Die Leis­tungs­be­stim­mung des Insol­venz­schuld­ners nach Insol­venz­eröff­nung

Eine vom Insol­venz­schuld­ner nach Ver­fah­rens­er­öff­nung vor­ge­nom­me­ne Leis­tungs­be­stim­mung zuguns­ten eines Drit­ten ist unwirk­sam.

Die Leis­tungs­be­stim­mung des Insol­venz­schuld­ners nach Insol­venz­eröff­nung

Die Erfül­lungs­hand­lung des Schuld­ners war gemäß § 81 Abs. 1 InsO unwirk­sam. Mit Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens war der Schuld­ner gemäß § 81 Abs. 1 Satz 1 InsO nicht mehr berech­tigt, im Ver­hält­nis zu dem Beklag­ten eine wirk­sa­me Erfül­lungs­zweck­be­stim­mung zu tref­fen. Bedient sich der Schuld­ner zur Beglei­chung einer Ver­bind­lich­keit eines Zah­lungs­mitt­lers, hängt die Erfül­lung von der kon­sti­tu­ti­ven Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung ab, dass er eine ent­spre­chen­de Til­gungs­be­stim­mung ver­laut­bart. Die­se Til­gungs­be­stim­mung hat ver­fü­gungs­ähn­li­che Wir­kung. Sie erfor­dert des­halb die unein­ge­schränk­te Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Schuld­ners 1.

Unwirk­sam nach § 81 Abs. 1 InsO ist auch eine Leis­tungs­be­stim­mung im Sin­ne des § 267 Abs. 1 Satz 1 BGB. Der Bun­des­ge­richts­hof hat unter Ver­fü­gun­gen in die­sem Sin­ne alle Rechts­hand­lun­gen ver­stan­den, die auf das Ver­mö­gen des Schuld­ners unmit­tel­bar ein­wir­ken. Daher sind alle Zah­lun­gen des Schuld­ners sowie die Geneh­mi­gung im Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs­ver­fah­ren betrof­fen 2. Es wer­den auch ver­fü­gungs­ähn­li­che Geschäf­te erfasst 3. Auch die Ermäch­ti­gung eines Drit­ten durch den Schuld­ner, für ihn eine Leis­tung ent­ge­gen­zu­neh­men, ist nach § 81 InsO unwirk­sam 4. Für die Leis­tungs­be­stim­mung nach § 267 Abs. 1 BGB gilt das­sel­be. Auch sie ist eine ver­fü­gungs­ähn­li­che Hand­lung. Da somit eine wirk­sa­me Leis­tung durch den Schuld­ner als Drit­ten nicht vor­liegt, trat durch die Aus­keh­rung an den Beklag­ten auch kei­ne Erfül­lungs­wir­kung ein 5.

Ob der Insol­venz­ver­wal­ter eine Leis­tungs­be­stim­mung nach § 267 BGB hät­te nach­ho­len kön­nen 6 kann dahin­ste­hen. Eine sol­che Leis­tungs­be­stim­mung ist vor­lie­gend jeden­falls nicht erfolgt.

Die Höhe des Anspruchs rich­tet sich nach Berei­che­rungs­recht. § 143 InsO ist nicht ana­log anwend­bar. Die­se Vor­schrift gilt nur für das Insol­venz­an­fech­tungs­recht, das hier schon des­halb nicht zur Anwen­dung kommt, weil es gemäß § 129 Abs. 1 InsO nur Rechts­hand­lun­gen betrifft, die vor Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens vor­ge­nom­men wor­den sind. Im Übri­gen fehlt es für die Bemes­sung der Höhe des Berei­che­rungs­an­spruchs an einer Rege­lungs­lü­cke, weil der Umfang des Anspruchs in den §§ 812 ff BGB aus­rei­chend gere­gelt ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. März 2014 – IX ZR 147/​11

  1. BGH, Urteil vom 21.11.2013, aaO Rn. 21[]
  2. BGH, Urteil vom 25.10.2007 – IX ZR 217/​06, BGHZ 174, 84 Rn.19 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 21.11.2013, aaO mwN; Uhlen­bruck, InsO, 13. Aufl. § 81 Rn. 2 f[]
  4. BGH, Beschluss vom 12.07.2012 – IX ZR 210/​11, ZIP 2012, 1565 Rn. 7; vom 12.07.2012 – IX ZR 213/​11, ZIP 2012, 1517 Rn. 14[]
  5. BGH, Urteil vom 04.11.1997, aaO S. 95[]
  6. vgl. dazu BGH, Urteil vom 14.07.1964 – VI ZR 129/​63, NJW 1964, 1898, 1899; vom 15.05.1986 – VII ZR 274/​85, NJW 1986, 2700; vom 04.11.1997, aaO; Beschluss vom 12.07.2012, aaO Rn. 15 f[]