Die nicht voll­stän­di­ge Beru­fungs­be­grün­dung

Nach § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Bezeich­nung der Umstän­de, aus denen sich die Rechts­ver­let­zung und deren Erheb­lich­keit für die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung ergibt, ent­hal­ten.

Die nicht voll­stän­di­ge Beru­fungs­be­grün­dung

Die Zuläs­sig­keit der Beru­fung ist vom Revi­si­ons­ge­richt von Amts wegen zu über­prü­fen, denn ein gül­ti­ges und rechts­wirk­sa­mes Ver­fah­ren vor dem Revi­si­ons­ge­richt ist nur mög­lich, solan­ge der Rechts­streit noch nicht rechts­kräf­tig been­det ist. Dies setzt neben der Zuläs­sig­keit der Revi­si­on vor­aus, dass das erst­in­stanz­li­che Urteil durch eine zuläs­si­ge Beru­fung ange­grif­fen wor­den und die Rechts­kraft die­ses Urteils damit zunächst in der Schwe­be gehal­ten ist [1].

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies:

Das Amts­ge­richt hat die von dem Mie­ter gegen­über der Kla­ge­for­de­rung unter ande­rem für meh­re­re Mona­te gel­tend gemach­te Min­de­rung der Mie­te um monat­lich 26,51 € wegen Män­geln der Haus­tür nur hin­sicht­lich der Mona­te Febru­ar und März 2014 als berech­tigt ange­se­hen und hat der Ver­mie­te­rin die Kla­ge­for­de­rung ansons­ten zuge­spro­chen. Die Ver­nei­nung einer wei­te­ren auf die Haus­tür bezo­ge­nen Min­de­rung hat der Mie­ter zwar mit sei­nem auf eine voll­stän­di­ge Abwei­sung der Kla­ge gerich­te­ten Beru­fungs­an­trag ange­grif­fen (§ 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ZPO). Er hat hier­zu jedoch in der Beru­fungs­be­grün­dung kei­ner­lei inhalt­li­che Aus­füh­run­gen gemacht, ins­be­son­de­re nicht ange­ge­ben, aus wel­chen recht­li­chen Grün­den er das ange­foch­te­ne Urteil des Amts­ge­richts dies­be­züg­lich für unrich­tig hält (§ 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO).

Des­halb war die Beru­fung inso­weit als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen, was das Beru­fungs­ge­richt [2] ver­kannt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. April 2020 – VIII ZR 31/​18

  1. BGH, Urteil vom 12.10.2016 – VIII ZR 103/​15, BGHZ 212, 224 Rn. 16 mwN[]
  2. LG Ber­lin, Urteil vom 17.01.2018 – 64 S 87/​17[]