Die Regel­ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters und die zu erstel­len­den Steu­er­erklä­run­gen

Im Ver­hält­nis zur Grö­ße des Ver­fah­rens weni­ge, ein­fach zu erstel­len­de Steu­er­erklä­run­gen sind mit der Regel­ver­gü­tung abge­gol­ten.

Die Regel­ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters und die zu erstel­len­den Steu­er­erklä­run­gen

Für die Fra­ge, ob die Abga­be von Ein­kom­mens­steu­er­erklä­run­gen des Schuld­ners für den Treu­hän­der im ver­ein­fach­ten Insol­venz­ver­fah­ren zu sei­nen Regel­auf­ga­ben gehört, oder ob es sich um beson­de­re Auf­ga­ben im Sin­ne des § 4 Abs. 1 Satz 3 Ins­VV han­delt und zu Las­ten der Mas­se auf einen Steu­er­be­ra­ter über­tra­gen wer­den kann, gel­ten die­sel­ben Abgren­zungs­kri­te­ri­en wie für den Insol­venz­ver­wal­ter.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hat der Insol­venz­ver­wal­ter im Rah­men sei­nes Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­an­trags auf­zu­füh­ren, für wel­che von ihm beauf­trag­ten Fach­leu­te er das an die­se ent­rich­te­te Ent­gelt aus der Mas­se ent­nom­men hat. Das Insol­venz­ge­richt ist berech­tigt und ver­pflich­tet zu prü­fen, ob die Beauf­tra­gung Exter­ner gerecht­fer­tigt war. Kommt es zu dem Ergeb­nis, dass die Beauf­tra­gung nicht gerecht­fer­tigt war, kann es die fest­ge­setz­te Ver­gü­tung um den zu Unrecht aus der Mas­se ent­nom­me­nen Betrag kür­zen 1.

Die Ver­gü­tung des Treu­hän­ders im ver­ein­fach­ten Insol­venz­ver­fah­ren beträgt gemäß § 13 Abs. 1 Satz 1 InsO 15 v.H. der Insol­venz­mas­se und damit weni­ger als die Regel­ver­gü­tung des Ver­wal­ters nach § 2 Abs. 1 Ins­VV. Grund hier­für ist, dass der Auf­ga­ben­kreis des anstel­le des Insol­venz­ver­wal­ters im ver­ein­fach­ten Insol­venz­ver­fah­ren täti­gen Treu­hän­ders erheb­lich redu­ziert ist und des­halb regel­mä­ßig eine auf 15 v.H. des Wer­tes der Insol­venz­mas­se gemin­der­te Ver­gü­tung gerecht­fer­tigt ist 2.

Die Auf­ga­ben­re­du­zie­rung ergibt sich dar­aus, dass dem ver­ein­fach­ten Insol­venz­ver­fah­ren der Ver­such einer außer­ge­richt­li­chen Schul­den­be­rei­ni­gung und das Ver­fah­ren über den Schul­den­be­rei­ni­gungs­plan vor­aus­geht. Dem­entspre­chend ist das Insol­venz­ver­fah­ren zum Zeit­punkt der Eröff­nung bereits weit­ge­hend auf­be­rei­tet. Anstel­le eines Berichts­ter­mins wird nur der Prü­fungs­ter­min durch­ge­führt 3. Zudem ist der Treu­hän­der gemäß § 313 Abs. 2 Satz 1 InsO nicht zur Anfech­tung berech­tigt, wes­halb ihm im Fal­le eines ent­spre­chen­den Auf­trags der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung nach § 313 Abs. 2 Satz 3, 4 InsO ein Zuschlag zuste­hen kann 4. Zudem ist er gemäß § 313 Abs. 3 InsO nicht zur Ver­wer­tung von Gegen­stän­den berech­tigt, an denen Abson­de­rungs­rech­te bestehen.

Hin­sicht­lich der Abga­be der Steu­er­erklä­run­gen ist ein wesent­li­cher Unter­schied dage­gen im Ver­hält­nis zum Insol­venz­ver­wal­ter nicht gege­ben. Zwar kann bei einem Schuld­ner, der Arbeit­neh­mer ist, auf die Abga­be einer Steu­er­erklä­rung ver­zich­tet wer­den, wenn hier­für steu­er­recht­lich kei­ne Ver­pflich­tung besteht. Bestehen aber Steu­er­erstat­tungs­an­sprü­che, hat die­se der Treu­hän­der zuguns­ten der Mas­se zu rea­li­sie­ren, nicht anders als der Insol­venz­ver­wal­ter.

Es ent­spricht sach­ge­rech­ter Amts­füh­rung, für steu­er­recht­li­che Tätig­kei­ten, die beson­de­re Kennt­nis­se erfor­dern oder über den all­ge­mei­nen mit jeder Steu­er­erklä­rung ver­bun­de­nen Arbeits­auf­wand hin­aus­ge­hen, einen Steu­er­be­ra­ter ein­zu­set­zen. Wie bei der Ein­schal­tung eines Rechts­an­walts ist dafür der Maß­stab, ob ein Ver­wal­ter oder Treu­hän­der, der nicht als Rechts­an­walt oder Steu­er­be­ra­ter zuge­las­sen ist, für die­se Tätig­keit ange­mes­se­ner- und ver­nünf­ti­ger­wei­se einen Rechts­an­walt oder Steu­er­be­ra­ter ein­ge­schal­tet hät­te. Es muss sich um eine beson­de­re Auf­ga­be, nicht um ein all­ge­mei­nes Geschäft des Treu­hän­ders oder Ver­wal­ters han­deln 5.

Im Ver­hält­nis zur Grö­ße des Ver­fah­rens weni­ge, ein­fach zu erstel­len­de Steu­er­erklä­run­gen sind, sofern kei­ne Rechts­mit­tel ein­ge­legt wer­den müs­sen, mit der Regel­ver­gü­tung abge­gol­ten 6. Nach den Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts waren die Steu­er­erklä­run­gen ein­fach. Auf­wand in gewis­sem Umfang berei­te­te ledig­lich die Ermitt­lung des Sach­ver­halts. Es ist aber nichts dafür ersicht­lich, dass die­ser von einem Steu­er­be­ra­ter ein­fa­cher ermit­telt wer­den konn­te. Der Treu­hän­der hat­te ohne­hin Kon­takt zum Schuld­ner. Es gehör­te zu sei­nen Auf­ga­ben, die für die Durch­set­zung von Ansprü­chen der Mas­se erfor­der­li­chen Ermitt­lun­gen durch­zu­füh­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Novem­ber 2013 – IX ZB 161/​11

  1. BGH, Beschluss vom 11.11.2004 – IX ZB 48/​04, ZIP 2005, 36 f; vom 10.10.2013 – IX ZB 38/​11[]
  2. vgl. Amt­li­che Begrün­dung zu § 13 Ins­VV, abge­druckt z.B. bei Haarmeyer/​Wutzke/​Förs­ter, Ins­VV, 4. Aufl., S. 42 ff, S. 63; BGH, Beschluss vom 22.09.2011 – IX ZB 193/​10, ZIP 2011, 2158 Rn. 9; vom 26.04.2012 – IX ZB 176/​11, ZIn­sO 2012, 1138 Rn. 11[]
  3. vgl. Amt­li­che Begrün­dung, aaO[]
  4. BGH, Beschluss vom 26.04.2012, aaO[]
  5. BGH, Beschluss vom 22.07.2004 – IX ZB 161/​03, BGHZ 160, 176, 183; vom 11.11.2004 – IX ZB 48/​04, ZIP 2005, 36, 37; vom 03.03.2005 – IX ZB 261/​03, ZVI 2005, 143[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 14.11.2012 – IX ZB 95/​10, ZIn­sO 2013, 152 Rn. 4, 7 mwN[]