Die miss­glück­te Blon­die­rung – und das Schmer­zens­geld

Kommt es bei einer unsach­ge­mä­ßen Fri­seur­be­hand­lung zu Ver­let­zun­gen, kann ein Anspruch auf Schmer­zens­geld bestehen. Tritt für den Scha­den eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung ein, erhöht die­ser Umstand nicht das Schmer­zens­geld.

Die miss­glück­te Blon­die­rung – und das Schmer­zens­geld

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kun­din ein Schmer­zens­geld in Höhe von 5.000,00 € zuge­spro­chen, deren Blon­die­rung miss­lun­gen ist. Damit ist die vor­her­ge­hen­de Ent­schei­dung des Land­ge­richts Köln [1] bezüg­lich der Höhe des Schmer­zens­gel­des abge­än­dert und um 1.000 € ange­ho­ben wor­den. Im Dezem­ber 2016 woll­te sich die Klä­ge­rin im Fri­seur­sa­lon des Beklag­ten blon­de Haar­sträh­nen fär­ben las­sen. Zu die­sem Zweck wur­de sei­tens einer Mit­ar­bei­te­rin des Beklag­ten eine ent­spre­chen­de Blon­dier­creme auf das Haar der Klä­ge­rin auf­ge­tra­gen. Die­se ver­ur­sach­te aller­dings ein ande­res als das gewünsch­te Ergeb­nis: In einem hand­tel­ler­gro­ßen Bereich am Hin­ter­kopf fan­den sich nach der Blon­die­rungs­maß­nah­me Ver­bren­nun­gen bzw. Ver­ät­zun­gen 1. bis 2. Gra­des. Es folg­te eine mona­te­lan­ge Schmerz- und Infek­ti­ons­be­hand­lung mit ver­schie­de­nen Medi­ka­men­ten. Auf einer recht­ecki­gen Flä­che von ca. 3 cm x 5 cm im Bereich des Hin­ter­kop­fes der Klä­ge­rin wächst kein Haar mehr. Auch mit einem grund­sätz­lich mög­li­chen, jedoch recht auf­wän­di­gen der­ma­to­lo­gisch-ope­ra­ti­ven Ein­griff ist eine voll­stän­di­ge Besei­ti­gung der haar­lo­sen Stel­le am Hin­ter­kopf der Klä­ge­rin nicht sicher.

Von dem Beklag­ten ist der Klä­ge­rin zunächst ledig­lich ein Fri­seur­gut­schein zur Ent­schä­di­gung ange­bo­ten wor­den. Vor dem Land­ge­richt Köln mach­te die Klä­ge­rin dar­auf­hin u.a. ein Schmer­zens­geld in Höhe von 10.000 € gel­tend sowie die Fest­stel­lung, dass der Beklag­te zum Ersatz etwai­ger wei­te­rer Schä­den ver­pflich­tet sei. Das Land­ge­richt hat­te der Klä­ge­rin mit Urteil vom 11.10.2019 das Schmer­zens­geld auf 4.000 Euro fest­ge­setzt und den Beklag­ten ver­pflich­tet, im Fal­le wei­te­rer durch die Ver­let­zung ein­tre­ten­der Schä­den die­se zu erset­zen.

Nun hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln das Schmer­zens­geld auf 5.000 € ange­ho­ben mit der Begrün­dung, dass ein Schmer­zens­geld in die­ser Höhe auch im Ver­hält­nis zu ande­ren ver­gleich­bar gela­ger­ten Sach­ver­hal­ten ange­mes­sen sei, wenn man die erheb­li­chen Fol­gen der Blon­die­rung mit zahl­rei­chen Arzt­be­su­chen und erheb­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen, ins­be­son­de­re Schmer­zen, einer bak­te­ri­el­len Infek­ti­on und einer mehr­wö­chi­gen regel­mä­ßi­gen Ein­nah­me von Schmerz­mit­teln, Anti­bio­ti­ka und Kor­ti­ko­iden und den Dau­er­scha­den am Hin­ter­kopf der Klä­ge­rin berück­sich­ti­ge.

Aller­dings erteil­te das Ober­lan­des­ge­richt der Argu­men­ta­ti­on der Klä­ge­rin eine Absa­ge, das ihr zuste­hen­de Schmer­zens­geld sei auf­grund des Umstan­des zu erhö­hen, dass auf Sei­ten des Beklag­ten eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung bestehe.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 19. Juni 2020 – 20 U 287/​19

  1. LG Köln, Urteil vom 11.10.2019 – 7 O 216/​17[]