Die Ram­pe für den Kin­der­wa­gen

Der Eigen­tü­mer einer Woh­nung hat kei­nen Anspruch dar­auf, dass die Eigen­tü­mer­ver­samm­lung den Bau einer Ram­pe geneh­migt, wenn die damit ver­bun­de­nen bau­li­chen Ver­än­de­run­gen zu Nach­tei­len füh­ren, die über das bei einem geord­ne­ten Zusam­men­le­ben unver­meid­ba­re Maß hin­aus­ge­hen.

Die Ram­pe für den Kin­der­wa­gen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Vaters abge­wie­sen, der zum leich­te­ren Trans­port eines Kin­der­wa­gens eine Ram­pe im Ein­gangs­be­reich des Hau­ses begehrt hat. Der Klä­ger ist Eigen­tü­mer einer Woh­nung in 81675 Mün­chen und Vater eines drei­jäh­ri­gen Kin­des. Sei­ne Frau erwar­tet ein wei­te­res Kind. Der Ein­gangs­be­reich des Hau­ses, in dem sich sei­ne Eigen­tums­woh­nung befin­det, ist so gestal­tet, dass man über sie­ben Trep­pen­stu­fen mit einer Brei­te von min­des­tens 2,46 Metern von dem Bür­ger­steig hin­un­ter zur Haus­ein­gangs­tü­re gelangt. Es gibt kei­nen wei­te­ren Zugang zum Haus, der ohne Trep­pen­stu­fen erreich­bar ist. Der Klä­ger bean­trag­te im Mai 2012 bei der Eigen­tü­mer­ver­samm­lung, dass der Ein­gangs­be­reich bar­rie­re­frei umge­baut wird und leg­te dafür eine Pla­nung vor. Er woll­te mit dem Umbau errei­chen, dass der Kin­der­wa­gen leich­ter hin­un­ter­ge­scho­ben wer­den kann. Sein Antrag wur­de abge­lehnt.

Der Klä­ger erhob nun Kla­ge gegen die übri­gen Eigen­tü­mer der Anla­ge. Er ist der Mei­nung, die Mit­ei­gen­tü­mer sei­en ver­pflich­tet, den Umbau zu dul­den, um eine erheb­li­che Gefähr­dung des Kin­des, ins­be­son­de­re beim Hin­ab­tra­gen des Kin­der­wa­gens über die Stu­fen, durch Stol­pern zu ver­mei­den. Wenn die Ram­pe gebaut wür­de, ver­blie­be für das nor­ma­le Bege­hen der Stu­fen eine Brei­te von 1,68 Meter. Die Umbau­kos­ten in Höhe von 3000 Euro wür­de der Klä­ger allei­ne bezah­len und er wür­de sich ver­pflich­ten, den ursprüng­li­chen Zustand wie­der her zu stel­len, wenn die Fami­lie aus­zieht. Die Mit­ei­gen­tü­mer woll­ten die Ram­pe nicht geneh­mi­gen. Der Wunsch des Klä­gers nach Bequem­lich­keit begrün­de kei­nen Anspruch auf einen bar­rie­re­frei­en Zugang.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen sei das Inter­es­se des Klä­gers, eine Gefähr­dung sei­nes im Kin­der­wa­gen lie­gen­den Kin­des beim Hin­ab­tra­gen durch Stol­pern zu ver­mei­den, abzu­wä­gen gegen die Nach­tei­le, die den Mit­ei­gen­tü­mern ent­ste­hen durch den Ein­bau der Ram­pe. Dabei sei zu berück­sich­ti­gen, dass der Klä­ger selbst nicht geh­be­hin­dert sei und es also nicht dar­um geht, dem Klä­ger selbst einen leich­ten und gefähr­dungs­frei­en Zugang zu sei­ner Woh­nung zu ermög­li­chen.

Wei­ter­hin hat das Amts­ge­richt aus­ge­führt, dass die Ram­pe zu einer Ver­än­de­rung des opti­schen Erschei­nungs­bil­des füh­re und zu einer deut­li­chen Redu­zie­rung der Brei­te der Trep­pen, was sich ins­be­son­de­re bei Umzü­gen und Trans­por­ten aus­wir­ken wür­de. Bei Dun­kel­heit, Feuch­tig­keit, Schnee­fall oder Eis­glät­te bestün­de zudem die Gefahr, dass Per­so­nen, die beim Bege­hen der Trep­pe aus Ver­se­hen auf die Ram­pe gelan­gen, aus­rut­schen oder stür­zen und sich dabei erheb­lich ver­let­zen. Dies berüh­re die Inter­es­sen der Mit­ei­gen­tü­mer an einem leich­ten und gefähr­dungs­frei­en Zugang zu ihren Woh­nun­gen.

Das Amts­ge­richt kommt damit zum Ergeb­nis, dass die bau­li­che Ver­än­de­rung durch eine Ram­pe zu Nach­tei­len führt, die über das bei einem geord­ne­ten Zusam­men­le­ben unver­meid­ba­re Maß hin­aus­ge­hen. Die Inter­es­sen der Mit­ei­gen­tü­mer an der Bei­be­hal­tung des bis­he­ri­gen Zustands wür­den das Inter­es­se des Klä­gers an der Errich­tung der Ram­pe über­wie­gen. Die Mit­ei­gen­tü­mer müs­sen nicht den Bau einer Ram­pe für den Kin­der­wa­gen geneh­mi­gen und dul­den.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 9. August 2014 – 481 C 21932/​12 WEG