Die nicht ver­an­lass­ten wei­ter­ge­hen­den Unter­su­chun­gen eines Arz­tes

Einem Arzt ist auf sei­nem gynä­ko­lo­gi­schen Fach­ge­biet kein Behand­lungs- oder Befund­er­he­bungs­feh­ler vor­zu­wer­fen, wenn er eine Pati­en­tin mit Unter­leibs­schmer­zen nach einer gynä­ko­lo­di­schen Unter­su­chung an einen Uro­lo­gen über­weist und, nach­dem die Pati­en­tin nicht erneut bei ihm vor­stel­lig gewor­den ist, abwar­tet und annimmt, dass sich ihre Beschwer­den gebes­sert haben.

Die nicht ver­an­lass­ten wei­ter­ge­hen­den Unter­su­chun­gen eines Arz­tes

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in den hier vor­lie­gen­den Fall die Scha­dens­er­satz­kla­ge von Kin­dern einer an einem Darm­kar­zi­nom gestor­be­nen Pati­en­tin abge­wie­sen und damit die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Land­ge­richts Bie­le­feld bestä­tigt. Die sei­ner­zeit 50 Jah­re alte Pati­en­tin aus Lüb­be­cke ließ sich auf­grund von Unter­leibs­schmer­zen im Okto­ber 2007 vom beklag­ten Gynä­ko­lo­gen aus Lüb­be­cke behan­deln. Nach der Abklä­rung gynä­ko­lo­gi­scher Fra­ge­stel­lun­gen, die kei­nen patho­lo­gi­schen Befund erga­ben, über­wies der Beklag­te die Pati­en­tin an einen Uro­lo­gen, der in einem an den Beklag­ten und den Haus­arzt der Pati­en­tin gerich­te­ten Arzt­brief zu einer wei­te­ren Darm unter­su­chung riet. Beim Beklag­ten stell­te sich die Pati­en­tin nicht wei­ter vor. Im April 2008 ließ die Pati­en­tin auf­grund zuneh­men­der Schmer­zen eine Darm­spie­ge­lung durch­füh­ren, in deren Fol­ge ein Darm­kar­zi­nom fest­ge­stellt wur­de. An die­ser Erkran­kung ver­starb die Patie
ntin im Jah­re 2010.

Die die Pati­en­tin beer­ben­den Kin­der haben vom Beklag­ten Scha­dens­er­satz, u.a. ein Schmer­zens­geld in Höhe von 30.000 € mit der Begrün­dung ver­langt, der Beklag­te habe behand­lungs­feh­ler­haft wei­ter­ge­hen­de Unter­su­chun­gen ihrer Mut­ter durch CT/​MRT bzw. eine Darm­spie­ge­lung unter­las­sen. Bei fach­ge­rech­tem Vor­ge­hen­wä­re das Kar­zi­nom frü­her fest­ge­stellt wor­den und eine Hei­lung der Mut­ter mög­lich gewe­sen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm habe der Beklag­te die Mut­ter der Klä­ger nicht feh­ler­haft behan­delt. Auf sei­nem gynä­ko­lo­gi­schen Fach­ge­biet sei ihm kein Behand­lungs- oder Befund­er­he­bungs­feh­ler vor­zu­wer­fen. Dass es der Beklag­te feh­ler­haft unter­las­sen habe, eine wei­te­re medi­zi­ni­sche Abklä­rung zu ver­an­las­sen, las­se sich nicht fest­stel­len. Das gel­te selbst dann, wenn der Beklag­te nicht auf­grund einer haus­ärzt­li­chen Über­wei­sung tätig gewor­den sei, son­dern die Pri­mär­be­hand­lung der Pati­en­tin über­nom­men habe. Der Beklag­te habe die Pati­en­tin nach den gynä­ko­lo­gi­schen Unter­su­chun­gen an den Uro­lo­gen über­wei­sen dür­fen, die­ses Fach­ge­biet habe abge­klärt wer­den müs­sen. Dar­über hin­aus sei nicht fest­zu­stel­len, dass es der Beklag­te ver­säumt habe, die Pati­en­tin zur Kon­trol­le nach der uro­lo­gi­schen Unter­su­chung ein­zu­be­stel­len. Nach der Behand­lung habe der Beklag­te abwar­ten und, nach­dem die Pati­en­tin bei ihm nicht erneut vor­stel­lig gewor­den sei, anneh­men dür­fen, dass sich ihre Beschwer­den gebes­sert hät­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 21. Mai 2013 – 26 U 140/​12