Die letz­te Rate nach voll­stän­di­ger Fer­tig­stel­lung

Eine von einem Bau­trä­ger in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen eines Erwerbs­ver­tra­ges ver­wen­de­te Klau­sel, wonach der Ver­käu­fer die letz­te Rate in Höhe von 3, 5 % der Ver­trags­sum­me "nach voll­stän­di­ger Fer­tig­stel­lung" for­dern darf, ist so zu ver­ste­hen, dass nicht nur sämt­li­che Arbei­ten erbracht sein müs­sen, son­dern auch kei­ne Män­gel vor­han­den sein dür­fen. Dies gilt auch für sol­che Män­gel, die der Abnah­me­fä­hig­keit nicht ent­ge­gen­ste­hen 1.

Die letz­te Rate nach voll­stän­di­ger Fer­tig­stel­lung

Die­se For­mu­lie­rung ist unmiss­ver­ständ­lich und kann, ins­be­son­de­re durch den Gebrauch des Wor­tes "voll­stän­dig", bei objek­ti­ver und inter­es­sen­ge­rech­ter Aus­le­gung nur so ver­stan­den wer­den, dass nicht nur sämt­li­che Arbei­ten erbracht sein müs­sen, son­dern auch kei­ne Män­gel vor­han­den sein dür­fen bzw. sämt­li­che vor­han­de­nen Män­gel besei­tigt sein müs­sen. Dabei genügt es nicht, wenn wesent­li­che, die Abnah­me­fä­hig­keit im Sin­ne von § 640 Abs. 1 BGB hin­dern­de Män­gel besei­tigt sind. Nicht voll­stän­dig fer­tig gestellt ist die Leis­tung viel­mehr nach zutref­fen­der; vom Bun­des­ge­richts­hof 2 bestä­tig­ter Ansicht auch bei sol­chen Män­geln, die der Abnah­me­fä­hig­keit nicht ent­ge­gen­ste­hen. Der Ver­käu­fer muss grund­sätz­lich sämt­li­che Rest­män­gel sei­ner Bau­leis­tung besei­tigt haben. Eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der Ver­trags­be­stim­mung, bei der es sich (unbe­strit­ten) um eine von der Klä­ge­rin den Beklag­ten als Ver­brau­chern gestell­te all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung han­delt, dass nur wesent­li­che, die Abnah­me­fä­hig­keit hin­dern­de Män­gel der Fäl­lig­keit ent­ge­gen­ste­hen, wäre auch mit der gemäß § 305c Abs. 2 BGB gebo­te­nen kun­den­freund­li­chen Aus­le­gung zum Nach­teil des Ver­wen­ders unver­ein­bar. Dabei regelt die Bestim­mung – wenn man hier eine sol­che Unter­schei­dung über­haupt machen möch­te ‑gemäß ihrem Wort­laut und Sinn­zu­sam­men­hang eine Fäl­lig­keits­vor­aus­set­zung sowohl der letz­ten Kauf­preis­ra­ten­for­de­rung als auch des Anspruchs auf den rest­li­chen Kauf­preis (bzw. den rest­li­chen Werk­lohn) über­haupt.

Land­ge­richt Hei­del­berg, Urteil vom 28. März 2014 – 3 O 309/​13

  1. vgl. auch BGH, Urteil vom 27.10.2011 – VII ZR 84/​09 , NJW 2012, 56[]
  2. BGH, Urteil vom 27.10.2011 – VII ZR 84, 09 – NJW 2012, 56 Tz. 23[]