Die Sanie­rung eines feuch­ten Kel­ler­an­baus

Der mit der Sanie­rung eines feuch­ten Kel­ler­an­baus beauf­trag­te Unter­neh­mer schul­det als funk­tio­na­len Erfolg die Her­stel­lung eines tro­cke­nen Kel­lers. Das gilt auch dann, wenn die Feuch­tig­keit nicht auf die zunächst ange­nom­me­nen Ursa­chen zurück­zu­füh­ren ist. Der mit Sanie­rung beauf­trag­te Unter­neh­mer darf davon aus­ge­hen, dass die bei der Errich­tung des Bau­werks gel­ten­den aner­kann­ten Regeln der Tech­nik beach­tet wur­den. Stellt der Unter­neh­mer wäh­rend der Aus­füh­rung fest, dass das zu sanie­ren­de Bau­werk nicht ent­spre­chend den bei Errich­tung gel­ten­den aner­kann­ten Regeln der Tech­nik errich­tet wor­den ist, muss er den Bestel­ler dar­auf hin­wei­sen.

Die Sanie­rung eines feuch­ten Kel­ler­an­baus

Mit die­ser Begrün­dung gab jetzt das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le der Kla­ge einer Haus­ei­gen­tü­me­rin statt, die den Bau­un­ter­neh­mer auf Zah­lung eines Vor­schus­ses auf die Kos­ten der Män­gel­be­sei­ti­gung in Anspruch genom­men hat­te:

Die Kla­ge ist als Vor­schuss­kla­ge zuläs­sig. Der Werk­un­ter­neh­mer kann in der Regel der Vor­schuss­kla­ge ent­ge­gen­set­zen, dass die Män­gel­be­sei­ti­gung gar nicht beab­sich­tigt ist. Dies ist hier jedoch nicht der Fall. Die Haus­ei­gen­tü­me­rin ist nicht gezwun­gen, die Vor­schuss­kla­ge umzu­stel­len, wenn die Maß­nah­men nach ihrer Ansicht noch nicht abge­schlos­sen sind. Soweit der Unter­neh­mer mit den Ein­wen­dun­gen gegen die Zuläs­sig­keit einer Vor­schuss­kla­ge ein­wen­den will, dass die Haus­ei­gen­tü­me­rin ent­spre­chend abzu­rech­nen habe, so muss er die­sen, dem Auf­trags­recht zu ent­neh­men­den Abrech­nungs­an­spruch gel­tend machen. Sei­nen Aus­füh­run­gen ist jedoch nicht zu ent­neh­men, dass er eben die­ses begehrt.

Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le geht auf­grund des unwi­der­leg­ten Vor­brin­gens der Haus­ei­gen­tü­me­rin, dass noch nicht abge­rech­net wer­den kön­ne, davon aus, dass die Vor­schuss­kla­ge wei­ter­hin berech­tigt ist. Der Unter­neh­mer mag sei­nen Abrech­nungs­an­spruch gegen­über der Haus­ei­gen­tü­me­rin, der auch zunächst auf Aus­kunft der bis­he­ri­gen Kos­ten geht, gel­tend machen. Für die Zuläs­sig­keit der Vor­schuss­kla­ge spielt dies indes kei­ne Rol­le.

Dar­über hin­aus besteht auch das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se hin­sicht­lich des Fest­stel­lungs­an­tra­ges.

Es ist einer Vor­schuss­kla­ge, die nur die vor­aus­sicht­li­chen Män­gel­be­sei­ti­gungs-kos­ten berück­sich­tigt, imma­nent, dass dane­ben auch bereits fest­ge­stellt wer­den kann, dass die dar­über hin­aus­ge­hen­den Kos­ten zu erset­zen sind.

Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se schei­tert nicht dar­an, dass die Haus­ei­gen­tü­me­rin nahe­zu abrech­nen kann. Es han­delt sich bei der Sanie­rung des Objek­tes im Hin­blick auf Schim­mel um ein durch­aus lang­fris­ti­ges Phä­no­men, was allein die Tat­sa­che zeigt, dass erst zwei Jah­re nach Fer­tig­stel­lung sich ent­spre­chen­de Schä­den zeig­ten. Dem­nach kann unab­hän­gig von der Abrech­nungs­rei­fe ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se der Haus­ei­gen­tü­me­rin nicht ver­neint wer­den.

Die Haus­ei­gen­tü­me­rin hat gegen den Unter­neh­mer auch einen Anspruch aus §§ 634 Nr. 2, 637 Abs. 3 BGB auf Ersatz der vor­aus­sicht­lich auf­zu­wen­den­den Kos­ten der Män­gel­be­sei­ti­gung.

Das Werk des Unter­neh­mers war man­gel­haft. Dabei berück­sich­tigt das Ober­lan­des­ge­richt, dass die Haus­ei­gen­tü­me­rin an den Unter­neh­mer mit dem Auf­trag, den feuch­ten Kel­ler zu sanie­ren, her­an­ge­tre­ten ist. Aus­weis­lich der Anla­ge K 1 war ihm auch bewusst, dass die Innen­wän­de feucht waren und eine umfas­sen­de Feuch­te­pro­ble­ma­tik besteht. Soweit er ein­wen­det, dass dies nur die Kel­ler­au­ßen­wän­de von innen betrifft, so erscheint dies mehr als fern­lie­gend. Nach dem objek­ti­vem Emp­fän­ger­ho­ri­zont und auch den eige­nen Fest­stel­lun­gen des Unter­neh­mers, näm­lich, dass die Innen­wän­de bis 1, 50 m hoch nass waren, lässt sich dies dem Ange­bot und der Ana­ly­se nicht ent­neh­men. Mit dem Unter­neh­mer ist davon aus­zu­ge­hen, dass er zunächst auch bei der Auf­trags­er­tei­lung davon aus­ge­hen konn­te, dass der Bau ent­spre­chend den damals gel­ten­den aner­kann­ten Regeln des Hand­werks mit einer ent­spre­chen­den Hori­zon­tal­sper­re aus­ge­stat­tet ist. Da er die umfas­sen­de Feuch­te­pro­ble­ma­tik ana­ly­siert hat, die bereits nach sei­ner Anla­ge K 1 nicht allein in einer Über­schwem­mung lag, denn für die­sen Fall hät­te eine ver­ti­ka­le Abdich­tung der Außen­wän­de kei­nen Zweck gehabt, war ihm bekannt, dass er umfas­send zu prü­fen hat­te. Bereits nach sei­nem eige­nen Vor­trag hat er eine Boden­ab­dich­tung in der Flä­che vor­ge­nom­men und die­se ledig­lich an die Wän­de her­an- und nicht hoch­ge­führt. Er hat sie damit gera­de nicht über die ers­te Stein­la­ge hin­weg ver­ti­kal an den Wän­den hoch­ge­führt. Nach eige­nem Vor­trag ist er davon aus­ge­gan­gen, dass eine Hori­zon­tal­sper­re vor­han­den war. Wenn er aber eine Hori­zon­tal­sper­re in Mörtel­form annahm, so hät­te er zumin­dest den ver­ti­ka­len Anschluss bis zur ver­mu­te­ten Hori­zon­tal­sper­re her­an­füh­ren müs­sen. Ihm war auch bewusst, dass die Innen­wän­de bis auf eine Höhe von 1, 5 m "klitsch­nass" waren. Der Unter­neh­mer hat inso­weit ange­ge­ben, dass das Vor­han­den­sein einer Hori­zon­tal­sper­re von ihm nicht über­prüft wor­den ist, zumal eine punk­tu­el­le Über­prü­fung kei­ne 100 %ige Sicher­heit geben wür­de.

Soweit der Unter­neh­mer gel­tend macht, dass es ledig­lich um die Sanie­rung eines Was­ser­ein­bru­ches ging, der durch die feh­len­de Anschluss­fu­ge zwi­schen Anbau und Alt­bau erfolg­te, und dass dem­nach nur ste­hen­des Was­ser in den Wän­den hoch­ge­zo­gen sei, so ver­fängt die­ser Ein­wand nicht. Eben­falls ver­fängt nicht, dass wei­te­re Mit­bie­ter ein­hel­lig von hoch­zie­hen­der Feuch­tig­keit aus­gin­gen. Zum einen belegt das Hoch­drü­cken durch eine Anschluss­fu­ge im Kel­ler­be­reich deut­lich, dass es eine Pro­ble­ma­tik im Hin­blick auf von unten auf­stei­gen­des Was­ser gab. Zwar konn­te der Unter­neh­mer auf­grund der Aus­sa­ge, es han­de­le sich um WU-Beton bzw. eine wei­ße Wan­ne, davon aus­ge­hen, dass dies zunächst den Tat­sa­chen ent­sprach. Indes ergibt sich allein dar­aus, dass er auch eine ver­ti­ka­le Abdich­tung der Außen­wän­de anbot, dass ins­ge­samt eine Feuch­te­pro­ble­ma­tik durch das Erd­reich bestand. Durch die Lage des Grund­stücks in einer Sen­ke, war dies für den Unter­neh­mer auch augen­fäl­lig.

Mit dem Auf­trag war daher ein funk­tio­na­ler Erfolg – tro­cke­ner, bewohn­ba­rer Kel­ler – geschul­det. Zwar ist mit dem Unter­neh­mer davon aus­zu­ge­hen, dass er zunächst das Vor­han­den­sein der Hori­zon­tal­sper­re als gege­ben anneh­men durf­te. In dem Moment, wo er jedoch kei­ne sicht­ba­re Sper­re ent­de­cken konn­te, war es sei­ne Auf­ga­be, das Vor­han­den­sein einer Hori­zon­tal­sper­re zu klä­ren. Dies hat er nicht getan. Er hat dar­über hin­aus auch kei­ne Hoch­füh­rung der Flä­chen­ab­dich­tung an den Bereich der ggf. nur ver­mu­te­ten Hori­zon­tal­sper­re vor­ge­nom­men. Mit dem Land­ge­richt ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass eine Auf­klä­rung den Unter­neh­mer nur inso­weit ent­las­tet hät­te, wenn er umfang­reich über die feh­len­de Klä­rung einer Hori­zon­tal­sper­re, den damit ver­bun­de­nen Risi­ken und einer mög­li­chen von unten auf­stei­gen­den Feuch­te auf­klärt. Nach sei­ner Anhö­rung sowie nach sei­ner eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung hat er aber ledig­lich dar­über auf­ge­klärt, dass mög­li­cher­wei­se eine Hori­zon­tal­sper­re dort sein kann, er es aber nicht wis­se. Damit hat er gera­de nicht über alle not­wen­di­gen Punk­te auf­ge­klärt, die die Haus­ei­gen­tü­me­rin in die Lage ver­setzt hät­ten, eine sach­ge­rech­te Ent­schei­dung zu tref­fen. Inso­weit kommt es auch nicht auf die Ver­neh­mung des Zeu­gen H. an, weil – unbe­scha­det der Tat­sa­che, dass die­ser gera­de einen kon­kre­ten Hin­weis nicht bekun­den konn­te – schon nach dem eige­nen Vor­trag des Unter­neh­mers das­je­ni­ge, auf das er hin­ge­wie­sen hat, nicht aus­rei­chend war, um der Hin­weis- und Beden­ken­pflicht, die nach § 4 Abs. 3 VOB/​B (so die­se wirk­sam ein­be­zo­gen wur­de) zudem hät­te schrift­lich erfol­gen müs­sen, zu genü­gen.

Dem Unter­neh­mer ist damit vor­zu­hal­ten, dass er den ent­spre­chen­den umfas­sen­den Hin­weis und die umfas­sen­de Bera­tungs­pflicht, die aus sei­nem Wis­sens­vor­sprung fol­gen, gera­de nicht vor­ge­nom­men hat. Er hat es aber auch unter­las­sen, selbst für den Fall, dass der Hin­weis zumin­dest in der abge­schwäch­ten Form erteilt wur­de, dem­nach schrift­lich Beden­ken anzu­mel­den, weil durch eine feh­len­de Hori­zon­tal­sper­re eine kom­plet­te Sanie­rung wegen von unten drü­cken­der Feuch­tig­keit nicht erreich­bar ist.

Es ist auch davon aus­zu­ge­hen, dass das Werk des Unter­neh­mers man­gel­haft ist. Bereits das Scha­dens­bild des sich aus­brei­ten­den Schim­mels kurz ober­halb der Sockel­flie­sen bzw. ‑leis­ten an sämt­li­chen Innen­wän­den belegt, dass die Innen­wän­de einer Feuch­te­be­las­tung unter­lie­gen. Dies ist nicht über­ein­zu­brin­gen mit einem Scha­dens­bild, wie es bei unsach­ge­mä­ßer Lüf­tung zu erwar­ten gewe­sen wäre. Soweit dar­auf abge­stellt wird, dass fal­sches Nut­zungs­ver­hal­ten vor­liegt, so mag dies ggf. noch für die Schim­mel­fle­cken eine Erklä­rung sein, es erklärt indes nicht, war­um sowohl der Est­rich, als auch das ver­putz­te Mau­er­werk, als auch der Putz, als auch die Roh­soh­le nass ist. Dies spricht für von unten drü­cken­de Feuch­tig­keit, die nach dem Auf­trag der Haus­ei­gen­tü­me­rin gera­de zu besei­ti­gen war. Bei fal­schem Lüf­tungs­ver­hal­ten hät­te ins­be­son­de­re an den Stel­len, an denen eine Zir­ku­la­ti­on nicht mög­lich ist, ein ver­mehr­ter Schim­mel­auf­trag sein müs­sen. Dies sind ins­be­son­de­re sämt­li­che betrof­fe­ne Außen­wän­de, soweit die­se im Erd­reich lie­gen und mit Möbeln ver­stellt sind. An rei­nen Innen­wän­den wäre Schim­mel infol­ge der Durch­wär­mung von bei­den Sei­ten in der Regel nicht zu erwar­ten. Genau dies konn­te der Sach­ver­stän­di­ge, aber auch der Unter­neh­mer selbst, aus­weis­lich der Anla­ge 5 zum Ergän­zungs­gut­ach­ten nicht fest­stel­len. Dass das Werk des Unter­neh­mers man­gel­haft ist, ergibt sich über­dies aus den Bau­tei­löff­nun­gen zum einen an einer Innen­wand, zum ande­ren an einer Außen-/In­nen­wan­de­cke. Bei­de Bau­tei­löff­nun­gen haben unab­hän­gig von­ein­an­der erge­ben, dass sowohl das Mau­er­werk, als auch der Est­rich, als auch der Putz und die Roh­soh­le feucht sind. Dies mag ggf. zu erklä­ren sein, wenn an den jewei­li­gen Stel­len Was­ser­ei­mer aus­ge­kippt wor­den sind, jedoch erklärt dies nicht, dass dies an bei­den Stel­len unab­hän­gig von­ein­an­der iden­tisch vor­liegt. Inso­weit ist es zwar auch mög­lich, dass ein Feuch­te­ein­trag über die Dusche erfolg­te. Die­ser wür­de aber, weil allen­falls die defek­te Sili­kon­fu­ge den Was­ser­ein­trag ermög­li­chen kann, nicht die Betrof­fen­heit sämt­li­cher Innen­wän­de und auch der Außen­wän­de erklä­ren. Inso­weit müss­te davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass letzt­lich das gesam­te Dusch­was­ser von meh­re­ren Per­so­nen über Wochen kom­plett auf die Roh­soh­le ent­leert wird, was nicht anzu­neh­men ist, wenn ledig­lich in den Flie­sen­fu­gen nicht durch­gän­gig aus­ge­bil­de­te Sili­kon­ab­dich­tungs­fu­gen defekt sind. Zudem wäre zu erwar­ten, dass der Schim­mel im Bereich des Aus­tritts bis zu den ent­fern­te­ren Berei­chen abnimmt.

Das Ober­lan­des­ge­richt kann sich daher der Auf­fas­sung des Unter­neh­mers, dass die feh­len­de Hori­zon­tal­sper­re nicht ursäch­lich für den Scha­den ist, nicht anschlie­ßen. Das Pro­blem der auf­stei­gen­den Feuch­te ist allein dadurch belegt, dass direkt ober­halb des sicht­ba­ren Bereichs der Schim­mel beginnt. Für die von dem Unter­neh­mer behaup­te­ten Schim­mel­schä­den durch feh­ler­haf­te Lüf­tung ist dies gera­de nicht cha­rak­te­ris­tisch. In die­sem Fal­le hät­ten die Wän­de jeweils groß­flä­chig z. B. hin­ter den Schrän­ken befal­len sein müs­sen, wenn die­se an Außen­wän­de plat­ziert sind. Dar­über hin­aus hät­te sich ver­mut­lich in der Lai­bung sowie in den Raumau­ßen­ecken Schim­mel abge­setzt. Dies ist durch­gän­gig nicht der Fall, viel­mehr fin­det sich der Schim­mel an den Innen­wän­den knapp ober­halb des Est­richs bzw. ober­halb der Sockel­leis­te. Zwar mag man mit dem Unter­neh­mer davon aus­ge­hen, dass ein ent­spre­chen­der Scha­den sich auch bei auf­stei­gen­der Feuch­tig­keit her­rüh­rend von der Dusche zei­gen muss­te. In der Zusam­men­schau begrün­det aber ein Feuch­te­ein­trag durch die Dusche auf der Roh­soh­le gera­de nicht, dass auch die Außen­wän­de nass sind.

Ob der Putz auf der Beton­soh­le auf­steht oder nicht, ist letzt­lich ohne Belang, weil die auf­stei­gen­de Feuch­te sich über das Mau­er­werk sei­nen Weg auch durch den Putz sucht. Es besteht eine umfas­sen­de Feuch­te­pro­ble­ma­tik, die auch die Außen­wän­de und die Beton­soh­le betrifft.

Soweit der Unter­neh­mer wei­te­re Ein­wen­dun­gen gegen den Sach­ver­stän­di­gen sowie sein Vor­ge­hen erhebt, grei­fen die­se nicht durch. Zwar kann man mit dem Pri­vat­gut­ach­ter D. davon aus­ge­hen, dass durch­aus ein­zel­ne Tei­le wie z. B. der Schim­mel auf dem Kork durch Wisch­was­ser oder Kon­den­sat­feuch­te ent­stan­den sind. Es erscheint auch mög­lich, dass Feuch­te im rück­wär­ti­gen Wand­be­reich zur Dusche von den undich­ten Fugen her­rührt. Letzt­lich mögen die­se Ein­zel­punk­te wider­leg­bar sein, sie sind es indes in der Zusam­men­schau nicht. Denn weder Wisch­was­ser noch Kon­den­sat­feuch­te noch ein Ein­trag über die Dusche erklä­ren das umfas­sen­de Scha­dens­bild an sämt­li­chen Innen­wän­den sowie die Feuch­te der Außen­wän­de. Die von dem Gut­ach­ter D. vor­ge­brach­ten Ein­wen­dun­gen bezie­hen sich viel­mehr auf punk­tu­el­le Schim­mel­schä­den, um die es vor­lie­gend jedoch auf­grund des Scha­dens­bil­des ins­ge­samt nicht geht.

Auch die Ein­wen­dun­gen zu den Mess­ver­fah­ren grei­fen nicht durch. Zwar ist es durch­aus mög­lich und ins­be­son­de­re bei dem Ter­min im Som­mer nicht aus­zu­schlie­ßen, dass Kon­den­sat­feuch­te vor­han­den war. Dies erklärt jedoch nicht, war­um sowohl bei dem Win­ter­ter­min, als auch bei dem Som­mer­ter­min nahe­zu die glei­chen Mess­wer­te erreicht wur­den. Auch ein Kon­den­sat auf der Roh­soh­le ist nicht erklär­lich. Es ist bereits nicht nach­voll­zieh­bar, dass sich in einer soeben erfolg­ten Bau­tei­löff­nung, die zudem nicht die glei­che Tem­pe­ra­tur wie das Erd­reich haben dürf­te, weil sie sich im Über­gang zum Bau befin­det, eine durch­gän­gi­ge Kon­den­sat­feuch­te­schicht bil­det, zumal die ein­zel­nen Bau­tei­le z. B. gera­de wegen der Est­rich­däm­mung bzw. wegen des Über­gangs des Wand­put­zes unter­schied­li­che Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tu­ren haben. Es wäre daher zu erwar­ten, dass tat­säch­lich auf der käl­tes­ten Ober­flä­che Feuch­te aus­fällt, nicht indes – so der Vor­trag des Unter­neh­mers – auf allen.

Dabei geht das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le davon aus, dass die ver­wen­de­ten Mess­son­den nur einen rela­ti­ven Mess­wert erge­ben. Sie kön­nen daher im Ver­hält­nis zur jewei­li­gen Roh­dich­te des gemes­se­nen Mate­ri­als jeweils nur eine Aus­sa­ge dar­über tref­fen, ob das Mate­ri­al tro­cken, sehr tro­cken, nass oder sehr nass ist. Eine quan­ti­ta­ti­ve Bestim­mung, wie viel Feuch­tig­keit auf einem Kubik­me­ter vor­han­den ist, ist damit nicht mög­lich. Dies ist aber auch nicht not­wen­dig, weil eine Zusam­men­schau der ver­schie­de­nen Mess­punk­te sowie die Tat­sa­che, dass die Mes­sun­gen an bei­den Ter­mi­nen jeweils nahe­zu iden­ti­sche Wer­te erge­ben haben, davon aus­zu­ge­hen, dass sie zumin­dest in rela­ti­ver Abhän­gig­keit die Tro­cken­heit oder die Feuch­te der Wän­de bele­gen.

Das Ober­lan­des­ge­richt ver­kennt nicht, dass die Aus­füh­run­gen zu Stö­run­gen, die durch metal­li­sche Ein­schlüs­se vor­han­den sind, nicht unbe­rech­tigt sind, jedoch ist hier bei der Ein­dring­tie­fe nicht davon aus­zu­ge­hen, dass sich dies auf die Mess­ergeb­nis­se aus­ge­wirkt hat. Zumal sich die Mess­ergeb­nis­se durch die im Sach­ver­stän­di­gen­ter­min fest­ge­stell­te Feuch­te der Roh­soh­le und des Mau­er­werks, wobei in letz­te­rem kein Stahl ver­ar­bei­tet wur­de, ins­ge­samt bestä­tigt haben.

Soweit der Unter­neh­mer vor­bringt, dass das ver­wen­de­te Mess­ver­fah­ren nicht geeig­net ist in dem Moment, wo ggf. Kon­den­sat­feuch­te besteht, die Feuch­te des zu mes­sen­den Objekts zu unter­schei­den. Dies kann letzt­lich dahin­ste­hen, weil der Unter­neh­mer selbst nicht vor­trägt, dass im Bereich des sicht­ba­ren Schim­mels Kon­den­sat­feuch­te besteht. Viel­mehr war der Putz dort gera­de nicht feucht. Eine Kon­den­sat­feuch­te erscheint zumin­dest auch im Novem­ber 2008 mehr als fern­lie­gend. Dar­über hin­aus bestehen auch kei­ne wei­te­ren Anhalts­punk­te für ande­re Ursa­chen. Zwar ist mit dem Unter­neh­mer davon aus­zu­ge­hen, dass ein Scha­den unter­halb der Dusche mit einem ent­spre­chen­den viel­fa­chen Feuch­tig­keits­ein­trag dazu füh­ren kann, dass die Feuch­tig­keit sich auf der Roh­soh­le ver­teilt und sodann in den jeweils auf­ste­hen­den Wän­den durch die Kapil­lar­wir­kung auf­steigt. Dies belegt indes nicht das vor­lie­gen­de Scha­dens­bild, näm­lich dass auch die Außen­wän­de wei­ter­hin feucht sind. Dort ist ledig­lich kein Schim­mel ent­stan­den, weil die Kli­ma­zell-Plat­ten die­sen zunächst ver­hin­dern. Da aber das Gut­ach­ten ein­deu­tig erge­ben hat, dass das auf­ste­hen­de Mau­er­werk auch der Außen­wän­de feucht ist, belegt dies viel­mehr eine ins­ge­samt bestehen­de Feuch­te­pro­ble­ma­tik. Dem Unter­neh­mer hät­te dies auch bereits nach eige­nem Vor­brin­gen bewusst sein müs­sen. Auf­grund der beson­de­ren Lage des Grund­stücks in einer Sen­ke, waren an die Bau­werks­ab­dich­tung erhöh­te Anfor­de­run­gen zu stel­len. Dem­entspre­chend hat­te auch die Sanie­rung des Objek­tes die­se beson­de­re Lage zu berück­sich­ti­gen. Dass der Unter­neh­mer dies nicht tat, ergibt sich allein dar­aus, dass er noch nicht ein­mal die Flä­chen­ab­dich­tung der Dich­tungs­schläm­me ver­ti­kal bis zum ver­mu­te­ten Bereich des ggf. vor­han­de­nen Dich­tungs­mör­tels hoch­führ­te.

Gegen den Sach­ver­stän­di­gen bestehen im vor­lie­gen­den Fall auch kei­ne durch­grei­fen­den Beden­ken. Sowohl der Sach­ver­stän­di­ge als auch der Unter­neh­mer sind davon aus­ge­gan­gen, dass eine Hori­zon­tal­sper­re vor­han­den ist. Da im ers­ten Bege­hungs­ter­min Bau­tei­löff­nun­gen nicht erfolg­ten, ist dies auch nicht zu bean­stan­den. Auf­grund der Ein­wen­dun­gen, mit denen sich der Sach­ver­stän­di­ge umfas­send aus­ein­an­der­ge­setzt hat, wird deut­lich, dass der Sach­ver­stän­di­ge nicht nur über die not­wen­di­ge Sach­kun­de ver­fügt, son­dern auch, dass er mit ent­spre­chen­der Bau­tei­löff­nung die Ursa­chen umfang­reich ermit­telt. Dabei hat sich der Sach­ver­stän­di­ge auch mit den Angrif­fen gegen den Inhalt des Gut­ach­tens aus­ein­an­der­ge­setzt. Der Unter­neh­mer muss sich auch dar­auf ver­wei­sen las­sen, dass weder der Gut­ach­ter P., noch der Gut­ach­ter D. bei der Orts­be­ge­hung vor Ort waren. Dar­über hin­aus hat gera­de der Sach­ver­stän­di­ge P. in sei­ner gut­ach­ter­li­chen Stel­lung­nah­me S. 5 aus­drück­lich erklärt, dass anhand der Bild­do­ku­men­ta­ti­on ihm ein aus­rei­chen­des Bild zum Scha­dens­um­fang ersicht­lich war. Er hat sich dar­über hin­aus damit befasst, dass hier eine Bau­tei­löff­nung zwin­gend ist, die der Sach­ver­stän­di­ge sodann im wei­te­ren Ter­min auch vor­ge­nom­men hat. Soweit der Gut­ach­ter P. sich ins­be­son­de­re gegen die Mess­me­tho­den rich­tet, so ist dies aus den vor­ge­nann­ten Grün­den nicht durch­grei­fend. Ins­be­son­de­re ist dem Ober­lan­des­ge­richt bekannt, dass mit ent­spre­chen­den Feuch­temess­ge­rä­ten anhand von Son­den eine Ein­schät­zung ohne quan­ti­ta­ti­ve Bestim­mung mög­lich ist. Einer sol­cher bedarf es indes auch nicht, wenn sich ins­ge­samt ergibt, dass die Feuch­te von unten mas­siv besteht.

Die Mes­sung, die der Sach­ver­stän­di­ge vor­nahm, beruht auf dem Mess­prin­zip des kapa­zi­ti­ven elek­tri­schen Fel­des. Die Ver­än­de­rung des elek­tri­schen Fel­des durch Mate­ri­al und Feuch­te wird im Mess­ge­rät erfasst, umge­rech­net und man erhält die Feuch­te­wer­te als Digit-Ein­hei­ten. Die Mes­sung ist damit nur eine rela­ti­ve Mes­sung, d. h. es wird der Unter­schied zwi­schen dem tro­cke­nen und dem feuch­ten Bau­stoff ange­zeigt. Durch gelös­te Sal­ze kann der Bau­stoff zum elek­tro­ly­ti­schen Lei­ter wer­den, wodurch sich höhe­re Kapa­zi­täts­wer­te erge­ben kön­nen. Der Ein­wand des Unter­neh­mers ist daher nicht ohne Berech­ti­gung, er greift indes nicht, weil die Wer­te hier nicht ledig­lich schwach ober­halb der Wer­te für die Bau­stof­fe für nass lie­gen. Sie lie­gen viel­mehr weit dar­über im Bereich "sehr nass", so dass die­se Kapa­zi­tät des Dielek­tri­kums, d. h. der elek­trisch schwach- oder nicht­lei­ten­de, nicht­me­tal­li­sche Sub­stanz, sich nicht allein durch die Anwe­sen­heit von Sal­zen erklärt.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 16. Mai 2013 – 16 U 160/​12