Die post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung des Feu­er­wehr­manns

Das Land­ge­richt Duis­burg hat die Schmer­zens­geld­kla­ge eines Feu­er­wehr­manns abge­wie­sen, der wegen sei­nes Ein­sat­zes bei dem Lovepa­ra­de-Unglück im Jahr 2010 eine post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung erlit­ten haben will.

Die post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung des Feu­er­wehr­manns

Der Feher­wehr­mann ver­lang­te vom Ver­an­stal­ter der Lovepa­ra­de und vom Land Nord­rhein-West­fa­len die Zah­lung eines Schmwer­zens­gel­des von zuletzt 90.000,- €. Das Land­ge­richt ging der Fra­ge, wie es zu den dra­ma­ti­schen Ereig­nis­sen am 24. Juli 2010 kom­men konn­te, gar nicht erst nach, da dem Klä­ger so oder so kein Anspruch auf Schmer­zens­geld für nur mit­tel­bar ver­ur­sach­ten psy­chi­schen Schä­den zuge­stan­den hät­te.

Schmer­zens­geld­an­sprü­che hat nur der unmit­tel­bar Ver­letz­te, nicht aber auch der­je­ni­ge, der die Ver­let­zung oder den Tod Ande­rer ledig­lich mit­er­le­be. Die von der Recht­spre­chung hier­von aner­kann­ten Aus­nah­men ver­nein­te das Land­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall. Ins­be­son­de­re habe der Feu­er­wehr­mann nicht die Ver­let­zung oder den Tod naher Ange­hö­ri­ger erle­ben müs­sen.

Das Land­ge­richt Duis­burg hat des­halb offen gelas­sen, ob der Feu­er­wehr­mann – wie von ihm behaup­tet – über­haupt an einer post­trau­ma­ti­schen Belas­tungs­stö­rung infol­ge sei­ner Erleb­nis­se bei der Lovepa­ra­de erkrankt ist. Eine sol­che Belas­tungs­stö­rung wür­de nicht unmit­tel­bar auf einer Hand­lung oder einem Unter­las­sen der Beklag­ten, des Ver­an­stal­ters und des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, son­dern auf einer psy­chisch ver­mit­tel­ten Schä­di­gung im Rah­men eines Ret­tungs­ein­sat­zes beru­hen.

Die Ersatz­pflicht eines Schä­di­gers geht aber nicht so weit, dass eine nur durch den Anblick des Lei­des Ande­rer aus­ge­lös­te psy­chi­sche Erkran­kung des Ret­ters zu ent­schä­di­gen sei. Poli­zis­ten oder Feu­er­wehr­leu­te sei­en, so das Land­ge­richt wei­ter, auf­grund ihrer Berufs­wahl ver­mehrt see­lisch belas­ten­den Situa­tio­nen aus­ge­setzt. Ent- ste­he hier­aus eine psy­chi­sche Erkran­kung, sei dies dem Berufs­ri­sko zuzu­ord­nen. Hier­für müs­se gege­be­nen­falls der Dienst­herr nach ver­sor- gungs­recht­li­chen Grund­sät­zen ein­ste­hen, nicht aber der Ver­ur­sa­cher einer sol­chen belas­ten­den Situa­ti­on.

Wegen des Lovepa­ra­de-Unglücks sind noch vier wei­te­re Scha­dens­er­satz­kla­gen beim Land­ge­richt Duis­burg anhän­gig. Über die­se wird aller­dings erst am 12. Novem­ber ver­han­delt.

Land­ge­richt Duis­burg, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2015 – 8 O 361/​14