Die Rechts­auf­fas­sung des Gerichts – und die Hin­weis­pflicht

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) gewähr­leis­tet das Recht der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, vor einer gericht­li­chen Ent­schei­dung, die ihre Rech­te betrifft, zu Wort zu kom­men, um Ein­fluss auf das Ver­fah­ren und sein Ergeb­nis neh­men zu kön­nen 1.

Die Rechts­auf­fas­sung des Gerichts – und die Hin­weis­pflicht

Auf einen Gesichts­punkt, mit dem ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter nach dem bis­he­ri­gen Pro­zess­ver­lauf nicht zu rech­nen braucht, darf das Gericht ohne vor­he­ri­gen Hin­weis oder Erör­te­rung mit den Par­tei­en nicht abstel­len 2.

Das Gericht ist nach Art. 103 Abs. 1 GG grund­sätz­lich nicht ver­pflich­tet, vor einer Ent­schei­dung auf sei­ne Rechts­auf­fas­sung hin­zu­wei­sen 3.

Die Par­tei hat auch kei­nen Anspruch dar­auf, dass das Gericht sich in dem von ihr für rich­tig erach­te­ten Sinn mit ihrem Vor­brin­gen befasst 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Dezem­ber 2014 – I ZR 228/​12

  1. BVerfGE 84, 188, 190[]
  2. BVerfGE 86, 133, 144; BVerfGE 98, 218, 263[]
  3. BVerfGE 74, 1, 6; 84, 188, 190[]
  4. BGH, Beschluss vom 03.04.2014 – I ZR 237/​12, Mar­kenR 2014, 343 Rn. 2 – BAVARIA[]