kran­ken­hau­ses gemäß Art. 14 Abs. 1 GSG den Inves­ti­ti­ons­zu­schlag selbst zah­len und der Schä­di­ger die­sen erset­zen, weil er zu dem Geld­be­trag gehört, der erfor­der­lich ist, um dem Geschä­dig­ten die not­wen­di­ge Kran­ken­haus­be­hand­lung zu ver­schaf­fen (§ 249 Abs. 2 Satz 1 BGB). Wür­de im Fall der Schä­di­gung eines Kas­sen­pa­ti­en­ten der For­de­rungs­über­gang nach § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X in Höhe des Inves­ti­ti­ons­zu­schlags abge­lehnt, wäre die Kran­ken­kas­se ent­ge­gen dem Zweck des Anspruchs­über­gangs mit dem Inves­ti­ti­ons­zu­schlag belas­tet und der Schä­di­ger hin­sicht­lich die­ser Kos­ten unge­recht­fer­tigt bes­ser gestellt. Bei einem pri­vat kran­ken­ver­si­cher­ten Geschä­dig­ten geht der Scha­dens­er­satz­an­spruch, der auch die Ver­pflich­tung zur Erstat­tung des Inves­ti­ti­ons­zu­schlags umfasst, gemäß § 86 Abs. 1 Satz 1 VVG auf den pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rer über. Für eine unter­schied­li­che Behand­lung des Regres­ses nach § 86 Abs. 1 Satz 1 VVG und nach § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X gibt es kei­ne Grund­la­ge, weil der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag – eben­so wie die hin­sicht­lich der all­ge­mei­nen Kran­ken­haus­be­hand­lung erho­be­nen Ent­gel­te – von allen Benut­zern des Kran­ken­hau­ses unab­hän­gig vom Ver­si­cher­ten­sta­tus in glei­cher Wei­se erho­ben wird. Soweit das Beru­fungs­ge­richt dar­auf abstellt, dass § 8 KHEntgG und § 14 BPflG zwi­schen den all­ge­mei­nen Kran­ken­haus­leis­tun­gen und dem Inves­ti­ti­ons­zu­schlag unter­schei­de, weil die all­ge­mei­nen Kran­ken­haus­leis­tun­gen jeweils im ers­ten Absatz und der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag im drit­ten Absatz die­ser Vor­schrif­ten gere­gelt sei­en, steht dies den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen nicht ent­ge­gen. Aus die­ser Dif­fe­ren­zie­rung kann nicht eine unter­schied­li­che Behand­lung des zu zah­len­den Ent­gelts abge­lei­tet wer­den. Sie war bei der Fas­sung des Geset­zes schon des­we­gen erfor­der­lich, weil der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag anders als das Ent­gelt für die all­ge­mei­nen Kran­ken­haus­leis­tun­gen nur in den neu­en Bun­des­län­dern erho­ben wird.

Die Ver­pflich­tung, den Inves­ti­ti­ons­zu­schlag zu erbrin­gen, steht auch in einem unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit der Kran­ken­haus­be­hand­lung des Geschä­dig­ten. Ohne Zah­lung des Inves­ti­ti­ons­zu­schlags ist nach der gesetz­li­chen Rege­lung eine Kran­ken­haus­be­hand­lung in den neu­en Bun­des­län­dern nicht mög­lich, wobei es scha­dens­recht­lich aus Sicht des geschä­dig­ten Benut­zers und sei­nes Kos­ten­trä­gers uner­heb­lich ist, ob der zu zah­len­de Zuschlag im Ergeb­nis dem Kran­ken­haus oder dem die Kran­ken­häu­ser för­dern­den Land zusteht. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag pau­schal für jeden Tag der Kran­ken­haus­be­hand­lung erho­ben wird, ohne dass ihm eine kon­kre­te Gegen­leis­tung des Kran­ken­haus­trä­gers gegen­über­steht. Eine sol­che Pau­scha­lie­rung ist im Ent­gelt­sys­tem für all­ge­mei­ne Kran­ken­haus­leis­tun­gen üblich. Nach §§ 7 KHEntgG, 10 BPflV wer­den die all­ge­mei­nen Kran­ken­haus­leis­tun­gen gegen­über den Pati­en­ten oder ihren Kos­ten­trä­gern nach den dort genann­ten Ent­gel­ten berech­net. Die vor­ge­se­he­nen Zu- und Abschlä­ge sind im Regel­fall nicht unmit­tel­bar auf eine Behand­lungs­leis­tung bezo­gen16. Auch die Fall­pau­scha­len nach dem DRG­Sys­tem (Dia­gno­se­be­zo­ge­ne Fall­grup­pen) stel­len ein durch­gän­gi­ges, leis­tungs­ori­en­tier­tes und pau­scha­lie­ren­des Ver­gü­tungs­sys­tem dar (§ 17b Abs. 1 Satz 1 KHG).

Zwar ist der Zweck des Inves­ti­ti­ons­zu­schlags die zügi­ge und nach­hal­ti­ge Ver­bes­se­rung des Niveaus der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung in den neu­en Bun­des­län­dern und die Anpas­sung an das Niveau im übri­gen Bun­des­ge­biet. Die Berück­sich­ti­gung von Inves­ti­ti­ons­kos­ten, die typi­scher­wei­se nicht durch eine kon­kre­te Kran­ken­be­hand­lung ver­an­lasst sind, bei der Bemes­sung der Ent­gel­te für die Kran­ken­haus­be­hand­lung ist aber auch sonst in der Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung mög­lich. Das Ver­bot der Berück­sich­ti­gung von Inves­ti­ti­ons­kos­ten in den Pfle­ge­sät­zen (§ 17 Abs. 4 Nr. 1 KHG) gilt nicht aus­nahms­los, wie sich aus § 4 Nr. 2 KHG ergibt, wonach die Pfle­ge­sät­ze nach Maß­ga­be des Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­set­zes Inves­ti­ti­ons­kos­ten ent­hal­ten kön­nen. Dass der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag als Teil des von den Pati­en­ten oder ihren Kran­ken­ver­si­che­rern zu tra­gen­den Ent­gelts für die Kran­ken­haus­be­hand­lung aus­ge­stal­tet ist, wird auch dadurch deut­lich, dass er in den Vor­schrif­ten, die die Berech­nung des Ent­gelts und der Pfle­ge­sät­ze regeln (§ 8 KHEntgG, § 14 BPflV), genannt wird. Nach der Bun­des­pfle­ge­satz­ver­ord­nung soll der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag als Teil des Basis­pfle­ge­sat­zes berech­net wer­den17. Für das Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­setz, das die Bun­des­pfle­ge­satz­ver­ord­nung für Kran­ken­häu­ser ersetzt, die dem DRG­Sys­tem mit einer Ver­gü­tung nach Fall­pau­scha­len unter­lie­gen18, wur­de die Vor­schrift über die Berech­nung des Inves­ti­ti­ons­zu­schlags aus § 14 BPflV über­nom­men19.

Das öffent­lich­recht­li­che Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­sys­tems steht einem Anspruchs­über­gang in Bezug auf den Inves­ti­ti­ons­zu­schlag nicht ent­ge­gen. Gäbe es für die Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung kei­ne staat­li­chen Sub­ven­tio­nen, so müss­te der Kran­ken­haus­trä­ger, um wirt­schaft­lich arbei­ten zu kön­nen, die Kos­ten für Inves­ti­tio­nen in die von ihm erho­be­nen Ent­gel­te ein­kal­ku­lie­ren. Dann müss­ten die Benut­zer der Kran­ken­häu­ser oder deren Kos­ten­trä­ger in vol­lem Umfang für die Inves­ti­tio­nen auf­kom­men. Das dem Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­setz zu Grun­de lie­gen­de dua­le Finan­zie­rungs­sys­tem geht davon aus, dass die Vor­hal­tung von Kran­ken­häu­sern eine öffent­li­che Auf­ga­be ist, deren Finan­zie­rung vom Staat zu gewähr­leis­ten ist. Dem­entspre­chend sol­len die Inves­ti­ti­ons­kos­ten der Kran­ken­häu­ser von den Län­dern ent­spre­chend den bun­des­recht­li­chen Vor­ga­ben und den nähe­ren lan­des­recht­li­chen Detail­re­ge­lun­gen öffent­lich geför­dert wer­den (vgl. § 4 Nr. 1 KHG). Zur Deckung der Betriebs­kos­ten erhal­ten die Kran­ken­häu­ser gemäß § 4 Nr. 2 KHG leis­tungs­ge­rech­te Erlö­se aus den Pfle­ge­sät­zen, die auch Inves­ti­ti­ons­kos­ten ent­hal­ten kön­nen20. In teil­wei­ser Abwei­chung vom Grund­satz der dua­len Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung21 hat der Gesetz­ge­ber zur zügi­gen und nach­hal­ti­gen Ver­bes­se­rung des Niveaus der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung in den neu­en Bun­des­län­dern und zur Anpas­sung an das Niveau im übri­gen Bun­des­ge­biet ein Kran­ken­haus­in­ves­ti­ti­ons­pro­gramm auf­ge­legt. Er ging davon aus, dass die neu­en Län­der auf abseh­ba­re Zeit nicht in der Lage sind, die erfor­der­li­chen Inves­ti­tio­nen allei­ne auf­zu­brin­gen. Des­halb soll­te die Finan­zie­rung der not­wen­di­gen Inves­ti­tio­nen durch den Bund, die Län­der und die Benut­zer oder ihre Kos­ten­trä­ger erfol­gen22. Im Umfang des Inves­ti­ti­ons­zu­schlags tra­gen die Benut­zer zur Finan­zie­rung der Inves­ti­tio­nen der Kran­ken­häu­ser bei. Des­we­gen gehört der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag zum Ent­gelt für die Kran­ken­haus­be­nut­zung und ist mit­hin bei scha­dens­recht­li­cher Betrach­tung Gegen­stand des im Sin­ne des § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB erfor­der­li­chen Geld­be­trags, der vom Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger aus nach § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X über­ge­gan­ge­nem Recht gel­tend gemacht wer­den kann. Dem Anspruchs­über­gang stün­de nicht ent­ge­gen, wenn der Inves­ti­ti­ons­zu­schlag den Cha­rak­ter einer Abga­be hät­te23. Der zur Her­stel­lung erfor­der­li­che Geld­be­trag im Sin­ne von § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB umfasst näm­lich grund­sätz­lich auch den Ersatz von Abga­ben, die im Zusam­men­hang mit der Scha­dens­be­sei­ti­gung anfal­len24.

Der Kran­ken­kas­se steht nach all­dem auch ein Scha­dens­er­satz­an­spruch auf Erstat­tung des gezahl­ten Inves­ti­ti­ons­zu­schlags zuzüg­lich antei­li­ger Rechts­an­walts­kos­ten zu.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Mai 2011 – VI ZR 61/​10

  1. vgl. BSGE 55, 40, 44; 102, 10 Rn. 19 []
  2. BGH, Urteil vom 26.11.1998 – III ZR 223/​97, BGHZ 140, 102, 104; BSGE 85, 110, 112; Bee­retz in Ratzel/​Luxenburger, Hand­buch Medi­zin­recht, 2008, § 6 Rn. 51 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 10.01.1984 – VI ZR 297/​81, BGHZ 89, 250, 257 f.; Bee­retz in Ratzel/​Luxenburger, aaO, § 6 Rn. 57; Ebsen in von Maydell/​Ruland/​Becker, Sozi­al­rechts­hand­buch, 4. Aufl., § 15 Rn. 117; Wenzel/​Quaas, Hand­buch des Fach­an­walts Medi­zin­recht, 2. Aufl., Kapi­tel 12 Rn. 234 []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 27.01.1954 – VI ZR 16/​53, BGHZ 12, 154, 156 []
  5. vgl. Ebsen in von Maydell/​Ruland/​Becker, aaO, § 15 Rn. 118, 137 ff.; jurisPK/​Wahl, SGB V, Rn. 115 ff.; Tho­mae in Ratzel/​Luxenburger, aaO, § 29 Rn. 306 []
  6. vgl. BSG, Urteil vom 28.09. 2010 – B 1 KR 4/​10 R []
  7. vgl. OLG Jena, NZV 2004, 310 []
  8. Thür. OLG, NZV 2004, 310; und Urteil vom 10.02.2010 – 4 U 353/​09 []
  9. Geigel/​Pardey, Der Haft­pflicht­pro­zess, 26. Aufl., Kapi­tel 9, Rn. 41; Gre­ger, Haf­tungs­recht des Stra­ßen­ver­kehrs, 4. Aufl., § 32 Rn. 28; Hauck/​Nehls, SGB V, K § 116 Rn. 15 (Stand: Febru­ar 2010); Küp­pers­busch, Ersatz­an­sprü­che bei Per­so­nen­scha­den, 10. Aufl., Rn. 586; Palandt/​Grüneberg, BGB, 70. Aufl., vor § 249 Rn. 117; von Wulffen/​Bie­resborn, SGB X, 7. Aufl., § 116 Rn. 12 []
  10. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.03.1973 – VI ZR 19/​72, VersR 1973, 566 f.; vom 10.04.1979 – VI ZR 268/​76, VersR 1979, 640, 641; vom 15.03.1983 – VI ZR 156/​80, VersR 1983, 686, 687; vom 18.05.2010 – VI ZR 142/​09, VersR 2010, 1103 Rn. 15; Küp­pers­busch, aaO, Rn. 597 []
  11. vgl. BGH, Urteil vom 10.04.1979 – VI ZR 268/​76, aaO; Küp­pers­busch, aaO, Rn. 598 []
  12. vgl. BGH, Urteil vom 27.01.1954 – VI ZR 16/​53, BGHZ 12, 154, 155 f.; Gie­se in Giese/​Wahrendorf, SGB X, § 116 Rn. 2.3.1 (Stand: Okto­ber 2004); Hennig/​Gelhausen, Hand­buch zum Sozi­al­recht, Grup­pe 11c Rn. 213, 215 [Stand: Janu­ar 2007]; Küp­pers­busch, aaO, Rn. 602; Münch­Komm-BGB/Oet­ker, 05. Aufl., § 249 Rn. 480; Pla­ge­mann in von Maydell/​Ruland/​Becker, aaO, § 9 Rn. 10; von Wulffen/​Bieresborn, aaO, § 116 Rn. 5 []
  13. vom 23.06.1993, BGBl. I S. 944, 982 []
  14. BGH, Urteil vom 08.07.2003 – VI ZR 274/​02, BGHZ 155, 342, 349 f. mwN []
  15. vgl. BGH, Urteil vom 09.11.1989 – IX ZR 269/​87, VersR 1990, 91, 94; BVerw­GE 100, 230, 235 []
  16. Prütting/​Becker, Fach­an­walts­kom­men­tar Medi­zin­recht, 2010, § 7 KHEntgG Rn. 5 []
  17. BRDrucks. 381/​94, S. 36 []
  18. vgl. Wenzel/​Quaas, aaO, Kapi­tel 12 Rn. 76 ff. []
  19. BT-Drucks. 14/​6893, S. 44 []
  20. BT-Drucks. VI/​1874, S. 9 f.; Prütting/​Stollmann, aaO, § 1 KHG Rn. 3; Reh­born in Ratzel/​Luxenburger, aaO, § 29 Rn. 166; Wenzel/​Quaas, aaO, Rn. 55 f. []
  21. vgl. Dietz/​Bofinger/​Quaas/​Geiser/​Söhnle, KHG, BPflV und Fol­ge­recht, Art. 14 GSG Anm. 1 [Stand: Juli 2007] []
  22. vgl. BT-Drucks. 12/​3937, S. 20 f.; Dietz/​Bofinger/​Quaas/​Geiser/​Söhnle, aaO, Art. 14 GSG Anm. 6 [Stand: Juli 2007] []
  23. vgl. Dietz/​Bofinger/​Quaas/​Geiser/​Söhnle, aaO, Art. 14 GSG Anm. 10 [Stand: Juli 2007] []
  24. vgl. § 249 Abs. 2 Satz 2 BGB; BGH, Urteil vom 14.09. 2004 – VI ZR 97/​04, VersR 2004, 1468 f. []