Die Kün­di­gungs­klau­sel in den AGB

In den AGB eines Online-Unter­neh­mens, das mit sei­nen Kun­den aus­schließ­lich eine digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on führt, darf kei­ne Vor­schrift ent­hal­ten sein, die vom Kun­den gera­de und nur für sei­ne Kün­di­gung die über die Text­form hin­aus­ge­hen­de Schrift­form (mit eigen­hän­di­ger Unter­schrift) ver­langt.

Die Kün­di­gungs­klau­sel in den AGB

So hat der Bun­des­ge­richts­hof 1 in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Online-Part­ner­ver­mitt­lung ent­schie­den und damit ein anders­lau­ten­des Urteil des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg 2 auf­ge­ho­ben. Die in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGBs) des Dating-Por­tals ent­hal­te­ne Klau­sel, dass die Kün­di­gung einer Mit­glied­schaft der Schrift­form mit eigen­hän­di­ger Unter­schrift bedarf und eine elek­tro­ni­sche Form aus­ge­schlos­sen ist, hat die Klä­ge­rin (der Dach­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len der Bun­des­län­der) für unwirk­sam gehal­ten und mit einer Kla­ge die Unter­las­sung ver­langt. Nach­dem das Land­ge­richt Ham­burg antrags­ge­mäß ent­schie­den hat 3, wur­de auf die Beru­fung der Beklag­ten das erst­in­stanz­li­che Urteil abge­än­dert und die Kla­ge inso­weit abge­wie­sen. Mit der Revi­si­on hat der Klä­ger vor dem Bun­des­ge­richts­hof sei­nen Antrag auf Zurück­wei­sung der Beru­fung der Beklag­ten wei­ter ver­folgt.

Mit sei­ner Ent­schei­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass eine der­ar­ti­ge Schrift­form-Klau­sel in den AGBs den Ver­brau­cher unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt. Denn der Unter­neh­mer ver­sucht durch ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich eige­ne Inter­es­sen auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen. So führt der Bun­des­ge­richts­hof aus, dass im Fall eines Unter­neh­mens, bei dem jede Kom­mu­ni­ka­ti­on aus­schließ­lich digi­tal erfolgt und – ange­fan­gen von der Begrün­dung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses – ohne sons­ti­ge Erklä­run­gen in Schrift­form aus­kommt, es sach­ge­recht ist, für die Ver­trags­be­en­di­gung die­sel­ben elek­tro­ni­schen Mög­lich­kei­ten zuzu­las­sen, wie für die Begrün­dung des Ver­tra­ges und sei­ne gesam­te Durch­füh­rung. In sei­nen Aus­füh­run­gen weist der Bun­des­ge­richts­hof auf die ab dem 1. Okto­ber 2016 gel­ten­den Geset­zes­än­de­run­gen hin, mit denen die Rech­te der Ver­brau­cher noch mehr gestärkt wer­den sol­len. Nach Art. 1 Nr. 1 des Geset­zes zur Ver­bes­se­rung der zivil­recht­li­chen Durch­set­zung von ver­brau­cher­schüt­zen­den Vor­schrif­ten des Daten­schutz­rechts vom 17. Febru­ar 2016 4 kann in neu geschlos­se­nen Ver­trä­gen in den AGBs von den Ver­brau­chern für die Abga­be von Erklä­run­gen (wie z.B. einer Kün­di­gung) allen­falls noch die Text­form, nicht aber die Schrift­form wirk­sam vor­ge­ge­ben wer­den.

Sobald ein Ver­brau­cher einen Ver­trag abschlie­ßen möch­te, sind AGBs im Spiel: Nicht nur im Super­markt vor Ort, son­dern auch im Inter­net sind sie all­ge­gen­wär­tig. Obwohl die Ver­su­chung groß ist, blind sein O.K. zu den AGBs durch ein "Häk­chen" zu geben, soll­te man sich schon die Geschäfts­be­din­gun­gen ein­mal näher anse­hen. Natür­lich ist kei­ner gewillt, sei­ten­lan­ge Tex­te zu lesen, aber auf bestimm­te Klau­seln und Anga­ben soll­ten die AGBs doch durch­ge­se­hen wer­den. Hilf­rei­che Tipps zu AGBs kann man auf spe­zi­el­len Inter­net­sei­ten erhal­ten. So wird auf die­sen Sei­ten dar­über infor­miert, wie AGBs aus­zu­se­hen haben und wel­che Klau­seln unzu­läs­sig sind. Dar­über hin­aus wird auf diver­se Fall­stri­cke hin­ge­wie­sen, über die ein Ver­brau­cher stol­pern kann.

  1. BGH, Urteil vom 14.07.2016 – III ZR 387/​15[]
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 26.10.2015 – 10 U 12/​13[]
  3. LG Ham­burg, Urteil vom 30.04.2013 – 312 O 412/​12[]
  4. BGBl. I, S. 233[]