Die Rückabwicklung eines Autokaufs

Der Käufer eines Pkw kann nach dreimaligen Reparaturversuchen des Verkäufers keine Rückabwicklung des Kaufvertrags verlangen, wenn die behaupteten Mängel nicht nachgewiesen werden können und einiges auf einen falschen Gebrauch durch den Autokäufer hindeutet.

Die Rückabwicklung eines Autokaufs

So die Entscheidung des Landgerichts Coburg in dem hier vorliegenden Fall eines Autokäufers, der lautes Nageln beim Kaltstart seines Fahrzeugs bemängelt und deshalb den Kaufvertrag rückabwickeln möchte. Der spätere Kläger erwarb im Jahr 2010 bei einem Autohändler einen Wagen für etwa 19.500,00 Euro. Wenig später monierte er einen Defekt an der Elektronik des Fahrzeugs. Zum Beheben dieses Mangels musste der Käufer sein Fahrzeug zweimal für mehrere Tage in die Werkstatt des Autoverkäufers bringen. Drei Monate nach dem Kauf bemängelte der Fahrzeugkäufer, dass der Motor nach einem Kaltstart sehr laut und hart nagele und unrund laufe. Es kam dann zu einem weiteren Werkstattaufenthalt beim Autoverkäufer.

Im gerichtlichen Verfahren behauptete der Kläger, dass auch nach dem dritten Reparaturversuch die Mängel nicht behoben worden seien. Im Januar 2011 sei es wieder dazu gekommen, dass der Motor nach einem Kaltstart sehr laute und hart klingende Geräusche von sich gebe und unrund laufe. Der Kläger meinte, dass nunmehr ein dritter Nachbesserungsversuch des Beklagten erfolglos geblieben sei und er deshalb vom Kaufvertrag zurücktreten könne. Deswegen wollte er sein Geld gegen Rückgabe des Fahrzeugs zurückhaben. Der Beklagte gab an, dass ein Mangel des Fahrzeugs nicht vorliege. Dass ein Dieselmotor nach dem Anlassen beim Kaltstart ein nagelndes Geräusch von sich gebe, sei typisch für Dieselmotoren. Selbst wenn der Kaufvertrag rückabzuwickeln wäre, müsse der Fahrzeugkäufer sich eine Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer anrechnen lassen.

Nach Auffassung des Landgerichts Coburg ist es dem Kläger nicht gelungen, die behaupteten Mängel vor Gericht nachzuweisen. Der gerichtlich eingeschaltete Kfz-Sachverständige konnte bei seinen Untersuchungen die behaupteten Mängel des Motors nach einem Kaltstart nicht reproduzieren. Der Sachverständige führte aus, dass zwar einige Sekunden nach dem Starten des Motors ein dieseltypisches Nageln zu vernehmen war. Aber nach wenigen Sekunden sei es wieder verschwunden. Während der Fahrt hätten sich die vom Kläger behaupteten Mängel bei mehreren Fahrversuchen nicht gezeigt. Der Sachverständige mutmaßte, dass der Fahrer den Dieselmotor bei kalter Witterung nicht vorgeglüht haben könnte. In einer mündlichen Verhandlung vor dieser Angabe des Sachverständigen hatte der Fahrzeugkäufer noch angegeben, dass sein Fahrzeug bei einem Kaltstart nicht vorgeglüht werden müsse. Im ersten Termin nach den Angaben des Sachverständigen behauptete der Kläger nun, dass er sehr wohl vor dem Starten des Motors bei kalter Witterung das nach der Betriebsanleitung notwendige Vorglühen durchführe. Dies glaubte das Gericht dem Fahrzeugkäufer aber nicht mehr, sondern nahm an, dass er seine Aussage den Sachverständigenangaben angepasst hatte. Insbesondere wies das Gericht auch darauf hin, dass bei den extremen Temperaturen im Januar und Februar 2011 nach eigner Kenntnis des Gerichts sich die Warmlaufphase des Motors deutlich verlängert und in dieser Zeit der Motor mitunter unkomfortablere Eigenschaften aufweist. Daher sah es das Landgericht Coburg als erwiesen an, dass der verkaufte Diesel nicht mangelhaft ist.

Das Urteil des Landgerichts Coburg ist rechtskräftig, nachdem der Kläger nach Hinweisebeschluss des Oberlandesgerichts Bamberg die Berufung zurückgenommen hat1 .

Landgericht Coburg, Urteil vom 25. November 2011 – 13 O 366/11

  1. OLG Bamberg, Beschlüsse vom 28.02.2012 und 03.04.2012 – 6 U 1/112[]

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