Die Preis­er­hö­hung des Mobil­funk­an­bie­ters – und das Wider­spruchs­recht

Erhöht der Mobil­funk­an­bie­ter sei­ne Prei­se, besteht für den Kun­den unab­hän­gig von der Höhe der Preis­er­hö­hung immer ein Wider­spruchs­recht.

Die Preis­er­hö­hung des Mobil­funk­an­bie­ters – und das Wider­spruchs­recht

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge des Dach­ver­ban­des der Ver­brau­cher­zen­tra­len teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Dage­gen hat es die Form der Andro­hung der Sper­re (in Text­form) als recht­mä­ßig ange­se­hen und inso­weit das Urteil des Land­ge­richts Frank­furt am Main [1] abge­än­dert. Der Dach­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len strei­tet sich mit einer Mobil­funk­an­bie­te­rin um die Wirk­sam­keit von zwei Klau­seln in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Beklag­ten. Ziff. 7 der AGBs berech­tigt die Beklag­te, „unbe­scha­det ande­rer gesetz­li­cher Vor­schrif­ten“ den Anschluss zu sper­ren, wenn der Kun­de mit einem Betrag von min­des­tens 75 € in Ver­zug ist und sie die Sper­rung zwei Wochen vor­her in Text­form ein­schließ­lich eines Hin­wei­ses auf Recht­schutz­mög­lich­kei­ten ange­droht hat. Nach Ziff. IX.6. kann der Kun­de einer Preis­er­hö­hung der Beklag­ten wider­spre­chen, wenn die Erhö­hung mehr als 5 % des bis zum Zeit­punkt der Erhö­hung gel­ten­den Prei­ses beträgt. Der Klä­ger hält bei­de Klau­seln für unwirk­sam.

Der Kla­ge wur­de vom Land­ge­richt Frank­furt a.M. teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Die Beklag­te wur­de zur Unter­las­sung ver­ur­teilt, soweit es die Form der Andro­hung der Sper­re (in Text­form) und den Wider­spruch des Kun­den bei Preis­er­hö­hun­gen betraf. Hier­ge­gen hat die Beklag­te Beru­fung ein­ge­legt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M. aus­ge­führt, die Klau­sel, wonach eine Sper­re in Text­form ange­droht wer­den kann, habe das Land­ge­richt Frank­furt a.M. zu Unrecht bean­stan­det. Die ein­fa­che Text­form sei hier nicht zu bean­stan­den. Mit dem Erfor­der­nis der Text­form gebe die Beklag­te viel­mehr die Rechts­la­ge wie­der, „wie sie bei rich­ti­ger Aus­le­gung des in § 45k TKG bestimm­ten Gebots, dass die Sper­re „schrift­lich“ ange­droht wer­den muss, ohne­hin besteht“, begrün­det das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M. sei­ne Ent­schei­dung. „Schrift­lich“ bedeu­te nicht „Schrift­form“ im Sin­ne von § 126 BGB. Dies erge­be sich schon aus der Geset­zes­ge­schich­te. Die Not­wen­dig­keit der Andro­hung die­ne zudem allein der Infor­ma­ti­on des Kun­den. Die­ser Zweck wer­de „durch eine papier­ge­bun­de­ne Mit­tei­lung eben­so sicher erfüllt wie durch eine auf einem elek­tro­ni­schen Daten­trä­ger dau­er­haft ver­füg­ba­re und les­ba­re Erklä­rung, ins­be­son­de­re also durch eine E‑Mail,“ stellt das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M. fest.

Aller­dings sei die Beklag­te jedoch zu Recht ver­ur­teilt wor­den, es zu unter­las­sen, den Kun­den im Fal­le einer Preis­er­hö­hung ein Wider­spruchs­recht erst ab einer Preis­er­hö­hung über 5 % zu gewäh­ren. Den Kun­den müs­se viel­mehr bei jeder ein­sei­ti­gen Ände­rung der Ver­trags­be­din­gun­gen – hier in Form einer Preis­er­hö­hung – ein Wider­spruchs­recht zuge­stan­den wer­den. Dies fol­ge aus der sog. Uni­ver­sal­diens­te Richt­li­nie der EU [2]. Auf die Fra­ge, ob es sich um eine „wesent­li­che“ Preis­er­hö­hung han­de­le, kom­me es damit nicht an. Im Übri­gen sei eine Preis­er­hö­hung von 5 % nicht wenig und kön­ne für man­chen Kun­den erheb­lich sein.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 9. April 2020 – 1 U 46/​19

  1. LG Frank­furt a.M., Urteil vom 14.02.2019 – 2/​24 O 99/​18[]
  2. Art. 20 Abs. 2 RL 2002/​2 20/​EG in der Fas­sung RL 2009/​135/​EG[]