Die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis des Insol­venz­schuld­ners

Die Par­tei- und Pro­zess­fä­hig­keit des Schuld­ners (§§ 50, 51 ZPO) wird durch die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens nicht berührt1. Da dem Schuld­ner durch die Insol­venz­eröff­nung die Ver­wal­tungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis über das zur Insol­venz­mas­se gehö­ren­de Ver­mö­gen (§ 80 Abs. 1 InsO). ent­zo­gen wird, geht die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis für mas­se­zu­ge­hö­ri­ges Ver­mö­gen von dem Schuld­ner auf den Ver­wal­ter über2.

Die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis des Insol­venz­schuld­ners

Der Schuld­ner ver­liert durch die Ver­fah­rens­er­öff­nung die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis gegen­ständ­lich beschränkt auf das insol­venz­be­fan­ge­ne Ver­mö­gen. Sei­ne Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis wird dage­gen nicht beschnit­ten, falls ein Rechts­streit von vorn­her­ein oder nach einer Frei­ga­be durch den Ver­wal­ter insol­venz­frei­es Ver­mö­gen betrifft3.

Bezieht sich der Gegen­stand des Rechts­streits auf frei­es Ver­mö­gen des Schuld­ners, kann die­ser ihn in Aus­übung sei­ner inso­weit nicht beein­träch­tig­ten Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis betrei­ben4. Dar­um ist der Schuld­ner etwa befugt, nach Frei­ga­be eines Ver­mö­gens­ge­gen­stan­des durch den Ver­wal­ter die sich aus § 89 InsO erge­ben­den Rech­te wäh­rend des lau­fen­den Insol­venz­ver­fah­rens gel­tend zu machen5. Fol­ge­rich­tig fällt ein nach Erklä­rung der Frei­ga­be im Pro­zess­weg erstrit­te­ner Ver­mö­gens­wert nicht in die Mas­se6.

Die Frei­ga­be führ­te hier dazu, dass der Schuld­ner die Ver­fü­gungs­be­fug­nis über die aus sei­ner selb­stän­di­gen Tätig­keit ent­ste­hen­den For­de­run­gen wie­der­erlang­te7. Bei die­ser Sach­la­ge begeg­net sei­ne Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis kei­nen Beden­ken.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. April 2013 – IX ZR 165/​12

  1. BGH, Beschluss vom 11.12.2008 – IX ZB 232/​08, WM 2009, 332 Rn. 7 []
  2. BGH, Beschluss vom 29.05.2008 – V ZB 3/​08, WM 2008, 1789 Rn. 8; vom 11.12.2008, aaO; HK-InsO/­Kay­ser, 6. Aufl., § 80 Rn. 23; Hmb­Komm-InsO/Ku­lei­sa, 4. Aufl., § 80 Rn. 40; Uhlen­bruck, InsO, 13. Aufl., § 80 Rn. 9; Pie­ken­brock in Ahrens/​Gehrlein/​Ringstmeier, InsO, § 80 Rn. 18 []
  3. HK-InsO/­Kay­ser, aaO § 80 Rn. 23; Hmb­Komm-InsO/Ku­lei­sa, aaO § 80 Rn. 40; Uhlen­bruck, aaO § 80 Rn. 9 []
  4. BGH, Urteil vom 21.10.1965 – Ia ZR 144/​63, NJW 1966, 51; BVerwG, ZIP 2009, 1899 Rn. 23 []
  5. BGH, Beschluss vom 12.02.2009 – IX ZB 112/​06, WM 2009, 807 []
  6. BGH, Urteil vom 21.04.2005 – IX ZR 281/​03, BGHZ 163, 32, 37 []
  7. vgl. BGH, Urteil vom 05.10.2010 – VI ZR 257/​08, NJW 2010, 3779 Rn. 10 []