Die neu­zeit­li­che Fäl­schung einer musea­len Figur

Einer auf einer Kunst­auk­ti­on zu einem erheb­li­chen Aus­ruf­preis als muse­al ange­bo­te­ne Skulp­tur, die ent­ge­gen einer im Auk­ti­ons­ka­ta­log erfolg­ten Zuschrei­bung zu einer in frü­he­rer Zeit lie­gen­der Stil­epo­che eine neu­zeit­li­che Fäl­schung ist, fehlt die bei der­ar­ti­gen Kunst­ge­gen­stän­den zu erwar­ten­de Eig­nung als Samm­ler­stück und Wert­an­la­ge; sie ist des­halb man­gel­haft 1.

Die neu­zeit­li­che Fäl­schung einer musea­len Figur

Die Rege­lung in den Ver­stei­ge­rungs­be­din­gun­gen eines Auk­ti­ons­hau­ses, wonach der Käu­fer gegen das Auk­ti­ons­haus kei­ne Ein­wen­dun­gen oder Ansprü­che wegen Sach­män­geln erhe­ben kann, ver­stößt gegen § 309 Nr. 7 Buchst. a BGB und ist des­halb ins­ge­samt unwirk­sam 2.

Dem Erstei­ge­rer steht für den Fall, dass es sich bei der Skulp­tur um eine neu­zeit­li­che Fäl­schung han­delt, gemäß § 434 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2, § 437 Nr. 2, § 326 Abs. 5, § 323 BGB ein Recht zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag zu. Hier­bei kann dahin ste­hen, ob der einem Rück­tritts­recht ent­ge­gen­ste­hen­de Gewähr­leis­tungs­aus­schluss in den Ver­stei­ge­rungs­be­din­gun­gen – wie das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen meint 3 – bereits nicht Ver­trags­be­stand­teil gewor­den ist oder sonst gemäß § 307 Abs. 1 BGB als unwirk­sam anzu­se­hen wäre; er ist jeden­falls gemäß § 309 Nr. 7 Buchst a BGB unwirk­sam.

Eine auf einer Kunst­auk­ti­on ange­bo­te­ne Skulp­tur, die im Auk­ti­ons­ka­ta­log als "Chi­na, Sui-Dynas­tie, 581618 … Muse­al" mit einem als unte­res Limit zu ver­ste­hen­den Aus­ruf­preis von 3.800 € im Sin­ne von § 434 Abs. 1 Satz 3 BGB beschrie­ben wor­den ist, weist nicht die Beschaf­fen­heit auf, die bei Sachen der glei­chen Art üblich ist und die der Käu­fer nach Art der Sache erwar­ten kann, wenn es sich nicht um ein aus der ange­ge­be­nen Stil­epo­che stam­men­des Ori­gi­nal, son­dern um eine neu­zeit­li­che Fäl­schung han­delt. Für die danach zu for­dern­de Beschaf­fen­heit kommt es nicht ent­schei­dend dar­auf an, ob sich auch eine Nach­ah­mung als Raum­schmuck auf­stel­len lässt und den Betrach­ter über die Gestal­tung von Bud­dha­Sta­tu­en im Zeit­punkt der Schaf­fung des als Vor­bild die­nen­den Objekts infor­miert. Ent­schei­dend ist – was vor­lie­gend durch den Hin­weis auf die Eig­nung der Skulp­tur für musea­le Zwe­cke und die Höhe des Aus­ruf­prei­ses noch ver­stärkt wird – die Echt­heit der Skulp­tur im Sin­ne ihrer Her­kunft aus der ange­ge­be­nen Stil­epo­che und damit ihre nach den Umstän­den auf der Hand lie­gen­de Eig­nung als Samm­ler­stück und Wert­an­la­ge 4.

Dem steht auch nicht die in den Ver­stei­ge­rungs­be­din­gun­gen ent­hal­te­ne Klau­sel ent­ge­gen, wonach die Kata­log­an­ga­ben nicht Teil der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Beschaf­fen­heit der Gegen­stän­de sind. Es kann dahin­ste­hen, ob eine sol­che Klau­sel am Maß­stab des § 305c Abs. 1 BGB über­haupt Ver­trags­in­halt gewor­den ist und ob sie in die­sem Fall einer Inhalts­kon­trol­le nach §§ 307 ff. BGB stand­hiel­te 5. Jeden­falls ergä­be auch schon eine Aus­le­gung die­ser Klau­sel, die der Bun­des­ge­richts­hof selbst vor­neh­men kann 6, dass sie ent­spre­chend ihrem Wort­laut nur der Annah­me einer (kon­klu­dent) ver­ein­bar­ten Beschaf­fen­heit im Sin­ne von § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB ent­ge­gen­wir­ken soll, nicht jedoch den Anfor­de­run­gen an eine nicht ver­ein­bar­te Beschaf­fen­heit im Sin­ne von § 434 Abs. 1 Satz 2, 3 BGB ent­ge­gen­steht. Das gilt umso mehr, als für eine Ein­schrän­kung der gesetz­li­chen Gewähr­leis­tungs­haf­tung im Zwei­fel der Grund­satz einer engen Aus­le­gung gilt 7, so dass die Klau­sel jeden­falls in ihrer gemäß § 305c Abs. 2 BGB maß­geb­li­chen kun­den­freund­lichs­ten Aus­le­gung so zu ver­ste­hen ist, dass sie die Vor­aus­set­zun­gen der Man­gel­frei­heit im Sin­ne von § 434 Abs. 1 Satz 2, 3 BGB unbe­rührt lässt.

Ein aus der – unter­stell­ten – Unecht­heit der Skulp­tur fol­gen­des Rück­tritts­recht des Käu­fers ist nicht durch die der Ver­stei­ge­rungs­be­din­gun­gen aus­ge­schlos­sen. Denn der dort gere­gel­te Gewähr­leis­tungs­aus­schluss ver­stößt gegen das Klau­sel­ver­bot in § 309 Nr. 7 Buchst. a BGB, wonach in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ein Aus­schluss oder eine Begren­zung der Haf­tung für Schä­den aus der Ver­let­zung des Lebens, des Kör­pers oder der Gesund­heit, die auf einer fahr­läs­si­gen Pflicht­ver­let­zung des Ver­wen­ders beru­hen, unwirk­sam sind.

Der in den Ver­stei­ge­rungs­be­din­gun­gen gere­gel­te Gewähr­leis­tungs­aus­schluss bezieht bereits nach sei­nem Wort­laut, wonach der Käu­fer gegen das Auk­ti­ons­haus kei­ne Ein­wen­dun­gen oder Ansprü­che wegen Sach­män­geln erhe­ben kann, jeg­li­che Ansprü­che des Käu­fers gegen den Ver­stei­ge­rer aus Män­geln der erstei­ger­ten Gegen­stän­de im Sin­ne des § 434 Abs. 1 BGB in sei­nen Gel­tungs­be­reich ein. Dadurch erstreckt sich der Gewähr­leis­tungs­aus­schluss auch auf etwai­ge Scha­dens­er­satz­an­sprü­che des Erstei­ge­rers gemäß § 437 Nr. 3 BGB wegen Kör­per- und Gesund­heits­schä­den infol­ge eines Man­gels. Zwar nimmt Zif­fer 7 Buchst. b der Ver­stei­ge­rungs­be­din­gun­gen von die­sem Anspruchs­aus­schluss eine Haf­tung auf Scha­dens­er­satz für Ver­mö­gens­schä­den aus, bei denen dem Auk­ti­ons­haus Vor­satz oder gro­be Fahr­läs­sig­keit zur Last fällt. Eine ver­gleich­ba­re Ein­schrän­kung für Kör­per- und Gesund­heits­schä­den ist jedoch nicht vor­ge­se­hen. Ent­ge­gen der von der Revi­si­on in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ge­richts­hof geäu­ßer­ten Auf­fas­sung ist auch nicht ersicht­lich, dass sol­che man­gel­be­ding­ten Schä­den durch die zur Ver­stei­ge­rung kom­men­den Gegen­stän­de schlecht­hin nicht ent­ste­hen könn­ten. Denn die Ver­stei­ge­rungs­be­din­gun­gen las­sen nicht erken­nen, dass bei den vom Beklag­ten ver­an­stal­te­ten Auk­tio­nen nur sol­che Gegen­stän­de zur Ver­stei­ge­rung kämen, bei denen eine man­gel­be­ding­te Gefähr­dung von Kör­per und Gesund­heit der damit in Berüh­rung kom­men­den Per­so­nen von vorn­her­ein gene­rell aus­ge­schlos­sen wäre.

Die­se feh­len­de Berück­sich­ti­gung der nach § 309 Nr. 7 Buchst. a BGB in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht abding­ba­ren Haf­tung des Ver­wen­ders für Kör­per- und Gesund­heits­schä­den steht der Wirk­sam­keit des in Zif­fer 7 Buchst. a Satz 1 der Ver­stei­ge­rungs­be­din­gun­gen gere­gel­ten Anspruchs­aus­schlus­ses in sei­ner Gesamt­heit ent­ge­gen. Die dar­in lie­gen­de unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Erstei­ge­rers kann ins­be­son­de­re nicht durch Abtren­nung eines unwirk­sa­men Klau­sel­teils beho­ben wer­den, so dass der in den Ver­stei­ge­rungs­be­din­gun­gen vor­ge­se­he­ne Gewähr­leis­tungs­aus­schluss ins­ge­samt unwirk­sam ist 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Okto­ber 2013 – VIII ZR 224/​12

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urtei­le vom 15.01.1975 – VIII ZR 80/​73, BGHZ 63, 369, 371; und vom 13.02.1980 – VIII ZR 26/​79, WM 1980, 529 unter II 2[]
  2. Bestä­ti­gung von BGH, Urtei­le vom 15.11.2006 – VIII ZR 3/​06, BGHZ 170, 31 Rn. 21; vom 24.02.2010 – VIII ZR 71/​09, WM 2010, 938 Rn. 18; und vom 29.05.2013 – VIII ZR 174/​12, NJW 2013, 2584 Rn. 15 f.[]
  3. OLG Mün­chen, GRUR 2012, 1285[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 15.01.1975 – VIII ZR 80/​73, BGHZ 63, 369, 371; vom 13.02.1980 – VIII ZR 26/​79, WM 1980, 529 unter II 2; OLG Frankfurt/​Main, NJW 1982, 651 f.; OLG Hamm, NJW 1987, 1028; Wer­ten­bruch, NJW 2004, 1977 f. mwN; Schack, Kunst und Recht, 2. Aufl., Rn. 383[]
  5. dazu näher Braun­schmidt, Die Ver­stei­ge­rungs­be­din­gun­gen bei öffent­li­chen Kunst­auk­tio­nen, 2012, S. 128 ff.; Graf von Westphalen/​Kappus, Ver­trags­recht und AGB-Klau­sel­wer­ke, Stand Dezem­ber 2012, Auk­ti­ons­be­din­gun­gen Rn. 28; jeweils mwN[]
  6. BGH, Urteil vom 08.06.2011 – VIII ZR 305/​10, WM 2011, 2146 Rn.20 mwN[]
  7. BGH, Urteil vom 05.11.2010 – V ZR 228/​09, NJW 2011, 1217 Rn. 17[]
  8. vgl. BGH, Urtei­le vom 15.11.2006 – VIII ZR 3/​06, BGHZ 170, 31 Rn. 21; vom 24.02.2010 – VIII ZR 71/​09, WM 2010, 938 Rn. 18; vom 29.05.2013 – VIII ZR 174/​12, NJW 2013, 2584 Rn. 15 f.; Braun­schmidt, aaO S. 188[]