Die Miet­kau­ti­on wäh­rend der Wohl­ver­hal­tens­pe­ri­ode

Bei dem wäh­rend der Wohl­ver­hal­tens­pe­ri­ode fäl­lig gewor­de­nen Anspruch auf Rück­zah­lung der Miet­kau­ti­on han­delt es sich um einen Gegen­stand der (frü­he­ren) Insol­venz­mas­se.

Die Miet­kau­ti­on wäh­rend der Wohl­ver­hal­tens­pe­ri­ode

Der Anspruch ent­stand – auf­schie­bend bedingt durch das Ende des Miet­ver­hält­nis­ses und die Rück­ga­be der Miet­sa­che , als die Schuld­ne­rin die Kau­ti­on stell­te1. Dies geschah zu einem Zeit­punkt, bevor das Insol­venz­ver­fah­ren auf­ge­ho­ben wur­de. Der Schuld­ne­rin stand daher noch wäh­rend des Insol­venz­ver­fah­rens ein Anwart­schafts­recht zu2, das zur Mas­se gehör­te3.

Die For­de­rung auf Rück­zah­lung der Miet­kau­ti­on gilt auch als nach dem Schluss­ter­min ermit­telt. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der auf­schie­bend beding­te Anspruch dem Insol­venz­ver­wal­ter wäh­rend des Insol­venz­ver­fah­rens bereits bekannt war. Denn unter die weit aus­zu­le­gen­de Norm des § 203 Abs. 1 Nr. 3 InsO fal­len auch For­de­run­gen, die dem Ver­wal­ter bekannt waren, die aber von ihm noch nicht ver­wer­tet wer­den konn­ten4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Okto­ber 2014 – IX ZA 20/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 08.07.1982 – VIII ARZ 3/​82, BGHZ 84, 345, 349 []
  2. vgl. Palandt/​Ellenberger, BGB, 73. Aufl., Einf. v. § 158 Rn. 9 []
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 01.12 2005 – IX ZB 17/​04, WM 2006, 147, 148; Flöther/​Wehner in Ahrens/​Gehrlein/​Ringstmeier, InsO, 2. Aufl., § 109 Rn.19; Jaeger/​Henkel, InsO, § 35 Rn. 90; HK-InsO/­Ries, 7. Aufl., § 35 Rn. 9; Uhlenbruck/​Hirte, InsO, 13. Aufl., § 35 Rn. 267; Hol­zer in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO, 2014, § 35 Rn. 81; zu Steu­er­erstat­tungs­an­sprü­chen vgl. BGH, Beschluss vom 12.01.2006 – IX ZB 239/​04, ZIP 2006, 340 Rn. 11 ff; Jaeger/​Henckel, aaO § 35 Rn. 109 []
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 01.12 2005, aaO; vom 06.12 2007 – IX ZB 229/​06, WM 2008, 305 Rn. 6; vom 26.01.2012 – IX ZB 111/​10, WM 2012, 366 Rn. 22 f []