Die nicht erreich­te Beru­fungs­sum­me

Beschlüs­se, die der Rechts­be­schwer­de unter­lie­gen, müs­sen den maß­geb­li­chen Sach­ver­halt, über den ent­schie­den wird, wie­der­ge­ben und den Streit­ge­gen­stand und die Anträ­ge in bei­den Instan­zen erken­nen las­sen; andern­falls sind sie nicht mit den nach dem Gesetz erfor­der­li­chen Grün­den ver­se­hen [1]. Dies gilt auch für einen Beschluss, durch den die Beru­fung ver­wor­fen wird, weil die Beru­fungs­sum­me (§ 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO) nicht erreicht wird.

Die nicht erreich­te Beru­fungs­sum­me

Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt hat grund­sätz­lich von dem Sach­ver­halt aus­zu­ge­hen, den das Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stellt hat (§ 577 Abs. 2 Satz 1, 4, § 559 ZPO). Ent­hält der ange­foch­te­ne Beschluss kei­ne tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen, ist es zu einer recht­li­chen Über­prü­fung nicht in der Lage. Dies gilt gera­de auch dann, wenn das Beru­fungs­ge­richt die Beru­fung ver­wirft, weil die Beru­fungs­sum­me (§ 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO) nicht erreicht ist. Denn die Wert­fest­set­zung kann vom Rechts­be­schwer­de­ge­richt nur dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob das Beru­fungs­ge­richt die Gren­zen des ihm von § 3 ZPO ein­ge­räum­ten Ermes­sens über­schrit­ten oder rechts­feh­ler­haft von ihm Gebrauch gemacht hat, was ins­be­son­de­re dann der Fall sein kann, wenn das Beru­fungs­ge­richt glaub­haft gemach­te, bewer­tungs­re­le­van­te Tat­sa­chen außer Acht gelas­sen oder nicht umfas­send berück­sich­tigt hat [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juni 2010 – II ZB 20/​09

  1. st. Rspr., vgl. BGH, Beschluss vom 28.04.2008 – II ZB 27/​07, NJW-RR 2008, 1455, m.w.Nachw.[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 28.04.2008, aaO, m.w.N.; und vom 31.03.2010 – XII ZB 130/​09[]