Die Män­gel am Hoch­zeits­kleid

Dem Ver­käu­fer muss bei einem man­gel­haf­ten Hoch­zeits­kleid die Mög­lich­keit der Män­gel­be­sei­ti­gung gege­ben wer­den. Nur wenn die Nach­bes­se­rung unzu­mut­bar wäre, etwa weil der Ver­käu­fer nicht ver­trau­ens­wür­dig ist, ist eine Chan­ce zur Nach­bes­se­rung nicht not­wen­dig.

Die Män­gel am Hoch­zeits­kleid

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer strit­ti­gen Kos­ten­er­stat­tung für die Nach­bes­se­rung durch einen Drit­ten sowie des Sach­ver­stän­di­gen die Kla­ge abge­wie­sen. Im Novem­ber 2015 erwarb die Klä­ge­rin bei der Beklag­ten ein Braut­kleid für ihre Hoch­zeit, wel­che im Juli 2016 statt­fin­den soll­te. Der Kauf­preis betrug 2.548 €. Nach­dem durch die Beklag­te ca. zwei Wochen vor der Hoch­zeit Ände­run­gen an der Pas­sung des Klei­des vor­ge­nom­men wor­den waren, stell­te die Klä­ge­rin fünf Tage vor dem Ter­min fest, dass das Braut­kleid nicht pass­te. Sie ließ dar­auf­hin bei einer ande­ren Schnei­de­rei umfang­rei­che Ände­run­gen an dem Braut­kleid vor­neh­men, für wel­che sie 450 € bezah­len muss­te. Dar­über hin­aus beauf­trag­te sie im Hin­blick auf einen mög­li­chen Rechts­streit ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten, wel­ches ins­ge­samt ca. 2.500 € kos­te­te. Die Sach­ver­stän­di­ge stell­te zahl­rei­che Män­gel an dem Kleid fest.

Mit ihrer Kla­ge bei dem Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth ver­langt die Klä­ge­rin u.a. die Kos­ten für die Nach­bes­se­rung sowie die Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten. Sie ist der Auf­fas­sung, dass es sich bei dem Braut­kleid um ein gebrauch­tes Braut­kleid gehan­delt habe, wel­ches ledig­lich für sie ange­passt wor­den sei. Sie habe aber ein neu­es Braut­kleid bei der Beklag­ten gekauft. Die Beklag­te bestrei­tet, dass es sich um ein gebrauch­tes Kleid gehan­delt habe, und wen­det vor allem ein, dass die Klä­ge­rin ihr die Chan­ce hät­te geben müs­sen, die behaup­te­ten Män­gel noch vor dem Hoch­zeits­ter­min zu besei­ti­gen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth aus­führ­lich erklärt, dass aus sei­ner Sicht die Klä­ge­rin der Beklag­ten, wel­che über eine eige­ne Ände­rungs­schnei­de­rei ver­fügt, zunächst die Chan­ce hät­te geben müs­sen, die von ihr behaup­te­ten Män­gel nach­zu­bes­sern, bevor sie Kos­ten bei einer wei­te­ren Schnei­de­rei ver­ur­sacht. Dies sei auch noch vor der Hoch­zeit mög­lich gewe­sen. Nur wenn die Beklag­te eine Nach­bes­se­rung am Hoch­zeits­kleid ver­wei­gert hät­te oder die­se geschei­tert wäre, hät­te sich die Klä­ge­rin an eine ande­re Schnei­de­rei wen­den dür­fen.

Außer­dem müs­se man sei­nem Ver­käu­fer dann kei­ne Chan­ce zur Nach­bes­se­rung geben, wenn dies unzu­mut­bar wäre, etwa weil die­ser nicht ver­trau­ens­wür­dig ist, weil er ein gebrauch­tes Kleid gelie­fert hat, obwohl ein neu­es Kleid gekauft war.

Das Land­ge­richt konn­te sich jedoch nicht davon über­zeu­gen, dass die Beklag­te der Klä­ge­rin tat­säch­lich nur ein gebrauch­tes Kleid über­ge­ben hat­te und ging somit von aus­rei­chen­der Ver­trau­ens­wür­dig­keit des Ver­käu­fers aus. Dar­über hin­aus füh­re allein die Tat­sa­che, dass das Kleid Män­gel auf­ge­wie­sen habe, nicht dazu, dass die Beklag­te nicht die Chan­ce hät­te bekom­men müs­sen, die­se nach­zu­bes­sern.

Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 27. März 2020 – 16 O 8200/​17

Die Mängel am Hochzeitskleid