Die nur frist­wah­rend ein­ge­leg­te Beru­fung – und der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des Beklag­ten

Solan­ge noch unsi­cher ist, ob die Beru­fung durch­ge­führt wer­den wird, ist die Beauf­tra­gung eines Rechts­an­walts für die Beru­fungs­in­stanz zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung objek­tiv nicht erfor­der­lich 1. Die Kos­ten eines gleich­wohl beauf­trag­ten Rechts­an­walts wer­den von der Recht­spre­chung allei­ne des­halb als erstat­tungs­fä­hig aner­kannt, weil der Rechts­mit­tel­geg­ner anwalt­li­chen Rat in einer von ihm als risi­ko­haft emp­fun­de­nen Situa­ti­on für erfor­der­lich hal­ten darf 2.

Die nur frist­wah­rend ein­ge­leg­te Beru­fung – und der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des Beklag­ten

Hier­nach durf­te die hier beklag­te Rechts­an­walts­ge­sell­schaft die Ein­schal­tung eines Rechts­an­wal­tes als not­wen­dig erach­ten, obwohl im Zeit­punkt der Bestel­lung noch unsi­cher war, ob die Beru­fung durch­ge­führt wer­den wür­de. Für die Fra­ge, ob eine Par­tei die Hin­zu­zie­hung eines Rechts­an­wal­tes als erfor­der­lich anse­hen darf, kommt es nicht dar­auf an, ob sie rechts­kun­dig ist oder über eine eige­ne Rechts­ab­tei­lung ver­fügt 3. Maß­geb­lich ist die Sicht einer ver­stän­di­gen Pro­zess­par­tei 4. Soweit der Bun­des­ge­richts­hof erkannt hat, dass der sich selbst ver­tre­ten­de Anwalt die Situa­ti­on nicht in glei­cher Wei­se als risi­ko­be­haf­tet emp­fin­det und des­halb kei­nes Rates bedarf 5, folgt hier­aus kei­ne Abkehr von vor­ge­nann­ten all­ge­mei­nen Grund­sät­zen. Der Ent­schei­dung lag ein Sach­ver­halt zugrun­de, in dem sich der sich selbst ver­tre­ten­de Rechts­an­walt im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren noch nicht bestellt hat­te. In einem sol­chen Fall besteht kein Anlass dafür, vor Ein­gang einer Rechts­mit­tel­be­grün­dung Infor­ma­ti­on und Bera­tung als anwalt­li­che Tätig­keit zu fin­gie­ren 5. Dem­ge­gen­über hat­ten sich die Bevoll­mäch­tig­ten der Beklag­ten im Beru­fungs­ver­fah­ren bereits vor dem gericht­li­chen Hin­weis auf die Unzu­läs­sig­keit der Beru­fung 6 bestellt und hier­durch eine anwalt­li­che Tätig­keit ent­fal­tet 7. Dass die früh­zei­ti­ge Anwalts­be­stel­lung in erkenn­ba­rer Schä­di­gungs­ab­sicht erfolgt ist 3, ist weder dar­ge­tan noch ersicht­lich.

Der Beru­fungs­be­klag­te kann daher vom Beru­fungs­klä­ger die Erstat­tung einer 1,1Gebühr nach VV RVG Nr. 3200, Nr. 3201 nebst einer Aus­la­gen­pau­scha­le gemäß Nr. 7002 VV RVG ver­lan­gen 8.

  1. BGH, Beschluss vom 06.12.2007 – IX ZB 223/​06, NJW 2008, 1087 Rn. 10[]
  2. BGH, Beschluss vom 17.12.2002 – X ZB 9/​02, NJW 2003, 756, 757; vom 03.07.2007 – VI ZB 21/​06, AGS 2007, 537, 538; vom 06.12.2007, aaO[]
  3. vgl. Münch­Komm-ZPO/­Schulz, 4. Aufl., § 91 Rn. 57[][]
  4. BAG, NJW 2008, 1340 Rn. 12[]
  5. BGH, Beschluss vom 06.12.2007, aaO[][]
  6. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 26.01.2006 – III ZB 63/​05, NJW 2006, 2260 Rn.20[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 03.07.2007 – VI ZB 21/​06, AGS 2007, 537, 538 mwN[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 03.07.2007 – VI ZB 21/​06, AGS 2007, 537, 538 mwN; Mayer/​Kroiß/​Maué, RVG, 5. Aufl., RVG Nrn. 32003205 VV Rn. 6 f[]