Die Rechts­mit­tel­frist, der PKH-Antrag – und die feh­len­den Unter­la­gen

Unter­bleibt die recht­zei­ti­ge Vor­nah­me einer frist­wah­ren­den Hand­lung (hier: die form­ge­rech­te Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de durch einen beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt) wegen des wirt­schaft­li­chen Unver­mö­gens der Par­tei, ist die Frist unver­schul­det ver­säumt und der Par­tei wird auf ihren Antrag oder von Amts wegen Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Frist gewährt (§§ 233 ff ZPO), sofern sie bis zu deren Ablauf einen den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spre­chen­den Antrag auf Pro­zess­kos­ten­hil­fe ein­ge­reicht und alles in ihren Kräf­ten Ste­hen­de getan hat, damit über den Antrag ohne Ver­zö­ge­rung sach­lich ent­schie­den wer­den kann 1.

Die Rechts­mit­tel­frist, der PKH-Antrag – und die feh­len­den Unter­la­gen

Ein man­geln­des Ver­schul­den an der Frist­ver­säum­nis (§ 233 ZPO) setzt vor­aus, dass die Pro­zess­par­tei, die vor Ablauf der Rechts­mit­tel­frist ledig­lich Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt hat­te, ver­nünf­ti­ger­wei­se nicht mit einer Ver­wei­ge­rung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe man­gels Bedürf­tig­keit rech­nen muss­te 2. Die Par­tei muss des­halb die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe inner­halb der Rechts­mit­tel­frist in aus­rei­chen­der Wei­se dar­tun und alle für die Bewil­li­gung erfor­der­li­chen Unter­la­gen bei­brin­gen 3.

Dar­an fehlt es im hier ent­schie­de­nen Fall: Der Beklag­te hat inner­halb der Frist für die Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de (§ 575 Abs. 1 Satz 1 ZPO), die am 25.02.2014 abge­lau­fen ist, die nach § 117 Abs. 2 i.V.m. Abs. 4 ZPO erfor­der­li­che Erklä­rung über sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se nicht vor­ge­legt, obwohl er auf die Erfor­der­lich­keit der Fris­tein­hal­tung mit Ver­fü­gung vom 20.02.2014 dring­lich hin­ge­wie­sen wor­den ist.

Die erst­ma­li­ge Vor­la­ge der Unter­la­gen war ver­spä­tet. Die Ver­säu­mung der Frist zur form­ge­rech­ten Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de war somit nicht unver­schul­det.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Juli 2014 – III ZB 4/​14

  1. st. Rspr., vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 21.02.2002 – IX ZA 10/​01, NJW 2002, 2180; vom 21.11.2013 – VII ZA 9/​13 1; und vom 14.05.2014 – XII ZB 689/​13, BeckRS 2014, 11509 Rn. 13[]
  2. BGH, Beschluss vom 10.04.2014 – III ZA 8/​14, BeckRS 2014, 10056 Rn. 2; BGH, Beschluss vom 11.06.2008 – XII ZB 184/​05, NJW-RR 2008, 1313 Rn. 26; Zöller/​Greger, ZPO, 30. Aufl., § 233 Rn. 23 Stich­wort "Pro­zess­kos­ten­hil­fe"[]
  3. BGH, Beschluss vom 15.08.2013 – IX ZB 49/​13, BeckRS 2013, 16364 Rn. 2[]