Die mit dem Archi­tek­ten ver­ein­bar­te Bau­kos­ten­ober­gren­ze

Mit der Scha­dens­be­rech­nung bei der Über­schrei­tung einer mit dem Archi­tek­ten ver­ein­bar­ten Bau­kos­ten­ober­gren­ze hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen.

Die mit dem Archi­tek­ten ver­ein­bar­te Bau­kos­ten­ober­gren­ze

Anlass hier­für bot die Kla­ge von Bau­her­ren, der den beklag­ten Archi­tek­ten mit der Pla­nung und Über­wa­chung des Bau­vor­ha­bens – Leis­tungs­pha­sen 1 bis 8 nach § 15 Abs. 2 HOAI (2002) – beauf­tragt und hier­bei eine Bau­kos­ten­ober­gren­ze ver­ein­bart hat­ten, die wegen man­gel­haf­ter Kos­ten­er­mitt­lung und Kos­ten­kon­trol­le des Archi­tek­ten um rund 100.000 € über­schrit­ten wor­den war, die zusätz­lich finan­ziert wer­den muss­ten:

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Über­schrei­tung einer mit dem Archi­tek­ten ver­ein­bar­ten Bau­sum­me kann zwar ein Scha­den in den über­schie­ßen­den Bau­kos­ten bestehen. Der Bau­herr erlei­det jedoch inso­weit kei­nen Scha­den, als der zu sei­nen Las­ten gehen­de Mehr­auf­wand zu einer Wert­stei­ge­rung des Objekts geführt hat 1. Um die­sen Scha­den fest­zu­stel­len, ist die Ver­mö­gens­la­ge des Bau­herrn mit und ohne die Pflicht­ver­let­zung des Archi­tek­ten zu ver­glei­chen 2. Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die Scha­dens­be­rech­nung ist, wie auch sonst bei der Ermitt­lung eines Scha­dens, der Schluss der letz­ten münd­li­chen Tat­sa­chen­ver­hand­lung 3.

Füh­ren die­se Maß­stä­be zur Scha­dens­be­rech­nung unter Berück­sich­ti­gung etwai­ger Vor­tei­le im Ein­zel­fall zu einem Ergeb­nis, das dem Zweck des Ersatz­an­spruchs zuwi­der­läuft, das heißt, dem Geschä­dig­ten nicht mehr zuzu­mu­ten ist und den Schä­di­ger unan­ge­mes­sen ent­las­tet, ist ein Vor­teils­aus­gleich, des­sen Grund­sät­ze aus Treu und Glau­ben ent­wi­ckelt wur­den, zu begren­zen 4.

Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te zunächst den Scha­den­er­satz hin­sicht­lich der zusätz­li­chen Finan­zie­rungs­kos­ten.

Im Übri­gen kön­nen die Bau­her­ren ihren Scha­den auf der Grund­la­ge der Pflicht­ver­let­zung des Archi­tek­ten gel­tend machen, wäh­rend der Bau­aus­füh­rungs­pha­se nicht recht­zei­tig auf die dro­hen­de Über­schrei­tung der Bau­kos­ten­ober­gren­ze hin­ge­wie­sen zu haben. Die Berech­nung die­ses Scha­dens setzt aller­dings einen Ver­gleich zwei­er Ver­mö­gens­la­gen auf der Grund­la­ge die­ser Pflicht­ver­let­zung vor­aus, und zwar einer­seits die Ver­mö­gens­la­ge ein­schließ­lich des Grund­stücks­werts ohne Pflicht­ver­let­zung und ande­rer­seits die Ver­mö­gens­la­ge ein­schließ­lich des Grund­stücks­werts mit Pflicht­ver­let­zung. Um einen ent­spre­chen­den Ver­gleich vor­neh­men zu kön­nen, bedürf­te es der Fest­stel­lung, wel­che Gewer­ke die Klä­ger kos­ten­güns­ti­ger gestal­tet oder nicht durch­ge­führt hät­ten, um auf die­sem Hin­ter­grund durch einen Sach­ver­stän­di­gen den Grund­stücks­wert zu ermit­teln.

Wäh­rend der Archi­tekt inso­weit dazu vor­zu­tra­gen hat, inwie­weit aus tech­ni­scher Sicht kos­ten­ein­spa­ren­de Gestal­tun­gen mög­lich oder nicht mög­lich gewe­sen wären, ist es Sache der Bau­her­ren dar­zu­le­gen, wel­che Gewer­ke sie kos­ten­güns­ti­ger gestal­tet oder gar nicht durch­ge­führt hät­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Mai 2015 – VII ZR 190/​14

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 11.11.2004 – VII ZR 128/​03, BauR 2005, 400, 404 = NZBau 2005, 158 41; vom 07.11.1996 – VII ZR 23/​95, BauR 1997, 335, 336 13; vom 16.12 1993 – VII ZR 115/​92, BauR 1994, 268, 270 17; vom 16.06.1977 – VII ZR 2/​76, BauR 1979, 74 77; vom 13.07.1970 – VII ZR 189/​68, NJW 1970, 2018 23[]
  2. BGH, Beschluss vom 07.02.2013 – VII ZR 3/​12, BauR 2013, 982 Rn. 16[]
  3. BGH, Urteil vom 07.11.1996 – VII ZR 23/​95, BauR 1997, 335 f. 8 ff.[]
  4. BGH, Urteil vom 07.11.1996 – VII ZR 23/​95, BauR 1997, 335, 336 12[]